Einwände gegen das Planfeststellungsverfahren zum Ausbau der A 70 hatten die Neudrossenfelder Gemeinderäte in der Sitzung am Montagabend nicht. Im Gegenteil: Die Ortsteile Langenstadt, Igelsreuth und Unterbrücklein könnten von der geplanten Verlegung der Trasse Richtung Norden sogar profitieren, machte Thomas Pfeifer von der Autobahndirektion Nordbayern den Räten klar.

"Die Autobahn ist nicht mehr lange befahrbar. Der Hang ist in einem kritischen Zustand. Wir müssen handeln", erklärte Pfeifer. Allein im vergangenen Jahr sei der Untergrund zwischen den Anschlussstellen Thurnau-West und Kulmbach-Neudrossenfeld rund 30 Zentimeter abgerutscht. Aus diesem Grund wird das Gebiet Tag und Nacht überwacht. "Wir können bis in eine Tiefe von 20 Metern messen. Und wir haben schon Alarmpläne ausgearbeitet", so Pfeifer. Nach Ende der Fristen am 18. Februar soll das Vorhaben noch in diesem Jahr zur Baureife gebracht werden. "Wir hoffen, dass wir 2020 mit dem Bau beginnen können."

Um 120 Meter nach Norden

Im Wesentlichen ist vor allem Thurnau von der Verlegung der Trasse betroffen. Bei der Anschlussstelle Thurnau-Ost wird die gesamte Autobahn um 120 Meter in Richtung Norden verschoben. Die Anschlussstelle wird komplett neugestaltet. Die Trasse verläuft künftig auf der anderen Seite der Bundesstraße. Große Geländeeinschnitte sind nötig. Um das Aushubmaterial zu entsorgen, wollen die Planer in Langenstadt, Igelsreuth und Unterbrücklein sogenannte Seitendeponien aufschütten. Dieses Erdmaterial würde dafür sorgen, dass die Neudrossenfelder Ortsteile einen Lärmschutz bekommen. Dieser ist zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber von vielen Anwohnern gewünscht.

Am gravierendsten sind die Auswirkungen für Unterbrücklein. Dort rechnet die Autobahndirektion bis 2035 mit bis zu 30 000 Fahrzeugen am Tag. Zwei Anwesen, die unter Lärm von 50 bis 54 Dezibel in der Nacht leiden, könnten mit einer Reduzierung von drei Dezibel rechnen. Der Lärm würde sich damit in der Wahrnehmung praktisch halbieren, so Pfeifer. Auch in Langenstadt und Igelsreuth würde sich die Lärmbelastung um ein Dezibel reduzieren.

Da der Lärmschutz auf freiwilliger Basis erfolgt, werden keine Flächen für die Deponien enteignet. Die Autobahndirektion hofft deshalb auf ein konstruktives Miteinander. Die Neudrossenfelder Räte befürworteten die Errichtung sogenannter Seitendeponien.

Mike Kühnert (FuG) hat aus persönlichen Gründen sein Mandat als Gemeinderat niedergelegt. Nachdem der eigentliche Listennachfolger Markus Schirmer aus privaten Gründen das Amt aktuell nicht ausführen wollte, kam Annette Fial zum Zug. Fial ist 45 Jahre alt, gelernte Bankkauffrau, verheiratet und hat zwei Kinder.

Bei der ersten Sitzung im neuen Jahr drehte sich durch die Neubesetzung das Personalkarussell in den Ausschüssen. Fraktionsvorsitzende bleibt Heidemarie Nitsch. Annette Fial wurde auf Anhieb zur stellvertretenden Fraktionssprecherin ernannt. Die FuG besetzt den Grundstücks- und Bauausschuss künftig mit Björn Sommerer. Im Verwaltungs- und Finanzausschuss ist Harald Kull vertreten, im Ausschuss für Gemeindeentwicklung, Kultur- und Schulangelegenheiten ist Heidemarie Nitsch Mitglied. Außerdem ist Harald Kull Mitglied im Rechnungsprüfungsausschuss. Im Zweckverband Rotmaintal ist Björn Sommerer Verbandsrat, im Zweckverband zur Wasserversorgung Lindauer Gruppe ist Heidemarie Nitsch Verbandsrätin.