Menschen, die an einer Demenz erkranken, und ihre Familien stehen am Beginn eines schwierigen Weges. Sie brauchen Information, Beratung und Unterstützung. Deshalb organisieren die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft und lokale Selbsthilfegruppen seit 1994 jährlich am 21. September Veranstaltungen zum Weltalzheimertag. Dass das Thema brisant ist, zeigen folgende Zahlen: 1,3 Millionen Deutsche leiden an Demenz, in Kulmbach sind es nach Angaben der Krankenkasse DAK rund 1300, bis zum Jahr 2025 werden es 1700 sein. In Kulmbach gehört Christina Flauder, Vorsitzende des Seniorenbeirats der Stadt, zum Vorbereitungsteam eines Aktionstags.

Welche Veranstaltungen sind in Kulmbach geplant?
Christina Flauder: Der Seniorenbeirat lädt morgen zusammen mit dem Klinikum und der Selbsthilfegruppe Demenz von 10.30 bis 15 Uhr zu einem Aktionstag ins Klinikum ein.

Der Umgang mit der Krankheit ist ein sehr persönliches Problem. Wie kann ein Aktionstag da helfen?
Menschen, die an Demenz erkranken, und vor allem ihre Familien, stehen vor einem langen und oft schwierigen We. Es ist wichtig, ihnen zu zeigen, dass sie den nicht allein gehen müssen. Deshalb heißt das Motto des Weltalzheimertags "Demenz - den Weg gemeinsam gehen".

Wie kann man helfen?
Betroffene brauchen Freunde und Kollegen die Verständnis für ihre Situation aufbringen und sie auch weiterhin besuchen. Sie brauchen Nachbarn, die ihre Hilfe anbieten, und kompetente Fachleute aus Pflege, Beratung Medizin und Therapie.

Wie geht unsere Gesellschaft mit dem Thema um?
Ich erlebe immer wieder, dass Familien mit der Erkrankung der Angehörigen nicht gut klar kommen. Aus Scham und Angst vor Ablehnung, vor dem Ausgeschlossensein, zieht man sich zurück, versteckt den Angehörigen, der plötzlich sonderbare Antworten gibt oder unberechenbar reagiert.

Wie kann der Seniorenbeirat diese Menschen unterstützen?
Wir präsentieren Netzwerke und unterstützen Initiativen zur Information und Beratung. Im Jahr 2007 haben wir eine ganzjährige Informationskampagne "Leben mit Demenz" veranstaltet, weil das ein gesamtgesellschaftliches Problem wird. Es betrifft nicht nur einzelne, und wir müssen lernen die Kranken zu akzeptieren, wie sie sind.

Wo kann man sich hinwenden?
Im Landkreis gibt es vielfältige Entlastungsangebote. Erste Anlaufstellen sind die Fachklinik Stadtsteinach, die Selbsthilfegruppe Demenz und die Wohlfahrtsverbände.



Auch der Seniorenbeirat kann vermitteln.

Welche Unterstützung können diese Einrichtungen geben?
Es geht vor allem um Verständnis, Beratung und Entlastung im Alltag. Alzheimer ist nicht heilbar, die Krankheit schreitet immer weiter voran. Wenn sich jemand das Bein gebrochen hat, kann er Fernsehen schauen, während der Angehörige einkaufen geht. Wer Demenz hat, braucht ständig Betreuung. Glücklicherweisegibt es inzwischen Betreuungsleistungen für Demenzkranke, die über die Pflegekassen finanziert werden.

Viele denken: Was geht mich das an? Mich wird's nicht treffen...
Das ist eine fatale Fehleinschätzung. Natürlich kann es mich treffen als Patientin oder als Angehörige. Ich wünsche mir, dass unsere Gesellschaft sich so entwickelt, dass ich akzeptiert werde, wenn ich Alzheimer bekommen sollte. Ich hoffe, dass meine Angehörigen nicht um Pflegestufe und Anerkennung kämpfen müssen, dass das dann einfach kein Thema mehr ist.

Diese Entwicklung ist ein Prozess. Ist das vergleichbar mit der Hospizbewegung?
Den Vergleich kann man ziehen. Auch bei der Hospizbewegung hat es sehr lange gedauert, bis sich das gesellschaftliche Bewusstsein verändert hat. Deshalb müssen wir am Ball bleiben.


Programm des Aktionstags morgen im Klinikum

10.30 bis 15 Uhr Informationsstände in der Eingangshalle des Klinikums Kulmbach. Es präsentieren sich der Seniorenbeirat Kulmbach, die Selbsthilfegruppe Alzheimer und Demenz, die Innere Medizin und Akutgeriatrie sowie Entlassungsmanagement und Beratung des Klinikums Kulmbach mit der Fachklinik Stadtsteinach.

10.45 bis 11.15 Uhr Vortrag mit anschließender Diskussion in der Cafeteria im 1. Untergeschoss. Thema: "Der ältere und der demente Patient in der Klinik - Situationen und Probleme, die speziell durch einen Klinikaufenthalt entstehen können." Referent: Ralf-Herbert Kneitz, leitender Oberarzt der Fachklinik Stadtsteinach

11.15 bis 12 Uhr Vortrag mit anschließender Diskussion in der Cafeteria im 1. Untergeschoss: "Wer unterstützt bei der Pflege von Angehörigen? Pflegestufe 0, berufliche Freistellung für Angehörige." Referentin: Daniela Pettella, Fachkraft für Pflegeberatung.