Sie ist beliebt, mag ihren Arbeitsplatz und die Menschen, mit denen sie täglich zu tun hat. Trotzdem hat Christa Konrad, seit 22 Jahren Leiterin der Kindertagesstätte der Gemeinde Friedenskirche in Ziegelhütten, den Wunsch, sich beruflich noch einmal zu verändern und etwas Neues kennenzulernen.

Die Chance sofort genutzt

Als sich die Chance ergab, kurzfristig in die integrative Montessori-Tagesstätte in der Waaggasse zu wechseln, zögerte sie nicht lange: "Ich habe meine Laufbahn mit behinderten Kindern begonnen, und das Thema Integration lag mir schon immer am Herzen. Deshalb freue ich mich auf die neue Aufgabe."

Dass sie im neuen Haus nicht mehr Einrichtungsleitung, sondern nur noch Gruppenleitung der Integrativgruppe ist, stört die 54-Jährige nicht. "Unsere Gesellschaft ist so gestrickt, dass man immer davon ausgeht, es gibt nur eine gute Karriere-Richtung, nämlich die nach oben. Ich sehe das nicht so."

34 Jahre arbeitet Christa Konrad schon mit Kindern, zuerst nach der Ausbildung in Auhof bei Hilpoltstein in einem Heim der Rummelsberger Anstalten, ab 1979 dann in Kulmbacher Kindergärten, zunächst im Paul-Gerhard-Kindergarten, ab 1992 dann in Ziegelhütten. 1997 wurde sie dort mit einer besonderen Herausforderung konfrontiert: Zwei Mütter wandten sich mit der Bitte an sie, ihre behinderten Söhne in den Regelkindergarten aufzunehmen. Eine von ihnen war Kerstin Deichsel. "Frau Konrad war sofort dazu bereit", erinnert sie sich, und auch daran, dass ihr damals ein Stein vom Herzen fiel.

Noch heute dankbar

Ihr Sohn habe eine wunderbare Zeit im Kindergarten verbracht, und es wurde sogar halbtags ein zusätzlicher Erzieher eingestellt. Der körperbehinderte Björn konnte damals nur sehr schlecht laufen, "aber er wurde toll integriert, und alle haben sich viel Mühe mit ihm gegeben". Dafür ist Kerstin Deichsel bis heute dankbar.
Christa Konrad erinnert sich noch gut an den Fall. Während Inklusion und Integration heute gängige Schlagworte in der Pädagogik sind, war die Entscheidung vor 15 Jahren durchaus außergewöhnlich. "Für mich war das keine Frage, das zu probieren, aber ich konnte es auch nur machen, weil die Kirchengemeinde sehr aufgeschlossen war und wir finanzielle Unterstützung dafür bekommen haben."

Kinder mit besonderen Bedürfnissen und Behinderungen in den normalen Alltag zu integrieren, ist für die 54-Jährige sehr wichtig. Sie sieht darin Vorteile für alle: "Die behinderten Kinder fühlen sich weniger als Außenseiter, und für die anderen ist es wertvoll zu erleben, dass es Kinder gibt, die anders sind als sie selbst, die aber genauso dazu gehören und auf die man halt etwas Rücksicht nehmen muss."

Die Pädagogik nach Maria Montessori kommt diesem integrativen Gedanken sehr entgegen. "Auf diesem Gebiet bin ich jetzt selbst noch eine Lernende und freue mich darauf, mich weiterzubilden", sagt Konrad.

Dass sie die bisherigen Weggefährten in Ziegelhütten sehr vermissen, wurde beim Gottesdienst am Sonntag in der Friedenskirche deutlich. Da wurde die langjährige Kindergartenleiterin offiziell verabschiedet - mit herzlichen Worten, Liedern und vielen Rosen.