Ein Relikt der Weltmeisterschaft 2006 baumelt über dem Springbrunnen, die Jahreszahl in Weiß auf Schwarz-Rot-Gold gestanzt. Damals, als Italien das deutsche "Sommermärchen" nach Verlängerung im Halbfinale beendete, steppte im WM-Garten der Pizzeria "Alla Rustica" der Bär. Inhaber Ermanno Lubiato musste da noch seine Kulmbacher Fußballfreunde trösten.

Zwölf Jahre später ist Italien bei den Titelkämpfen in Russland gar nicht erst mit von der Partie; der GAU, der größte anzunehmende Unfall für jeden Tifosi. "Ich gebe zu: Es ist ein bisschen komisch, sich diese WM anzuschauen", sagt der 50-Jährige. Das Herz sei diesmal nicht mit dabei. Er gucke mit eher fachlichem wie kritischem Blick auf das, was die anderen Nationen bieten: "Ich schaue Fußball unheimlich gerne, weil ich die Sportart liebe, insofern kann mich auch ein Spiel Russland gegen Ägypten erfreuen."


Deutschland die Daumen drücken

Die Daumen drückt er dem deutschen Titelverteidiger - auch wenn er skeptisch ist, was die Performance der DFB-Elf angeht. "Viele Spieler scheinen den Höhepunkt bereits überschritten zu haben. Vielleicht ist die Mannschaft auch satt. Leute wie Toni Kroos sind Weltmeister und dreifacher Champions-League-Gewinner. Was bitteschön soll danach noch kommen? Wie soll man sich da noch motivieren, den nötigen Biss zeigen? Es muss wohl bald ein Generationenwechsel her. Frisches Blut sozusagen." So wie bei seiner Squadra Azzura. "Das ist eben leider daneben gegangen."

Ermanno Lubiato zuckt mit den Schultern. Immerhin hat er diesmal einen Leidensgenossen: seinen holländischen Freund Maurice van Tongeren. Denn auch das Oranje-Team hat sich nicht qualifizieren können und ist bei der Weltmeisterschaft zum Zuschauen verdammt.

Der Italiener und der Niederländer haben schon wahre Schlachten geschlagen unter dem Dach des Pizzeria-Gartens. Überhaupt die Holländer. Ermanno Lubiato grinst und berichtet von einer 25-köpfigen Delegation Niederländer, die vor einigen Jahren nach dem Besuch der Firma Ireks zu ihm zum Fußballgucken kamen. "Die waren in voller Montur, trugen orangefarbene Lederhosen. Und Italien hat verloren. Der Abend war eine Gewalt", sagt er lachend.


Frühes Ende der Kick-Karriere

Für den gebürtigen Bozener, der seit 25 Jahren sein Lokal in Kulmbach betreibt, war auch in der Jugend Fußball ein überaus wichtiger Teil des Lebens. Als Aktiver hat er sogar gegen Franz Beckenbauers Sohn Stephan gekickt. Doch der sportliche Einsatz forderte seinen Tribut: Mehrfach brach sich der junge Ermanno Lubiato die Sprunggelenke an beiden Füßen. "Damit hatte es sich mit einer Fußballer-Karriere. Aus. Finito."