Seit Anfang September haben die Museen auf der Plassenburg eine neue Chefin: Corinna Greb, Kunsthistorikerin und Archäologin, hat die Aufgabe, die Museen attraktiver zu machen, um wieder mehr Menschen auf die Burg zu locken und den Abwärtstrend bei den Besucherzahlen zu stoppen. Ende der neunziger Jahre besuchten jährlich rund 60.000 Gäste die Burg, aktuell sind es nur noch rund 35.000.

Keine leichte Aufgabe für die 34-Jährige, doch sie geht sie mit großem Enthusiasmus an. Ideen und Visionen - die braucht die Plassenburg, sagte Oberbürgermeister Henry Schramm bei der Vorstellung der Museumsleiterin, die seit Anfang September in Kulmbach ist. Corinna Greb habe den Stiftungsrat mit ihren Vorstellungen überzeugt.

Neben dem Kunstsachverstand bringt die gebürtige Magdeburgerin auch wirtschaftliche Planungskompetenz mit: Sie hat zusätzlich Betriebswirtschaft studiert und bereits Erfahrung mit der Neukonzeptionierung von Museen gesammelt, zuletzt bei der Staatlichen Schlösserverwaltung in Baden Württemberg. "Man muss halt immer auch die Finanzierung im Blick haben. Veränderungen kosten Geld."

Träger der nicht-staatlichen Museen auf der Burg, das sind das Deutsche Zinnfigurenmuseum und das Landschaftsmuseum Obermain, ist die Stiftung Landschaftsmuseum Obermain, die von Stadt und Landkreis Kulmbach finanziert wird.


Modern und spannend

OB Schramm und Landrat Klaus Peter Söllner wünschen sich, dass Corinna Greb der große Wurf gelingt. Die Plassenburg habe große historische Bedeutung und mehr Besucher verdient, sagte der Landrat. Wenn man im ländlichen Raum gute Resonanz für ein Museum erreichen wolle, müsse man Besonderes bieten. Für OB Schramm könnte dieses Besondere sein, dem Besucher ein Stück von dem früheren Leben auf einer Burg zu vermitteln.

Lebensnah, abwechslungsreich, modern, unterhaltsam, spannend und überraschend - all diese Anforderungen soll das neue Museumskonzept erfüllen. Dieses zu erarbeiten, wird einige Zeit in Anspruch nehmen, doch Corinna Greb setzt neben einer langfristigen Neuorientierung auch auf kurzfristige Maßnahmen, die kein Vermögen kosten, aber frischen Wind in die Präsentation der Exponate bringen. "Die Leute sollen sehen, dass sich bei uns was tut."


Nicht mehr zeitgemäß

Das Zinnfigurenmuseum sei "optisch in die Jahre gekommen", so die 34-Jährige. "Die Vitrinen aus den siebziger Jahren sind nicht mehr zeitgemäß, es fehlt eine klare Linie." Ein weiteres Manko aus der Sicht der Museumsleiterin: "Wir haben von allem etwas, aber es fehlt das Moderne. Zinnfiguren sind mehr als nur Zinnsoldaten. Es gibt eine junge Szene, die ganz anders mit den Figuren umgeht. Die würde ich gerne nach Kulmbach holen."
Greb wird das Zinnfigurenmuseum umstrukturieren, es thematisch neu gliedern und auch etwas ausdünnen. Das heißt freilich nicht, dass Exponate nicht mehr gezeigt werden sollen - aber eben nicht mehr alles auf einmal.



"Wir werden das Museum optisch aufwerten und wechselnde Ausstellungen präsentieren." Der Besucher solle merken, dass sich regelmäßig etwas verändert, und Lust bekommen, beim nächsten Mal wieder etwas Neues zu entdecken.

Dasselbe gilt für das Landschaftsmuseum Obermain. "Es ist ein Museum mit den unterschiedlichsten Sammlungen, die nicht miteinander in Verbindung stehen. Der Besucher weiß nicht, was ihn erwartet und warum er sich das anschauen soll." Als Zugpferde sieht Greb den Conradi-Tag und den Pörbitscher Schatz. "Die sollten stärker im Mittelpunkt stehen."


Museumstag 2015 in Kulmbach


Eine Neugestaltung des Museums kostet Geld. OB Schramm und Landrat Söllner werden sich um Fördergelder und Zuschüsse bemühen, sobald das neue Konzept steht. Im Sommer nächsten Jahres findet der bayerische Museumstag in Kulmbach statt. Für Schramm eine gute Gelegenheit, um Entscheidungsträger und Geldgeber für die Burg-Museen zu gewinnen.

"Museen sind kein Selbstzweck. Sie sind für die Menschen da, nicht nur ein Aufbewahrungsort für Geschichte", sagt Helmut Völkl, Tourismus-Chef der Stadt. "Wir müssen die Museen so lebendig gestalten, dass sie attraktiv für Einheimische und Gäste sind und Menschen von außerhalb nach Kulmbach locken."

Froh über den frischen Wind auf der Burg ist auch der Vorsitzende des Vereins "Freunde der Plassenburg", Jörg Kunstmann. "Wir haben es mit mehreren Herausforderungen zu tun: Die Gestaltung der Museen gehört dazu, aber auch die Erreichbarkeit der Burg, die weiter diskutiert werden muss. Außerdem müssen wir das Ambiente des Kasernenhofs verbessern, den kontrollierten Verfall stoppen und in eine groß angelegte Sanierungsphase umleiten. Wir wollen, dass die Kulmbacher wieder mehr auf die Burg kommen, sich damit identifizieren."