Wenn andere schlafen, ist Christian Deml in den letzten Wochen viel unterwegs. Oft wird es drei, vier Uhr, bis er wieder heimkommt. Bezahlt wird er für seine Arbeit nicht. Auch Matthias Hahn engagiert sich neben seinem Beruf ehrenamtlich. Wenn Hausbesuche auf dem Programm stehen oder Infomaterial zu verteilen ist, dann ist er dabei. Und Samstagfrüh haben beide einen festen Termin: Da sind sie in der Innenstadt anzutreffen, diskutieren mit Passanten und verteilen Luftballons an die Kinder.

Blau oder rot


Überzeugungs täter sind sie beide. "Ich setze mich für die Sache ein", sagt Christian Deml, und Matthias Hahn betont: "Das mache ich gern." Was sie unterscheidet: Demls Luftballons sind blau, Hahn bevorzugt die rote Variante. Der eine unterstützt OB Henry Schramm (CSU), "weil er eine hervorragende Arbeit macht", der andere den OB-Kandidaten der SPD, Ingo Lehmann, "weil er mein Freund ist und der bessere Oberbürgermeister wäre".

Ohne Deml, Hahn und die anderen Helfer im Hintergrund wären die beiden Kandidaten aufgeschmissen. "Wir haben viele Unterstützer, die eine unheimlich engagiert Arbeit verrichten, ohne deren Engagement wäre der Wahlkampf überhaupt nicht durchführbar", weiß CSU-Wahlkampfleiter Jörg Kunstmann. Dasselbe gilt für die SPD. "Wir haben eine klasse Truppe, die unseren Ingo unterstützt, lauter erfahrene Wahlkämpfer", erklärt die Landtagsabgeordnete Inge Aures.

Meistens Nachtarbeit


Wenn irgendwo im Stadtgebiet Plakate von Henry Schramm stehen, dann haben sie Christian Deml und seine Mitstreiter aufgestellt: "Wir machen das meistens nachts, weil dann weniger Verkehr ist. Das ist sicherer, und wir behindern niemand." Wenn ein Plakat beschmiert oder umgeschmissen worden ist, wenn die "Briefwahl"-Aufkleber angebracht werden müssen - dann rücken Deml und seine Truppe wieder aus. "Wir wollen dazu beitragen, dass der OB im Amt bleibt, dass Kulmbach auf gutem Kurs bleibt."

Beim samstäglichen Infostand am Marktplatz ist Deml auch wieder mit von der Partie. Allerdings darf er etwas später kommen, denn hier sorgen Thomas Ludewig und sein Team dafür, dass der Laden läuft: alles aufbauen, Werbematerial bereitlegen, Luftballons aufblasen und die Popcornmaschine anwerfen. "Wir machen mit, weil wir überzeugt sind, dass Henry der beste für den Job ist", sagt Ludewig.

Prognose: Stichwahl


Der Infostand der Roten, wo ebenfalls Idealisten am Werk sind, macht samstags Station am Holzmarkt. Matthias Hahn wird nicht müde, für den SPD-Kandidaten die Werbetrommel zu rühren: "Er wäre der OB für alle Kulmbacher. Ich bin zuversichtlich, Ingo kommt bei der Bevölkerung gut an. Ich denke, dass es eine Stichwahl geben wird - und dass Ingo da reinkommt." Was den aktiven Kämpfer gegen rechtsextreme Umtriebe freut: "Als in Schwarzach der ganze Ort gegen die Neonazis protestiert hat, war Ingo Lehmann mit dabei - im Gegensatz zu Herrn Schramm ."

Auch Heiko Hartmann opfert gern seine Freizeit, um am SPD-Infostand mitzumachen. Er schätzt die angenehme Atmosphäre und nennt Ingo Lehmann ("Er hat einen guten Draht zu den Leuten") den "richtigen zukünftigen Oberbürgermeister".

Im Gegensatz zu den beiden großen Parteien CSU und SPD, die über eine Mannschaft mit zahlreichen Helfern verfügen, läuft der Wahlkampf bei den Grünen anders. Die kleine Partei hat nicht das Potenzial, um OB-Kandidat Hans-Dieter Herold ein Wahlkampfteam zur Seite zu stellen. "Es war von vornherein klar, dass Hans-Dieter sehr gefordert sein wird, dass er die Hauptarbeit leisten muss", sagt Stadtrat Volker Wack, der Herold berät: "Wir machen schon seit 25 Jahren zusammen Politik, einer fragt den anderen, wenn er einen Rat braucht."

Bei den Grünen, so Wack, sei man sich einig gewesen, "dass wir einen Kandidaten oder eine Kandidatin bringen sollten gegen Henry Schramm - weil es uns um Inhalte geht". Den Grünen gehe es darum, die Innenstadt aufzuwerten ("Man kann nicht überall im Außenbereich Lebensmittelmärkte zulassen und sich dann wundern, dass in der Innenstadt nichts mehr ist"), den ÖPNV und den Radverkehr zu stärken und mit den Stadtwerke Öko-Strom zu produzieren ("machen andere Städte schon lange") und Geld zu verdienen.

Keine Schlammschlacht


Der Wahlkampf ist nach Wacks Ansicht bis jetzt "gut gelaufen" - es hat keine Schlammschlacht gegeben, das ist ihm wichtig. Er lobt Herolds Frau Ulla, "dass sie diese schwierige und entbehrungsreiche Wahlkampfzeit erträgt", und hält Hans-Dieter für "einen sehr guten Kandidaten": Er habe seine Radtouren und Spaziergängen "bravourös" ausgearbeitet und sei dafür geboren, auf die Menschen zuzu gehen.