Ist eine Gemeinde zu finanzstark, kann das schon mal zum Bumerang für eine Kommune werden. Diese leidvolle Erfahrung haben jetzt die Kasendorfer gemacht. Weil die Gewerbesteuereinnahmen sprudeln, erhält der Markt keine Förderung mehr für die Dorferneuerung. Im Ortsteil Zultenberg liegt diese jetzt - unvollendet - auf Eis, in Welschenkahl wurde sie noch vor dem richtigen Startschuss gestoppt.

"Das gibt's doch nicht", sagt der Zultenberger Otto Arnold, der die Abbrucharbeiten des Hauses Schöberlein im oberen Ortsteil 2011 mit der Kamera begleitet hat. Auf dem Areal sollte ein Dorfplatz mit einer Bushaltestelle sowie einem Spiel-, Park- und Wendeplatz errichtet werden, für den das Amt für ländliche Entwicklung eine Förderung in Aussicht gestellt hatte. Das Amt hat geplant und geplant, die Förderzusage reduziert, dann zurückgenommen.

In Vorleistung gegangen


Ohne Zuschuss will der Markt die Maßnahme, die mit über 90.000 Euro zu Buche schlägt, nicht stemmen. Dabei ist die Gemeinde in Vorleistung gegangen. Sie hat das Areal, auf dem der Dorfplatz errichtet werden sollte, erworben und das dortige Schöberlein-Haus abreißen lassen. "Allein Erwerb und Abriss haben uns über 30.000 Euro gekostet", sagt Bürgermeister Bernd Steinhäuser (CSU/Offene Liste), der mitteilt, dass dem Markt beim Bau des Dorfplatzes eine 35-prozentige Förderung in Aussicht gestellt worden war. "Wir hatten um eine kostengünstige Lösung gebeten. Doch die Kosten haben sich auf über 90.000 Euro summiert", sagt Steinhäuser. Das Projekt komplett mit eigenen Mitteln stemmen wird der Markt wohl nicht. "Dafür gibt es im Gemeinderat, so glaube ich, keine Mehrheit."

Dass der Dorfplatz in den nächsten Jahren nicht kommen wird, kann Otto Arnold nicht verstehen. Ihn hatten die Dorferneuerung im unteren Dorf sowie der Bau des Parkplatzes am Görauer Anger hoffnungsvoll gestimmt. Nun muss er sich wie alle Zultenberger aber wohl damit abfinden, dass das Schöber lein-Areal noch länger eine leer Fläche bleiben wird.

Enttäuscht ist man auch in Welschenkahl. Dort wurde die Dorferneuerung seit dem Bau der Ortsumgehung vorangetrieben. Schulungen wurden durchgeführt, Arbeitskreise der Bürger gebildet. Ein Dorfhaus war geplant, die alte Ortsdurchfahrt, die viele Jahre unter dem Schwerlastverkehr gelitten hatte, sollte zurückgebaut werden.

Das große Versprechen


2007 hatte der damalige Präsident des Amtes für ländliche Entwicklung in Bamberg, Heribert Haas, beim Ortstermin erklärt, dass die Dorferneuerung nach realistischer Einschätzung 2010 beginnen und 2013 abgeschlossen werden könnte.

2012 ist aber noch nicht einmal der Startschuss für eine Maßnahme erfolgt, bei der mal eine 65-prozentige Förderung in Aussicht gestellt worden war. Dass Dorfhaus und der Straßenrückbau sind zum Ärger vieler Bürger in weite Ferne gerückt. "Die Enttäuschung ist groß, dass die Projekte jetzt auf Eis liegen", sagt dazu beispielsweise der Welschenkahler Horst Dupke.