Die Grüne Woche in Berlin steht vor der Tür. Für Kreisbäuerin Beate Opel aus Neufang hat die internationale Landwirtschaftsschau heuer eine besondere Bedeutung: Sie wird dort vom 16. bis 19. Januar gemeinsam mit stellvertretender Bezirksbäuerin Rosi Kraus aus Bamberg den oberfränkischen Bauernverband vertreten.
Im Vorfeld dieser weltgrößten Agrarmesse gibt es negative Schlagzeilen zur Massentierhaltung oder zum angeblich mit Antibiotika belasteten Putenfleisch. Diese würden die bäuerlichen Betriebe völlig zu Unrecht in ein schlechtes Licht rücken. Nicht zuletzt deshalb will die Kreisbäuerin bei der Grünen Woche den Dialog mit den Verbrauchern suchen und führen. Beate Opel: "Diese Schlagzeilen belasten unseren Berufsstand Für uns wird es immer schwieriger."

Der Bayerische Bauernverband ist nun bereits zum sechsten Mal in Folge mit einem eigenen Stand in Berlin vertreten. Seit drei Jahren gibt es die Bayern-Halle, initiiert und konzipiert vom bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Genuss- und Tourismusland

Dort wird das Genuss- und Tourismusland Bayern präsentiert. Neben der legendären BBV-Milchbar zeigen Landfrauen aus Oberfranken, der Oberpfalz und Schwaben unter dem Motto "So fühlt sich Bayern an", was die Landwirtschaft im Freistaat ausmacht. Hier können Besucher Landwirtschaft nicht nur sehen, sondern riechen, fühlen und schmecken. "Als Kostprobe bieten wir einen kleinen Becher selbst gemachtes Knuspermüsli mit Joghurt zum Probieren an", verrät die Kreisbäuerin vorab.

Im Vordergrund soll aber der Dialog mit den Verbrauchern stehen. Dies hält Beate Opel, die als gebürtige Berlinerin für die Grüne Woche geradezu prädestiniert ist, angesichts der jüngsten Schlagzeilen für dringend nötig.

"Ein Schlag ins Gesicht"

"Wir Bauern sind ganz schön sauer, dass jetzt vor der Grünen Woche wieder diese negativen Medienberichte über die Massentierhaltung und Antibiotika-Missbrauch kommen. Das ist für uns immer wieder ein Schlag ins Gesicht, weil wir als Erzeuger vom Vertrauen des Verbrauchers abhängig sind." Solche Berichte, so Beate Opel, bringe man schlecht aus den Köpfen raus. "Natürlich fragen wir uns auch, wie die Leute sowas denken können, und bilde mir meine eigene Meinung dazu. In unserer Gesellschaft gibt es heutzutage Viele, die mit der Landwirtschaft überhaupt nichts zu tun haben und auch in ihrer Familie niemanden mehr haben, der einmal Landwirtschaft betrieben hat oder einen Einblick hatte. Es ist deshalb schwer, diesen Menschen rüberzubringen, dass wir immer das Tierwohl im Auge haben. Wir lieben die Tiere, sie gehören zu unserem Leben."

Die Kreisbäuerin stellt fest, dass es in ganz Oberfranken keinen Betrieb gibt, der Puten in Massenhaltung aufzieht. Massentierhaltung sei ganz allgemein in Oberfranken nicht üblich. Hier arbeiteten nach wie vor Familienbetriebe, in denen jeder eine persönliche Beziehung zu jedem Tier habe.

Hauptsächlich ärgert sich Beate Opel darüber, dass die Bauern mit den schwarzen Schafen, die doch eher der Industrie zuzurechnen seien, in einen Topf geworfen werden: "Wenn wir Massentierhaltung hätten, dann würden die Tiere ja nicht zunehmen. Das ist nicht der normale Weg, um ein Tier zu mästen wie in unserem Betrieb, der aus Milchviehhaltung und Bullenmast besteht."

Nicht zuletzt deshalb, so Opel, stünden die Bauern immer wieder als Gesprächspartner zur Verfügung und öffneten ihre Stalltüren, wann immer dies möglich sei. Gerade mit derartigen Aktionen wollten die Landwirte zeigen, was ihren Beruf ausmacht, und dass ein moderner Bauer alles tue, um seine Tiere bestens zu versorgen.

Auflagen und ständige Kontrollen

Die Bauern unterliegen nach den Worten der Kreisbäuerin Produktionsauflagen, die auch regelmäßig überprüft werden. Beate Opel: "Auch auf einem Bauernhof muss heute alles dokumentiert und bei Kontrollen transparent gemacht werden. Wer dem nicht nachkommt, der muss mit Konsequenzen rechnen. Dafür müssen sich aber wirklich die allermeisten oberfränkischen Betriebe nicht fürchten, denn sie führen ihre Betriebe ordentlich. Unser Berufsstand erklärt sich immer, wir betreiben Öffentlichkeitsarbeit. Die Leute können zu uns kommen und sich alles anschauen. Wir haben nichts zu verbergen. Im Gegenteil: Wir wollen den Verbrauchern zeigen, wo und wie unser Fleisch hier in der Region produziert wird. Wir wollen auch gern zeigen, wo und wie unsere Lebensmittel mit hohem Aufwand und großer Verantwortung hergestellt werden, und dass wir ordentliche und ehrliche Arbeit machen."

Für Beate Opel ist es keine Frage: Die Landfrauen wollen weiterhin ein wichtiger Vermittler zwischen Landwirtschaft und Verbraucher sein: "Wir sind authentisch, schon weil wir jeden Tag mit der Arbeit auf einem Hof zu tun haben. Es ist uns wichtig, den Verbrauchern zeigen zu können, wie die Arbeitsabläufe sind, die viele gar nicht mehr kennen. In unserer Gesellschaft ist es leider so, dass keiner mehr danach fragt, wo die Lebensmittel eigentlich her kommen. Die Wertschätzung für die Arbeit in der Landwirtschaft ist fast nicht mehr vorhanden. Und deshalb freue ich mich, dass ich gerade jetzt auf der Grünen Woche dabei sein und meinen Berufsstand vertreten kann. Auch weil Berlin meine frühere Heimat war."