Unter dem wachsenden Druck, in immer kürzerer Zeit immer mehr leisten zu müssen, brechen Menschen zusammen - und das, obwohl viele von ihnen im Grunde gern arbeiten und durchaus belastbar sind.

Woran liegt das? Arbeiten wir zu viel? Vielleicht. Aber das ist höchstens die halbe Wahrheit. Ich kenne Menschen, die sich weit jenseits des üblichen Rentenalters noch mit Freude ihrer Arbeit widmen. Meist sind es Selbstständige oder Künstler. Der 90-jährige Bildhauer, der noch in seinem Atelier arbeitet, der 70-jährige Seniorchef, der täglich im Betrieb seinen Mann steht, die Musikerin, die mit 80 noch unterrichtet - sie fühlen sich nicht "ausgebrannt".

Warum geht's Arbeitern und Angestellten oft anders? Die Ärztin und Psychotherapeutin Martina Leibovici-Mühlberger hat dazu ein Buch ("Die Burnout-Lüge") mit einem nachdenkenswerten Ansatz geschrieben: Schuld an der um sich greifenden Schwäche sei eine Arbeitswelt, die auf Reglementierung, Normierung und Kontrolle statt auf Vertrauen setzt.

Wenn das so ist, könnte man doch relativ leicht dafür sorgen, dass mehr Arbeitsfreude und Kreativität in die Unternehmen einziehen. Wer Spaß an seinem Job hat, macht ihn gut und gerne - und rechnet in schlaflosen Nächten nicht mehr nach, wie lange er noch bis zur Rente durchhalten muss.