Für Heinz Holzmann ist der autofreie Radfahrtag im Weißmaintal eine "superschöne Veranstaltung". Familienfreundlich, bunt, interessant. Auch beim nächsten Mal will er auf jeden Fall dabei sein. Selbst wenn für ihn heuer die Radtour in Ködnitz böse endete.

Was war passiert? Der 72-Jährige hatte sich mit seiner Frau Liane auf den Drahtesel geschwungen und war von Fölschnitz nach Trebgast geradelt. Hatte sich gemütlich alles angeschaut und sich wieder in Trebgast Richtung Fölschnitz aufgemacht, um dort etwas zu essen. In Waizendorf habe er sich mit seiner Frau noch einen Chor angehört, ehe er weiter fuhr.

In Ködnitz in Höhe des ehemaligen Gasthauses Hupfer fand sein Ausflug jedoch ein jähes Ende. "Zwischen meinem Fahrrad und dem Randstein war noch etwa ein dreiviertel Meter Platz. Auf einmal überholt mich einer mit dem Rennrad und berührt mich dabei. Ich sag noch: Was soll das ..." Und schon lag der Rentner auf dem Asphalt. Seine Frau war völlig überrascht: "Alles war frei - und auf einmal fliegt mein Mann runter."

Der ganze Arm sei aufgeschlagen gewesen und habe geblutet. "Darauf wurde bei der Erstversorgung natürlich das Hauptaugenmerk gelegt." Die Sorge seiner Frau, die eine Gehirnerschütterung befürchtet hatte, weil Heinz Holzmann keinen Helm trug, bewahrheitete sich nicht. Der Rennradfahrer hatte kurz gewartet und war dann weitergefahren. "Wahrscheinlich hat er gedacht, es ist nichts weiter passiert", vermutet Liane Holzmann.

Denn das dachte das Ehepaar zunächst auch. Es rief weder Arzt noch Krankenwagen. Nach der Erstversorgung der Schürfwunde durch die Feuerwehr und nachdem der Schock etwas abgeklungen war, fuhren die Holzmanns mit dem Rad wie geplant nach Fölschnitz und gönnten sich dort auf den Schreck erst einmal ein paar Bratwürste.

Schlimmer und schlimmer

Eine Woche später begann die Rückenschmerzen. Die wurden so schlimm, dass Holzmann davon sogar Herzrhythmusstörungen bekam und seine Frau den Notarzt rief. Das Herz war in Ordnung, aber ein Orthopäde stellte fest, dass ein Wirbel eingebrochen war. Folge: drei Wochen Krankenhaus, zwei Operationen und eine Versteifung des Rückens mit Titaneisen.

Inzwischen ist der 72-Jährige auf dem Weg der Besserung, kann schon wieder laufen. Jetzt ärgert er sich vor allem über sein Verhalten beim Unglück: dass er nicht gleich den Notarzt gerufen hat, dass er die Personalien des Rennradfahrers nicht kennt. Er hofft, dass sich der auf Grund des Berichts bei ihm meldet. "Aus Fairness-Gründen", sagt Holzmann. Zumal er auch keine Anzeige erstattet habe.

Dass Holzmann nicht gleich die Personal-Daten des Rennradfahrers aufgenommen hat, war ein Fehler, bestätigt Rechtsanwalt Frank Stübinger, ein Fachanwalt für Strafrecht. Denn oft sei es bei solchen Unglücken so, dass sich die Situation am Anfang gar nicht so wild darstellt. "Aber ein paar Tage später merkt man, dass es was Schlimmeres ist." Natürlich weiß er, dass in der Aufregung solche Fehler passieren.

Private Haftpflicht deckt Schaden

Der Unfallverursacher auf der anderen Seite sei abgesichert, wenn er eine private Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat. "Damit dürfte der Schaden abgedeckt sein", so Stübinger. Einfach weiterfahren dürfe man auch mit dem Rad nicht.

Denn eine für Autos gesperrte Straße sei kein rechtsfreier Raum. Da werde das wie eine Unfallflucht gewertet. Auf der anderen Seite dürfe der Radler aber den Unfallort verlassen, wenn das Opfer signalisiert habe, dass das in Ordnung sei. "Das ist eine klassische Frage des Einzelfalls."

Völlig überrascht waren Harald Will von der Verwaltungsgemeinschaft Trebgast und Ingrid Flieger vom Landratsamt, als sie vom Unglück Holzmanns erfuhren. Beide bestätigten übereinstimmend, dass bislang bei den Radfahrtagen noch keine größeren Unfälle passiert sind. "Ein paar Abschürfungen, aber nichts, was nicht mit einem Pflaster zu regeln war", erklärte Harald Will. Lediglich einmal musste heuer ein Rettungswagen ausrücken, um bei einem Anwohner der Strecke notärztliche Versorgung zu leisten.

8000 bis 10 000 Radler

"Natürlich fühlen wir uns als Veranstalter mit betroffen, wenn etwas passiert", sagt Ingrid Flieger und hofft, dass sich Holzmann auf dem Weg der Besserung befindet. Sie verweist darauf, dass bei solchen Großveranstaltungen mit 8000 bis 10 000 Radlern gegenseitige Rücksichtnahme notwendig ist.

Und das ist genau das, was sich Heinz Holzmann wünscht, wenn er beim nächsten Radfahrtag im Weißmaintal wieder in die Pedale tritt.