Jürgen Peter wollte das Stück bereits im Jahr 2007 inszenieren. Doch ständig gab es Probleme mit der Rollenbesetzung. "Man hat mir immer wieder in die Suppe gespuckt, aber ich habe nicht locker gelassen, weil es wirklich einer meiner Lieblingsstücke ist. Es musste einfach wieder auf die Bühne", sagt der Regisseur, der sich schon auf die Premiere freut. Am Freitag, 26. April, um 20 Uhr ist es in der Gaststätte "Zum Unteren Wirt" in Hegnabrunn so weit: Das TIK (Theater in der Kneipe) präsentiert das Lustspiel "La Mandragola" von Nicholo Machiavelli, im Volksmund auch die "Liebeswurzel" genannt.

"Einzigartiges Stück"

Das Schauspiel beinhaltet viele Elemente der Commedia dell Arte. Etwa den geizigen Alten, den jungen Liebhaber, den freche Diener, die freche Dienerin. Die Besucher dürfen sich auf ein frivoles Stück freuen - mit geschliffenem Wort, aber ohne Peinlichkeiten. Regisseur Jürgen Peter verwendet da schon mal das Prädikat einzigartig: "Die Menschenkenntnis, die sich Machiavelli als Diplomat und Reisender erworben hat, verwandelt die Typen der Commedia dell'arte in Menschen aus Fleisch und Blut. Dass es sich um ein Liebesabenteuer und nicht um eine kriegerische Eroberung handelt, sei für den Renaissance-Menschen kein entscheidender Unterschied: "Ob ein Mann sich Mars oder Amor widmet, ist eine Frage der äußeren Umstände."

Und die Einzigartigkeit dieses Stücks war für Jürgen Peter auch der Antrieb zur Inszenierung: "Ich hatte es 1986 schon einmal auf die Naturbühne gebracht, nachdem ich diese Fassung vorher im Fernsehen gesehen hatte. Die hat mich begeistert. Die Probleme in dem Stück sind heute genauso aktuell wie im 16. Jahrhundert. Es geht um die Besteuerung kinderloser Ehepaare. Wer nicht zeugt, muss halt entsprechend mehr zahlen."
Das ist die eine Baustelle, die in dem Stück geklärt wird. Die andere ist ein Liebesgeplänkel, als ein junger Lebemann in die Stadt kommt und dort eine hübsche Frau entdeckt, die er gerne erobern würde. Sie ist aber verheiratet - und tugendhaft. Gleichzeitig ist da ein älterer Herr, der zeugungsunfähig ist und an der Vermehrung der Menschheit nicht mehr teilnehmen kann."

Mandragola heißt das Viagra des 16. Jahrhunderts. Machiavelli hat ein Stück geschrieben, in dem diesem berüchtigten Aphrodisiakum die Rolle der mächtigen Liebeszauberin zukommt. Denn es geht auch um die universellen Symbole der Macht: Sex, Gold und Image.

Proben nicht ohne Probleme

Seit Ende Januar wird intensiv geprobt, die Gäste des Hegnebrunner Wirthauses können die Proben live miterleben. Probleme gab es dabei bislang einige. So musste Wolfgang Oertel - der Untersteinacher Pfarrer ist zum ersten Mal dabei - für zwei Wochen zur Fortbildung nach Tansania. "Da wurde auf Schmalspur geprobt, weil wir auch Rücksicht auf die Termine der Spieler nehmen", so Jürgen Peter, der seine Truppe uneingeschränkt lobt: "Insgesamt hatten wir 27 Proben. Das ist relativ wenig, aber ich konnte mich auf meine Leute absolut verlassen. Es hat allen Spaß gemacht." Bei der letzten Probe durfte Konrad Sauerteig wegen einer Kehlkopfentzündung kein Wort reden. Er spielte seine Rolle, Jürgen Peter las den Text.

Mona-Isabelle Peter, die seit Juli 2012 auch Vorsitzende des TIK ist, mimt die Zofe, die alles einfädelt und mit ihrem männ-lichen "Artgenossen" anbandelt. Bereits 1986 hat ihre Mutter Inge Peter diese Rolle an der Naturbühne gespielt.

Silke Ködel spielt die tugendhafte Lucretia. Im Moment überschneiden sich bei ihr die Proben mit denen an der Naturbühne, doch sie schafft den Spagat zwischen zwei Bühnen.
Walter Richter schlüpft in die "Arschkarten-Rolle" (Jürgen Peter) des älteren Herren: "Ich muss mich da nicht verstellen", schmunzelt er.

Wolfgang Oertel, der die vakante Pfarrstelle in Guttenberg vertreten muss, wusste, dass er heuer auf keinen Fall an der Naturbühne mitspielen kann. "Ich hatte zunächst auch dem TIK abgesagt, aber dann mit dem Segen meiner Frau doch die Rolle des Lebemannes übernommen. Die Freude an der Schauspielerei hat mich eigentlich nie verlassen."