Sie kennen sich seit Jahren: Björn Höcke, der Landeschef der Thüringer AfD, der für viele ein "Faschist" ist, und der Kulmbacher Kreisvorsitzende der Alternative für Deutschland, Georg Hock. Beide haben schon gemeinsam Wahlkampfauftritte bestritten, so wie 2018, als sie vor der Landtagswahl in Forchheim für ihre Partei geworben haben, wie auf unserem Bild zu sehen ist. Georg Hock trat damals als Mitglied im Landesvorstand Bayern auf.

"Es ist wie bei Verwandten"

Am kommenden Freitag kommt nun Björn Höcke, der als "Scharfmacher" gilt, in die Dr.-Stammberger-Halle. Höcke setzt sich im Wahlkampf für die Kulmbacher AfD und deren OB-Kandidaten Hagen Hartmann ein. Warum er sich in die Kommunalwahl in Bayern einschaltet? Es sind die enge Verzahnung Hock-Höcke und der gute Kontakt zu Hagen Hartmann, die ihn dazu bewegt haben. "Man kennt sich und versteht sich. Es ist wie bei Verwandten. Manche halten mehr zusammen, manche weniger", sagt Hagen Hartmann, der weiß, dass Höcke, der die rechtsextreme Strömung "Der Flügel" mitbegründet hat, auch innerparteilich umstritten ist.

"Ich schätze ihn"

Für Hartmann ist Höcke, der Faschist genannt werden darf, ein "hochfeinsinniger Mensch, förmlich ein Philosoph". Das hat der 65-Jährige in der vergangenen Woche beim gemeinsamen Interview von Bayerischer Rundschau und Radio Plassenburg erklärt. Auch wenn Verfassungsschützer in Höckes Positionen Rechtsextremismus, Faschismus, Rassismus, Geschichtsrevisionismus, teilweise auch Antisemitismus und die Übernahme von Sprache und Ideen des Nationalsozialismus festgestellt haben - "ich schätze ihn", sagte Hartmann gestern auf Nachfrage und stellte fest, dass in der Öffentlichkeit ein völlig falsches Bild von dem Thüringer gezeichnet werde.

Der einzige Auftritt in Bayern

In Kulmbach soll Höckes einziger Wahlkampfauftritt im Vorfeld der Kommunalwahl in Bayern sein. Warum er sich dafür die Kleinstadt ausgesucht hat, obwohl die AfD beispielsweise auch in München und Nürnberg Kandidaten stellt? "Wir haben eben ein gutes Verhältnis zu Höcke und dem Nachbarland Thüringen", betont Hartmann. Seiner Kenntnis nach ist Höcke nicht auf der Durchreise, sondern kommt gezielt nach Kulmbach und wird am Abend auch wieder die Heimreise antreten.

Einer, der den Thüringer Landeschef auch schätzt, ist Kreisvorsitzender Georg Hock. Hock zählt zu den Gefolgsleuten des AfD-Rechtsaußen, hat sich auf der Seite des "Flügels" positioniert, einer Gruppierung, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. So hat Hock auch vor der Europawahl im Juni 2019 in Greding ein Treffen des "Flügels" moderiert, bei dem Höcke Gastredner war. In dessen Folge war es zu einem innerparteilichen Streit gekommen.

"Markenkern gerettet"

Hock steht zu Höcke und dem "Flügel". Mit der von Höcke initiierten "Erfurter Erklärung" sei der Markenkern der AfD gerettet worden. Der "Flügel" sei keine klassische Organisation. "Zu ihm zählt jeder, der die Erklärung gezeichnet hat."

Die AfD ist Hock zufolge nicht völkisch-nationalistisch, "sondern national und patriotisch". Das sehen viele anders, die sich dem breiten Bündnis anschließen, das am Freitag in Kulmbach unter dem Motto "Kulmbach, für Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit" zu einer Gegendemonstration einlädt.

Demo gegen Rechte

Friedlich und ohne Krawall wolle man, so die Veranstalter, deutlich machen, dass es einen breiten Konsens gegen die rechtsextremen Positionen Höckes gibt. "Wir demonstrieren nicht gegen etwas - sondern für Demokratie und Toleranz!", sagt Mitorganisator Matthias Hahn. "Wir müssen ein Zeichen setzen gegen die Rechten, die unser demokratisches System abschaffen wollen", betont FDP-Kreisvorsitzender Michael Otte, der die Demo mit angemeldet hat.

Die Organisatoren gehen von mindestens 500 Leuten aus, die dem Aufruf zum friedlichen Protest folgen.