Gegner und Befürwortet meldeten sich zu Wort: Fast drei Stunden wurde am Donnerstagabend im Bräuwerck in Neudrossenfeld über den möglichen Bau eines Senioren- und Pflegeheims zwischen dem Friedhof und dem Baugebiet Kantnersleite diskutiert und auch gestritten.

Die Fakten

Zunächst die Fakten, die die Offiziellen vor rund 70 Besuchern präsentierten: Bürgermeister Harald Hübner (CSU) verwies auf die langjährigen Bemühungen der Gemeinde, ein Senioren- und Pflegeheim mit einem überörtlichen Träger in den Ort zu holen. Zum Jahreswechsel habe das BRK Interesse bekundet. Der Gemeinderat habe dann den Beschluss gefasst, für das Gelände beim Friedhof einen Bebauungsplan aufzustellen und eine vorgezogene Bürgerbeteiligung durchzuführen. Damit wolle man die Öffentlichkeit frühzeitig über Ziele und Auswirkungen des Projekts informieren.

Dem potenziellen Betreiber und dem Investor habe man mehrere Standorte gezeigt. Das genannte Areal habe sich schnell als Wunschstandort heraus kristallisiert. Man könne sich glücklich schätzen, dass eine große Organisation wie das BRK bereit ist, die Trägerschaft zu übernehmen. Hübner erklärte noch, dass die Pläne bis 30. Mai im Rathaus ausliegen und auch schriftlich Einwendungen eingereicht werden können.

Landrat Klaus Peter Söllner, zugleich BRK-Kreisvorsitzender, verwies auf den Bedarf einer Senioren-Einrichtung im südlichen Landkreis. Die Übernahme der Trägerschaft sei bereits gesichert, ein Betreibervertrag über 20 bis 25 Jahre vorgesehen. "Wir nehmen als BRK die Sache ernst und würden uns gerne in Neudrossenfeld engagieren."

60 bis 70 Fahrzeuge am Tag mehr

Verwaltungsleiter Rainer Schimpf stellte die Bauplanung vor. Vorgesehen sei ein H-förmiges Gebäude. Um die Zufahrt zu verbessern, soll die Friedhofsecke etwas versetzt werden. Die Kompostieranlage könne im Wesentlichen an ihrer Stelle bleiben. Rund 30 Parkplätze würden geschaffen - mehr als bisher zur Verfügung stehen.
Der Verkehr soll nach den Worten von Schimpf über den Friedhofsweg laufen, "weil der wenig bebaut ist". Erwartet werde ein zusätzliches Aufkommen von 60 bis 70 Fahrzeugen am Tag. "Die Straße kann zwischen 900 und 1000 Fahrzeuge vertragen."

Als Investor, der das Gebäude errichtet, tritt die SH GmbH & Co. Projektentwicklungs KG aus Pfarrkirchen auf. Sie hat das Grundstück bereits in ihrem Besitz. Geschäftsführer Helmut Stranzinger verwies auf zahlreiche Referenzprojekte, die sich die Bürger anschauen können. Mit dem Bayerischen Roten Kreuz habe man schon mehrere Seniorenheime geschaffen. Eine Erweiterung des Baus in Neudrossenfeld sei nach der Errichtung nicht mehr vorgesehen. Auch sei das Gebäude recht niedrig gehalten. "Ein Einfamilienhaus mit Satteldach ist höher."
Stranzinger rechnet mit einer Bauzeit von einem Jahr. Frühestens im Herbst könnte das Baurecht geschaffen werden. "Im Frühjahr 2016 sollte alles fertig sein."

BRK-Kreisgeschäftsführer Jürgen Dippold verdeutlichte den Bedarf und erklärte, dass ein freier Altenheimplatz in der Regel nach 48 Stunden wieder vergeben sei.

Zur Diskussion, die teilweise recht hitzig verlief: In Rage redete sich Robert Müller aus der Kantnersleite als Gegner des Projekts. Er bezeichnete es als Augenwischerei, dass mehr Parkplätze entstehen sollen. Die Zufahrt zu dem Gelände sei zu eng und kein Gehsteig vorhanden. Und er hielt einen Bedarf von 40 Plätzen für ausreichend. Dem entgegnete Investor Helmut Stranzinger, dass Fachleute einen höheren Bedarf errechnet haben und sich ein Pflegeheim erst ab 60 Plätzen rechnet - und so viele seien geplant.

Als Robert Müller dann mit einer Grundsatzdebatte über das Pflegesystem begann, musste ihn Bürgermeister Hübner ausbremsen: "Es geht hier nicht um politische Reden, sondern um eine konkrete Planung."

Das brachte Jan Ehlenberger auf den Plan, der politische Reden dem Bürgermeister und dem Landrat unterstellte. Ehlenberger, der als Anlieger im Vorfeld der Veranstaltung Zettel mit Argumenten gegen das Projekt verteilt hatte, versuchte die Wogen dann doch etwas zu glätten: "Es geht darum, die Standortfrage offen zu diskutieren." Denn er sei nicht gegen ein Seniorenheim in Neudrossenfeld, sondern nur gegen den Bau "auf dem letzten grünen Fleck im Ort".

"Können es auch lassen"

BRK-Kreisvorsitzender Klaus Peter Söllner stellte daraufhin klar: "Wir werden uns nicht gegen den Willen der Bevölkerung engagieren und wollen uns nicht aufdrängen. Wenn es nicht gewünscht ist, lassen wir's." Das wiederum würde Bürgermeister Hübner bedauern: "Es wäre sehr schade, wenn die Ansiedlung nicht kommen würde." Er bat nach verschiedenen Zwischenrufen auch darum, die Diskussion sachlich zu führen.

Auf Nachfrage gab BRK-Geschäftsführer Dippold bekannt, dass sechs bis acht Personen in der Tagesschicht in dem Heim Arbeiten werden.