Die Kulmbacher Plassenburg wird nach der Machtübernahme der Nazis im großen Stil für kulturelle Veranstaltungen ("Frankenwarte") und Schulungen der Partei genutzt: 1933 zieht die bayerische NS-Landesführerschule ein, zwei Jahre später wird die Plassenburg zur "Reichsschulungsburg der NSDAP". Doch reichsweit wirklich bedeutsam wird die Veste erst, als sich Hitlers Chef-Autobahnplaner Fritz Todt mit seiner "Reichsschule der deutschen Technik" ab März 1937 im Arsenalbau einquartiert.


Technik-Elite trifft sich hier

Zu den Seminaren werden Professoren Technischer Hochschulen, Ingenieure für Straßen-, Wasser- und Maschinenbau, Energiefachleute und renommierte Architekten wie Alwin Seifert, Friedrich Tamms und Paul Bonatz eingeladen. Todts Absicht ist es, die Technik-Elite des Reiches zusammenzuführen, um Erfahrungen mit fertigen Autobahnen zu diskutieren und künftige zu projektieren. Ein Schwerpunkt vieler Fachgespräche ist die landschaftsgerechte, harmonische Trassierung der Autobahn.

Fritz Todt selbst, der zum engsten Führungskreis um Hitler zählt, reist zu vielen Veranstaltungen eigens mit dem Flugzeug an. Die Plassenburg genießt bei ihm Kultstatus, seine Reden am nächtlichen Kaminfeuer lässt er für die Nachwelt mitstenografieren. Auch am Tag seines mysteriösen Flugzeugabsturzes am 8. Februar 1942 nach einem Besuch in Hitlers Wolfsschanze (Ostpreußen) wollte er in Kulmbach einen Zwischenstopp einlegen.


Lehrer am MGF-Gymnasium

Mit der Plassenburg als Nazi-Nest beschäftigt sich der Historiker Wolfgang Schoberth aus Marktleugast, der viele Jahre am MGF-Gymnasium Lehrer war, in seinem Vortrag beim Geschichtsverein CHW (Colloquium Historicum Wirsbergense) in Stadtsteinach. Er referiert am Mittwoch, 21. Februar, über die "Reichsschulungsburg der NSDAP" in Kulmbach.

Nach der Machtübernahme der NSDAP war die Plassenburg ein richtiges Nazi-Nest. Im großen Stil fanden dort Schulungen statt. 1933 zog eine der drei bayerischen "NS-Landesführerschulen" in den Arsenalbau ein, 1935 wurde die Burg zur "Reichsschulungsburg der NSDAP" erweitert. Ab 1936 fanden auch regelmäßig Lehrveranstaltungen der Deutschen Arbeitsfront statt.


Ein Fall von Raubkunst

Schoberth wird auch auf die Kunstwerke eingehen, die unter Todt auf die Plassenburg gebracht worden sind. Neben typisch völkischen Stücken sind es auch moderne Künstler. Das spektakulärste Exponat ist die Skulptur "Der Denker" von Auguste Rodin, ein Fall von Raubkunst.

Der CHW-Vortrag findet im Stadtsteinacher Gasthof "Goldener Hirsch", Marktplatz 12, statt. Beginn ist um 19 Uhr.