Die Vorgänge um die Veruntreuung einer Millionen-Summe durch den Manager von Raps Belgien tragen groteske Züge. Am dritten Verhandlungstag vor der Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht Hof und zum Abschluss der Beweisaufnahme kommt nochmals fast Unglaubliches zur Sprache.

Da sitzt der Manager, nachdem der ganze Schwindel um angebliche Festgeldanlagen längst aufgeflogen ist, 2012 zum finalen Rapport vor der Raps-Geschäftsführung in Kulmbach - und bittet allen Ernstes offiziell um 20.000 Euro für eine neuerliche Investition. Damit will er endlich an die Millionensumme kommen, die ihm dubiose Geschäftemacher versprochen haben und für die er eigenes Kapital und rund 1,75 Millionen Euro Firmengelder in dunklen Kanälen versenkt hat.

Ein 49-jähriger Kaufmann aus München, der von 2010 bis 2012 in der Geschäftsführung der Raps-Zentrale in Kulmbach gearbeitet hat, rekapituliert diese Ereignisse.

Zuvor übersetzt eine Dolmetscherin noch eine E-Mail in niederländischer Sprache, die der damals zuständige Buchhalter an den Geschäftsführer im März 2010 geschrieben hat. Der Inhalt: Angst, dass der von ihm mitunterschriebene Schwindel auffliegt; Angst, dass sich der Manager bereichern will; Angst, dass die überwiesenen Beträge nicht rechtzeitig zurückfließen. Was sie auch nicht tun, wie später die Raps-Geschäftsführung feststellen muss.

Der Anfang vom Ende

Der 49-jährige Zeuge - er hat den Angeklagten als "engagierten", "auf das Wohl der Kunden bedachten Mann", als "Vertriebler durch und durch", als "richtigen Rapsianer" kennengelernt - datiert den Anfang vom Ende der kriminellen Machenschaften auf den Jahreswechsel 2011/2012.

Raps Kulmbach will damals belgische Gewinne in Höhe von etwa einer Millionen Euro an die Muttergesellschaft transferiert haben. Doch trotz mehrmaliger Aufforderung geschieht nichts. Angeblich sind die Mittel auf einem Festgeldkonto angelegt, versichert der Manager glaubhaft. Und kommt zunächst damit durch.

"Anfang 2012 wurden die Begründungen dann immer fadenscheiniger", erinnert sich der Zeuge. Das Geld bleibt aus. Als von ihm beauftragte Kollegen in Belgien der Sache auf den Grund gehen wollen, "eskaliert" die Angelegenheit. Es finden sich keine Konto-Auszüge zu den Raps-Geldern, sie sind in der Bilanz verbucht. Der 49-Jährige reist noch am selben Tag selbst zur belgischen Raps-Niederlassung. Und bekommt vom Buchhalter eine Liste mit allen 31 Investitionen zugesteckt, die der Angeklagte vom Raps-Konto auf seinen Namen gemacht hat.

Auf die Frage von Richter Matthias Burghardt, wie man auf solche dubiosen Geschäfte hereinfallen kann, antwortet der Zeuge zweideutig: "Es steht jeden Tag ein Dummer auf." Und: Ja, wenn man sich mit der Materie beschäftigt, dann erkennt man das Risiko. "Das kann man nicht übersehen." Doch genau das hat der Angeklagte getan. Bis zuletzt - so bestätigt der Zeuge - habe der Manager auf seine "Partner" und darauf vertraut, dass er die investierten Gelder mit einer hoher Dividende bald zurückbekommt.

Warum der Manager überhaupt Raps-Gelder für die Investments veruntreut hat, erfährt der damalige Geschäftsführer noch in Belgien: Er hat privat viel Geld investiert und schließlich keine eigenen Mittel mehr, um immer neue Forderungen bis zur angeblich hoch verzinsten Rückzahlung zu erfüllen.

Unter den Top Ten bei Raps

Dass der Angeklagte einst zu den "Top Ten" bei Raps gehörte und als "Landesfürst" in Belgien "eine besondere Vertrauensstellung" im Unternehmen hatte, wie es der Zeuge formuliert, wird dem Ex-Manager nicht helfen. Vor allem deshalb nicht, weil die von ihm geschilderten Ereignisse ganz im Gegensatz zum Gebaren eines fähigen Managers stehen.


Demnach will der heute 46-jährige Kulmbacher von einem ihm Unbekannten angerufen worden sein, der ihm für Investments Renditen von bis zu 15 Prozent pro Jahr versprochen habe. Ohne Sicherheiten und Verträge habe er sich darauf eingelassen, so seine Aussage zum Prozessauftakt, um angesichts niedriger Zinssätze das Raps-Vermögen auf diese Art zu vermehren. Für Anteile von Firmen wie "Vantage Equity" oder "Mid East Oil" wurden von ihm Summen zwischen 15 000 und 210 000 Euro an Banken in Nicosia, Singapur oder Jakarta überwiesen.

Die Vorhaltung des Gerichts, mit den Geschäften eigene Verluste wettmachen zu wollen, hatte der Angeklagte anfangs noch bestritten. Der im Verfahren zitierte E-Mail-Verkehr spricht allerdings dafür. Die Summe, die der 46-Jährige aus Privatvermögen in die Risiko-Geschäfte gesteckt hat, beträgt mindestens 330 000 Euro.

Am Montag Plädoyers

Die Plädoyers im Verfahren gegen den 46-Jährigen wegen gewerbsmäßiger Untreue in einem besonders schweren Fall werden am Montag gehalten.