Nach dem einstimmigen Beschluss des Stadtrates vom Montag setzte die Firma Helmut Hildner aus Bergleshof den Auftrag der Stadt Stadtsteinach am Mittwochvormittag um. Um acht Uhr früh rückte das Unternehmen mit drei starken Traktoren, Seilwinde, Hächsler und Container-Lkw an und machte binnen weniger Stunden ganze Arbeit.



Es dauerte nur knapp eine Minute, bis der erste Stamm von Motorsägenführer Harald Degelmann gefällt war und auf dem Asphalt der für den Verkehr gesperrten Bahnhofstraße aufschlug.

Eine Stunde für fünf Bäume
Thomas Buß von der Hackgemeinschaft Buß-Hildner ergriff mit dem Lader den Stamm und schob ihn in Hächsler, der die Linde in weniger als fünf Minuten zusammen mit dem Astwerk zernagte. In weniger als einer Stunde waren die ersten fünf Linden der Säge zum Opfer gefallen.

"Dass das jetzt so schnell geht, war für mich schon überraschend. Wir Anrainer wollten, dass die alten Linden wegkommen. Und das ist jetzt erreicht", sagte Susanne Heiß. "Schauen Sie sich die Gefahr an, die der in Richtung meines Hauses hängende Baum darstellt. Immer wieder fielen Äste herunter", erklärte Irene Reuther. "Ich verstehe das und finde es in Ordnung, dass die alten Bäume gefällt werden. Die Anrainer wollten, dass sie wegkommen, und so wird es jetzt gemacht", sagte Daniela Heiß.

Stadtsteinachs Bürgermeister Roland Wolfrum informierte sich am Vormittag über den Fortgang der Arbeiten. Er zeigte sich beeindruckt, wie schnell die Firma Helmut Hildner und die Hackgemeinschaft Buß-Hildner arbeiteten.

Die Bahnhofstraße war in diesem Abschnitt am Mittwoch für den Gesamtverkehr gesperrt und ist am heutigen Donnerstag wieder frei befahrbar.

Die Neupflanzung der acht großkronigen Linden wird im Frühjahr erfolgen. Die Mehrkosten für die Bäume im Vergleich zu den ursprünglich vorgesehenen Jungpflanzen belaufen sich in etwa auf die Summe, die für einen Bürgerentscheid angefallen wäre.

Auf Dauer nicht zu halten
Die Lindenallee war auch beim außerordentlichen Bürgerstammtisch von ProStadtsteinach am Dienstagabend im Gasthof "Weißes Rößl" ein Thema. ProStadtsteinach-Sprecher Knud Espig erläuterte, dass die Bäume auf Dauer nicht zu halten gewesen wären. Selbst wenn man die Fällung über einen Bürgerentscheid verhindert hätte, wäre das Ergebnis nur für ein Jahr bindend gewesen. Und dann wäre wohl - wie angekündigt - ein neuer Antrag auf Fällung gekommen. Dann hätte es sicher nur eine Ersatzpflanzung von Jungbäumen wie in der Jahnallee gegeben.

Mit der Zustimmung von ProStadtsteinach und Bund Naturschutz zur Fällung, so Espig, habe man zudem Repressalien für Bürger vermieden, die das Bürgerbegehren befürwortet hatten. Die Listen blieben nun bei ihm unter Verschluss.

"Die Bürger können nun erkennen, wer sich für alle einsetzt und wer nur Eigeninteresse verfolgt. Erkennbar ist weiterhin, wer in Stadtsteinach offen und demokratisch agiert und wer Klientelpolitik betreibt und Andersdenkende mittels Falschaussagen, Einschüchterung und persönlichen Angriffen mundtot machen will", betonte der ProStadtsteinach-Sprecher.

Keine bessere Option
Knud Espig bat die Bevölkerung zudem um Verständnis für die Annahme des Kompromisses und die Rücknahme des Bürgerentscheides. "Unserer Auffassung nach war - auf Dauer gesehen - keine bessere Option möglich."

Lob zollte Espig Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD), der auf den falschen Angriff von Stadtrat Bernd Kotschenreuther (CSU) bei der Demo am zweiten Advent - Wolfrum wäre für die Situation verantwortlich, da er den Fällungsbeschluss nicht sofort umsetzt habe - nicht reagierte. Im Protokoll der Ratssitzung vom 21. Mai 2012 stehe deutlich, dass die Fällung erst zum Ende der Vegetationsperiode im Herbst erfolgen soll.

Adolf Hildner (CSU) stand in der Kritik, weil er Espig zum Rücktritt aufgefordert habe, da er der Fällung nicht zustimmte. "Und jetzt erfolgt die Fällung auch noch durch dessen Sohn", so Espig.

Alwin Geyer vom Bund Naturschutz sagte, dass es leicht gefallen sei, die Unterschriften für das Bürgerbegehren zusammen zu bekommen. "Das zeigt, dass sich in Stadtsteinach viele Bürger für den Naturschutz einsetzen." Er erinnerte an die Zusage der CSU-Fraktion, eine der neuen Linden zu stiften.