Vorsorge treffen, um im Brandfall den eigenen Ort zu schützen. Diese Idee gibt es schon sehr lange. Bereits im Mittelalter entstanden die Vorläufer der heutigen Feuerwehren. Meist wurden die notwendigen Aufgaben auf die einzelnen Zünfte verteilt. So kümmerten sich in Kulmbach beispielsweise die Brauer und Mälzer darum, dass genügend Wasser zum Löschen vorhanden war.

Ab 1818 gründeten sich auf Anweisung der Regierung die ersten Pflichtfeuerwehren. Alle Männer vom 18. bis 40. Lebensjahr mussten sich einige Male im Jahr zu Übungen einfinden und im Alarmfall ausrücken. Zwar konnte diese Pflichtfeuerwehr 1840 beim großen Stadelbrand Auf der Draht ein Ausbreiten der Flammen auf die ganze Stadt wirkungsvoll verhindern.
Doch oft lief es in der Pflichtfeuerwehr nicht rund. Es gab bei den Übungen zahlreiche Drückeberger, gegen die auch die Geldstrafen des Stadtrates nicht viel bewirkten, weil sie Söhne reicher Einwohner waren. Die Folge: In der Truppe gab es Disziplinlosigkeit, Streit und mangelnden Gemeinschaftssinn. Dies wirkte sich mit der Zeit negativ auf die Löschkraft aus.

Deshalb schlug der Bierbrauer Christian Schmidt im Auftrag einer Gruppe besorgter Bürger dem Rat die Bildung einer "freiwilligen Feuerlöschschar" vor. Mit Billigung des Stadtmagistrats fand am 21. Juni 1857 die Gründungsversammlung statt, die Anerkennung aus München ist auf den 18. Juli datiert.

Kulmbach war nach Hof die zweite Neugründung in Oberfranken. Als Kommando wurden Christian Schmidt, Georg Sandler und Martin Weber gewählt. 55 Mitglieder unterzeichneten das Protokoll. Der Rat stellte die von der Wehr geforderte dritte Spritze und das erforderliche Gerät zur Verfügung.


Turner treten geschlossen ein

Wer bei der Freiwilligen Feuerwehr war, musste nicht mehr zur Pflichtfeuerwehr, die mit der Zeit immer mehr verfiel. Die FFW hingegen wuchs durch ein Übereinkommen mit dem Turnverein, durch das alle aktiven Turner der Feuerwehr beitraten. 1887 hatte die Feuerwehr 102 Mitglieder. Die Pflichtfeuerwehr bestand zu diesem Zeitpunkt allerdings offiziell noch aus über 700 Mann.

Das Jahr 1890 brachte eine neue Feuerlöschordnung. Wer 25 Jahre aktiven Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr leistete, erhielt im Gegenzug kostenlos das Bürgerrecht. Pflichtfeuerwehrleute konnten sich durch die Zahlung von fünf bis 25 Mark jährlich zugunsten der FFW vom Dienst loskaufen.

Das galt bis 1900, dann wurde die die Pflichtfeuerwehr aufgelöst. Die Freiwillige Feuerwehr hatte mittlerweile eine Mannschaftsstärke von 160 Mann und erhielt eine neue Hochdruck-Wasserleitung, wodurch sie Großbrände nun alleine bekämpfen konnte.

1903 wurde der erweiterte Fuhrpark der Freiwilligen Feuerwehr im Neubau des Luitpoldmuseums untergebracht. Damals schätzte man bei die zentrale Lage in der Stadt. 1910 betrug die Einsatzstärke schon 265 Mann.


Hoher Blutzoll während Weltkriegen

Während des 1. Weltkriegs konnte der Brandschutz durch die Mithilfe neugegründeter Betriebsfeuerwehren sichergestellt werden. Allerdings kostete der Krieg der Kulmbacher Wehr einen hohen Blutzoll. Und für die Jahre danach sind verfallender Gemeinschaftssinn und Nachwuchsmangel dokumentiert.

Nachdem die Truppenstärke zum 75-jährigen Bestehen 1932 wieder deutlich die 100-Mann-Stärke überschritten hatte, lichteten sich die Reihen im 2. Weltkrieg von 1939 bis 1945 erneut. Die Daheimgebliebenen, junge Burschen und alte Männer, rückten zu Großeinsätzen sogar nach Nürnberg und Schweinfurt aus. Gegen Kriegsende fielen dann auch die einzigen Bomben auf Kulmbach, die Brände in der Spitalgasse hervorriefen. Die Kulmbacher Feuerwehr konnte aber durch schnelles Eingreifen Schlimmeres verhindern.

Mit dem Gesetz zur Erweiterung des Katastrophenschutzes vom 9. Juli 1968 und dem Bayerischen Katastrophen-Schutzgesetz vom 31. Juli 1970 übetrug die Regierung den Feuerwehren auch Aufgaben, die über den Brandschutz hinausgingen. Vor allem wurden die Verkehrsunfälle in der Folge ein wichtiges Einsatzgebiet. Eine weitere Neuerung 1994: Erstmals traten drei Frauen in die Kulmbacher Feuerwehr ein.

Am 1. Juni 1996 zog die Feuerwehr von der Buchbindergasse in die E.-C-Baumann-Straße um - ermöglicht durch Hunderte freiwillige Arbeitsstunden. Das neue Zentrum wird nicht nur von der Kulmbacher Wehr genutzt, es beherbergt auch die Atemschutzübungsanlage des Landkreises Kulmbach. Der Umzug ins hatte zur Folge, dass die Löschzüge der Stadtteile Blaich (er bestand schon seit 1882), Mangersreuth, Forstlahm, Burghaig, Metzdorf und Kauernburg aufgelöst und in der Kulmbacher Feuerwehr zusammengeführt wurden.


Einsatzzahlen steigen an


Seit der Jahrtausendwende stiegen die Einsatzzahlen immer weiter an. Hervorzuheben sind zum Beispiel ein Flugzeugabsturz 2001 oder die vielen Einsatzstunden aufgrund des Hochwasser-Katastrophenalarms 2006. Gab es 1999 noch 229 Einsätze, wuchs die Marge in der Folge unaufhörlich. 2016 waren es 330 Einsätze - und 2017 sind es bis jetzt schon über 400. "Die Zahl der Brandmelder ist gestiegen und damit auch die Zahl der Fehlalarme - vor allem in Firmen oder Seniorenheimen", erklärt Jürgen Hochgesang, der für die Feuerwehr-Pressearbeit zuständig ist.

Eine Tatsache, die für die Wehr zwar eine gehörige Belastung darstellt, jedoch kein Grund zur Beunruhigung ist. Wer zwei Weltkriege überstanden hat und schon 160 Jahre lang besteht, den hauen auch die Fehlalarme nicht um.

Mit Informationen aus der Festschrift zum 150-jährigen Jubiläum