Es hatte sich im ganzen Dorf herumgesprochen, dass Fabian Hopp am Samstag zurückkommen wird. Drei Jahre und drei Monate war der 25-Jährige auf der Walz. Und so versammelten sich Familie, Freunde und Bekannte trotz Nebels und nasskalten Wetters am Ortseingang, um den "verlorenen Sohn" wieder in die Dorfgemeinschaft aufzunehmen.

Dabei waren auch ehemalige Arbeitskollegen um Meister Günther Leykam aus Krumme Fohre, wo Hopp das Zimmerer-Handwerk gelernt hatte, bevor er in die weite Welt ausgezogen war. Sie wurden gebraucht, um den Wandergesellen wieder in der heimischen Zunft - im wahrsten Sinn des Wortes - aufzufangen. Mit Gesang - nicht schön, aber laut - bewegte sich eine Gruppe dunkler Gestalten im Slalom über die Straße auf das Ortsschild Eppenreuth zu. In dunkler Kord-Kluft mit weit ausgestellten Hosenbeinen, doppelreihigen Westen, darüber Jacken unterschiedlicher Form bis hin zum Frack. Auf dem Kopf schwarze Hüte mit sehr breiter Krempe, Zylinder oder Melonen. Sie brachten ihren Zunftbruder in seinen Heimatort zurück, dem er sich in der Zeit seiner Wanderschaft auf höchstens 60 Kilometer hatte nähern dürfen.

Rituale bei der Rückkehr

Zuvor hatte man sich im Schlockenauer Wirtshaus noch "aufgewärmt", denn die Anreise war durchaus beschwerlich und hatte durstig gemacht. Die Walz geht nur zu Fuß oder per Anhalter - und eine Rückkehr von der Walz braucht bestimmte Rituale. Noch vor dem Ortsschild warfen alle ihren Charly (Beutel mit allen Habseligkeiten) auf einen Haufen auf den Weg und oben auf den Stenz, einen knorrigen Stock.

Beim vorletzten Ritual durfte niemand des Eppenreuther Empfangskommitees stören. Auch nicht die Eltern Ingrid und Matthias Hopp, Bruder Dominic und Freundin Sophia Lellbach, die Fabian Hopp in Norddeutschland kennengelernt hatte. Sie hatte in Bremen studiert, lebt nun in Passau und war extra ins fränkische Oberland gekommen.

Der letzte Akt

Viele Strophen hatte das letzte Lied der Wanderbrüder zum Abschied; dazwischen einige deftige Bemerkungen, und Fabian Hopp umarmte noch einmal alle Wandergesellen der Reihe nach, bevor das letzte Ritual die Heimkehr vollendete. Wie bei seinem Aufbruch musste er das Ortsschild übersteigen. Dazu bildeten alle Wanderbrüder mit ihren Stöcken so etwas wie eine Treppe, nachdem Fabian sein Bündel über das Ortsschild geworfen hatte. Mit Anlauf rappelte er über die schwankende Treppe, um schließlich oben auf dem Schild zu landen und sich dafür zuerst einmal feiern zu lassen.

Auf der anderen Seite, bereits im Ort, warteten seine ehemaligen Arbeitskollegen, um ihn in der heimischen Zuft schließlich aufzufangen. Damit war die Reise von Fabian Hopp offiziell beendet.

Die Walz hatte ihn durch ganz Europa geführt - von der Schweiz und Portugal bis nach Norwegen, wo er zum Beispiel alte Techniken des Handwerks gelernt hatte und anderswo noch Schweißen. Er wurde mit anderen Ländern und Sitten vertraut und hatte den Kontakt zum Heimatort zu vermeiden. Ein Handy war verboten, gelegentlich ergab sich die Möglichkeit, per E-Mail Kontakt nach zu Hause zu finden. Und so konnte man sich in den vergangenen Jahren doch einmal treffen, den Bruder in Nürnberg, die Eltern haarscharf an der Bannmeile in Bamberg, erinnert sich Mutter Ingrid Hoppe, die nun doch froh ist, dass ihr Sohn wieder zu Hause ist.

Froh ist auch Freundin Sophia. Was die Zukunftsplanung betrifft, verrät sie eines: Nach der langen Wanderschaft wird sich Fabian als nächstes erst einmal ein Auto kaufen.