Der Trend-Weihnachtsbaum 2013 wird wieder einmal die Nordmanntanne werden. Waldemar Baumgärtner und Uwe Witzgall aus Vorderreuth sind sich da einig. So ist es eigentlich jedes Jahr. "Neun von zehn verkauften Bäume sind Nordmanntannen. Die stacheln nicht und halten ihre schönen Nadeln gut. Sie sind auch sehr dunkel und sehen gut aus", schwärmt Baumgärtner.

Dem 66-jährigen Vorderreuther macht in punkto Christbaum so leicht niemand etwas vor. Persönlich hat er allerdings eine ganz andere Vorliebe. Auch heuer wird in der guten Stube seiner Familie eine Nobilis-Tanne für Glanz sorgen. Nobilis steht für den Begriff edel. "Die Nadeln sind noch weicher und schöner als bei der Nordmanntanne, sie schimmern blau, und vor allem riechen die Nobilis so gut", sagt Baumgärtner und zeigt auch gleich, was er meint: Ein sanftes Reiben genügt, schon duftet der Baum wunderbar: nach Weihnachten aus der Natur.


Bereits 1926 erwähnt

Bereits 1926 wurde Waldemar Baumgärtners Christbaum-Plantage erwähnt, er selbst züchtet bereits in der dritten Generation - hauptberuflich. "Ich mache nichts anderes. Das ist ein echtes Geschäft", sagt der 66-Jährige , der sich jetzt aber langsam aus dem Weihnachts-Business zurückziehen will. Deshalb hat er sein Anbaugebiet Anfang des Jahres an Uwe Witzgall aus Vorderreuth übergeben.

Der 43-Jährige hilft seinem Nachbarn seit vielen Jahren - eigentlich schon immer. Langsam wächst er ins Geschäft hinein. "Ackerbau ist bei uns nicht so gut, deshalb möchte ich Weihnachtsbaum-Anbauer werden", sagt er. Für die Christbäume ist der karge, leicht sauere Boden im Stadtsteinacher Land ideal. Denn so wachsen die Bäume nicht so schnell, aber ziemlich gleichmäßig. Witzgall will die Kultur im Sinne von Waldemar Baumgärtner weiterführen. Am Anbau möchte er nichts ändern. Auch in Zukunft wird es hauptsächlich Nordmanntannen geben, aber auch Nobilis, Blaufichten, Korea-Tannen und ein paar Schwarzkiefern.

"Das Geschäft geht schon im Juli los", weiß Witzgall, der bei allen Verhandlungen mit Großhändlern dabei ist. Tatsächlich tragen schon viele Bäume in der Kultur bunte Schildchen. In Gelb, Orange oder Purpur. Die Farben geben Aufschluss über die Größe. So sind gelb gekennzeichnete Bäume zwischen drei und 3,50 Metern groß, orangefarbene zwischen zwei und 2,50 Metern und purpurfarbene zwischen 2,50 und drei Metern. "Wir haben Großkunden für besondere, hochwertige Exemplare. Solche Bäume werden dann einzeln ausgesucht", erklärt Baumgärtner. "Früher haben wir auch Privatleute durch den Wald gehen lassen, aber es war sehr aufwändig, die Bäume dann zu schlagen", erinnert sich Baumgärtner. In der Adventszeit verkauft er bei der Firma Hühnlein in Kulmbach. Da, empfiehlt er, sei es ohnehin einfacher, einen Baum auszusuchen. "Dort kann man ihn rundherum anschauen. Er steht frei."

Dass Bäume, die in letzter Minute gekauft werden, frischer seien, ist laut Baumgärtner ein Ammenmärchen. "Wir schlagen beim elften zunehmenden Mond, das ist immer so." Und Uwe Witzgall ergänzt: "Die Bäume haben dann mehr Saft und halten auch länger." Nachdem der Baum gefällt sei, bleibe er erst einmal einen Tag lang liegen. Die Dänen würden die Bäume sogar zwei oder drei Tage liegen lassen, erklärt Baumgärtner einen alten Trick. Der Christbaum-Züchter kann viele Geschichten erzählen: von Bäumen, die ein paar Tage vor dem Fest beim falschen Mond geschlagen wurden - und nicht mal die Feiertage überstanden.

Manchmal muss man den Bäumen auf die Sprünge helfen, wenn ein Weihnachtsbaum aus ihnen werden soll. So wird bei Exemplaren, die keine Spitze ausbilden, ein Seitentrieb mit einem Bambusstecken hochgebunden. "Manchmal muss man auch die Triebe regulieren. Aber wir machen nichts am Terminaltrieb", sagt Witzgall, sondern zeigt nur Abstandshalter, mit denen Ungenauigkeiten korrigiert werden können. "Ein Baum, der formbeschnitten ist, der ist kein natürlicher mehr", sagt Witzgall und versichert, dass er die Finger von solchen Manipulationen lässt.


Herber Verlust zu Beginn

Gleich in seiner ersten Saison musste Witzgall einen herben Verlust hinnehmen. Denn eine Nobilis-Anbaufläche ist ihm durch die heftigen Regenfälle im Frühling komplett abgesoffen. "Da stand 30 bis 40 Zentimeter Wasser in der Kultur, 80 Prozent der Bäume sind ausgefallen. Und die sind auch nicht mehr zu retten." Dafür sind Spätfröste, wenn die Bäume schon ausgetrieben haben, in der Region um Stadtsteinach selten. "Die gab es eigentlich nur 2005 und 2011", erzählt Waldemar Baumgärtner aus seiner Laufbahn.

Er hofft, dass es auch in Zukunft viele Menschen geben wird, die Bäume aus der Heimat zu schätzen wissen. Denn noch immer ist Dänemark das Christbaum-Anbauland Nummer 1. Auch wenn die schönsten Bäume eigentlich ganz aus der Nähe kommen...