Wenn eine Kirche saniert wird, verbergen sich in der Turmkugel immer Zeitdokumente: So ist es seit Jahrhunderten üblich. Auch die Turmkugel der Rugendorfer Kirche hatte ihr Geheimnis, verriet Pfarrerin Kathrin Klinger. In der abmontierten Kugel fand sie zwei Anschreiben von Pfarrer Johann Pickel, eine stark verwitterte Festschrift. Der Pfarrer hatte die Kugel in den Jahren 1957 und 1967 geöffnet - übrigens das letzte Mal. "Wir haben auch Geld in der Kugel gefunden, aber das war völlig zerstört, war nur noch Brei", so Pfarrerin Kathrin Klinger.

Jetzt befüllte die Pfarrerin die Kugel neu: mit einem persönlichen Schreiben, in dem genau festgehalten ist, dass die Kirche St. Erhard und St. Jakob Rugendorf für 812 000 Euro äußerlich saniert wird und dass eine Innensanierung ebenfalls bald anstehen soll. 659 Gemeindeglieder gehören zur evangelischen Gemeinde Rugendorf, hat die Pfarrerin für die Nachwelt festhalten lassen.


Bierpreise für die Nachwelt

Aber das ist nicht alles: Sie hat Kopien der alten Abschriften beigefügt, zwei Postkarten mit der Jahreslosung. Und die aktuellen Tageszeitungen des gestrigen 25. Juli kamen auch mit in die Kugel: fein zusammengerollt. Auf der Bayerischen Rundschau waren die aktuellen Bierpreise vermerkt. Sicherlich werden diese bei der nächsten Kugelöffnung bei manchem ein Schmunzeln auslösen. Damit die Dokumente auch garantiert nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, wurden sie in eine Kunststoffhülle gesteckt und diese sicher verklebt.


Ein feierlicher Akt

Pfarrerin Kathrin Klinger wagte sich mit den Dachdeckern und Zimmerern und einigen Ehrengästen höchstpersönlich bis ganz nach oben aufs Gerüst, um in schwindelnder Höhe die Turmspitze zu befüllen. In einem feierlichen Akt verschweißten dann die Experten die Kugel und setzten ihr noch das goldene Fähnchen auf.

Und mit einem gemeinsamen Imbiss zur Feier des Tages - auch Bürgermeister Ralf Holzmann war zugegen - ging der Festakt zu Ende. Finanziert wird die insgesamt 812.000 Euro teure Maßnahme übrigens durch eine Gemeinschaftsaktion. Von der Landeskirche werden 465.000 Euro erwartet. Die Eigenmittel der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde sind mit 77.255 Euro veranschlagt. Der Finanzierungsplan sieht außerdem vor: 203.000 Euro von der Oberfrankenstiftung, 20.000 Euro Darlehen von der Landeskirche, 30.000 Euro von der Bayerischen Landesstiftung, 5000 Euro vom Landesamt für Denkmalpflege und 2500 Euro vom Landkreis. Die Gemeinde Rugendorf steuert 10.000 Euro zur Kirchensanierung bei - und die beiden aktuellen Zeitungen. Denn die brachte Bürgermeister Ralf Holzmann höchstpersönlich.