In der Familie von Volker Weidmann im österreichischen Graz kommen jedes Jahr ganz besondere Weihnachtsplätzchen auf den Tisch: "Butterbrote" heißen sie, seit Generationen werden sie gebacken, und Volker Weidmann hätte gerne noch eine der typischen Ausstechformen gehabt, die an eine halbierte Brotscheibe erinnern. Aber weder im Handel noch im Internet ist der Grazer fündig geworden.

Dafür ist er im letzten Jahr auf die Beiträge der Bayerischen Rundschau zu unserer Aktion "Rettet die Butterbrote" gestoßen. Ein paar Mails gingen hin und her - und nun sitzen Volker Weidmanns Tochter Theresia und ihre Freundin Johanna Löhr in der Küche des Museumspädagogischen Zentrums im Mönchshof, um gemeinsam mit rund 30 Rundschau-Leserinnen und -Lesern um zu erfahren, wie man sie denn richtig bäckt: Die Butterbrote.

Unnachahmlich weihnachtlich

Das Geheimnis, wie die Plätzchen, die es in dieser Form offensichtlich nur in der Stadt Kulmbach gibt, in die Steiermark gekommen sind, lässt sich auch an diesem Nachmittag nicht lösen. Wohl aber das Geheimnis des schokoladig-gewürzigen Teigs für die Butterbrote, die so unnachahmlich nach Weihnachten schmecken. Hans-Dieter Herold und seine Frau Ulla haben es übernommen, die Teilnehmer der Aktion in die Kunst des Butterbrote-Backens einzuweihen. Sie erläutern, dass in den Knetteig aus Butter, Zucker, Mehl, Eiern, Schokolade und Kakao unbedingt eine Prise Salz gehört, weil das den Geschmack runder macht, und dass man bei der Zugabe von Zimt und Nelken "mit Apothekergeschick" arbeiten solle: "Wenn man überwürzt, schmeckt das nicht mehr."

Schon am Vorabend haben Ulla und Hans-Dieter Herold große Mengen an Teig geknetet. Der ist nun gut durchgezogen, die Teilnehmer können sich gleich ans Ausrollen und Ausstechen machen. Nicht zu dünn sollte der Teig ausgerollt werden und nicht zu lange backen, weil er sonst leicht bitter wird.

Während es in der Küche unwiderstehlich zu duften beginnt, holt Theresa Schramm aus ihrer Tasche ein Buch: Rund 100 Jahre dürfte das Kochbuch alt sein, in dem sie ein Rezept für "Falsche Butterbrote" gefunden - und nachgebacken hat. Nüsse sind im Teig. "Aber weniger Eier und Butter und keine Gewürze", stellt Hans-Dieter Herold fest: Vor 100 Jahren waren die Hausfrauen sparsam.

Während die ersten Butterbrote aus dem Ofen geholt werden, kneten die Teilnehmer selbst einen Teig, den sie mit nach Hause nehmen und dort weiterverarbeiten können. Alle Zutaten, gesponsert vom Kulmbacher Real-Markt, stehen dafür in der großen Küche bereit.

Für jeden eine Form

Auch Theresia Weidmann und Johanna Löhr rühren und kneten. Hochinteressant sei die Aktion, und viel Spaß gemacht habe es auch, sagen die beiden jungen Frauen am Ende - und nehmen eine ganze Dose voll Plätzchen mit nach Nürnberg, wo sie wohnen und arbeiten.

So wie alle anderen Teilnehmer auch, haben sie eine eigene Ausstechform bekommen, von der Bayerischen Rundschau bereits zum zweiten Mal eigens in einer Kleinserie produziert. Die Nachfrage war wieder riesig. Schließlich gibt es die Butterbrotformen nirgends sonst. Nur in Kulmbach. Und nun auch in der Steiermark.

Nach diesem Rezept wurden die Butterbrote gebacken

375 g Weizenmehl Typ 405

250 Gramm Butter

100 g Zucker

1/2 TL Backpulver

2 Msp. Salz

2 Eier

1 Eigelb

40 g Kakao

20 g geriebene Blockschokolade

geriebene Schale einer halben Zitrone

6 g gemahlener Zimt

2-3 g gemahlene Nelken

Guss: 250 g Puderzucker, wahlweise Wasser, Zitronensaft, Arrak oder weißer Rum, Eiweiß

Butter, Eier und Zucker schaumig rühren, Gewürze einrühren. Mit den übrigen Zutaten zu einem Knetteig verarbeiten. Über Nacht im Kühlschrank ruhen lassen.

Teig aus dem Kühlschrank nehmen. Bei Zimmertemperatur nicht zu dünn ausrollen, Plätzchen ausstechen. Bei 180 Grad (Ober-/Unterhitze) 8 bis 10 Minuten backen.

Für den Guss entweder Eiweiß anschlagen, mit dem Puderzucker verrühren. Oder Guss aus Puderzucker und Flüssigkeit bereiten. Die Plätzchen damit bestreichen, gut trocknen lassen.