Der jüngste Skandal um falsch deklarierte Lebensmittel mit Pferdefleisch beschäftigt auch das Max Rubner-Institut (MRI). Die Forschungseinrichtung des Bundes untersucht am Standort Kulmbach die Sicherheit und Qualität bei Fleisch. Grundsätzlich spricht nichts gegen den Verzehr von Pferdefleisch, sagt Institutsleiter Klaus Troeger, aber der Verbraucher dürfe nicht getäuscht werden: "Wo Rind drauf steht, darf nicht Pferd drin sein."

Kann man als Verbraucher Pferde- von Rindfleisch unterscheiden?
Klaus Troeger: Pferdefleisch ist in seiner Zusammensetzung und Optik dem Rindfleisch ähnlich, es gibt aber einige Unterschiede: Es ist röter, magerer und süßer als Rindfleisch.

Wie unterscheidet es sich ernährungsphysiologisch von anderen Fleischarten?
Das Muskelfleisch des Pferdes enthält mehr vom roten Blutfarbstoff Myoglobin und damit auch mehr Eisen. Es ist nicht marmoriert, also von Fettadern durchzogen, wie man das beim Rind kennt. Das macht es um 20 bis 30 Prozent kalorienärmer. Die Zusammensetzung des Fetts ist beim Pferd sogar ernährungsphysiologisch günstiger: Pferdefleisch enthält deutlich weniger gesättigte und mehr ungesättigte Fettsäuren als Rindfleisch.

Ist es also grundsätzlich ein wertvolles Lebensmittel?
Auf jeden Fall. Pferdefleisch ist für die menschliche Ernährung absolut geeignet - wenn die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden und keine Arzneimittelrückstände enthalten sind.

Wer kontrolliert das?
Das ist Aufgabe des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen.

Warum ist Pferdefleisch trotz seiner Vorzüge selten im Angebot?
/>Pferde wurden bei uns nie zur Fleischerzeugung gehalten. Zum einen sind sie relativ schlechte Futterverwerter, das heißt, man muss ihnen etwa ein Drittel mehr Gras füttern als Rindern, um die gleiche Fleischmenge zu erhalten. Zweitens wurden Pferde für Kriegseinsätze und zum Reiten gezüchtet und genutzt. Deshalb gab es sogar kirchliche und staatliche Verzehrverbote.

Welchen Stellenwert hat es heute in Deutschland?
Auch ohne Verbot ist die Akzeptanz des Pferdefleischs bei uns niedrig. Rund 11 000 Pferde werden pro Jahr geschlachtet. Das entspricht einem Bruttogewicht von 3000 Tonnen. Statistisch gesehen entfallen damit gerade einmal 40 Gramm jährlich auf jeden Bundesbürger - inklusive Haut und Knochen.

Wie kommt man Betrügern auf die Schliche?
Wir können mit dem so genannten Tetraplex-Test im Labor die tierartspezifische DNA und damit die verwendete Fleischart bei Rind, Schwein, Pferd und Schaf nachweisen.

Wie zuverlässig sind solche Tests?
Die Ergebnisse sind sehr genau. Selbst wenn eine Probe nur 0,1 Prozent Pferdefleisch enthält, kann man das nachweisen.