Sich frei fühlen, sich ganz vom Gefühl leiten und von der Musik tragen lassen - für Wiola Lisowska geht das nirgends so gut wie beim Tanzen. Die 17-Jährige liebt Streetdance in allen Variationen und ist eine der Stützen der Tanzgruppe "Dance D'Lite" des Jugendzentrums "Alte Spinnerei". "Ich bin sehr spontan und improvisiere gern", erzählt Wiola. "Hip-Hop und Breakdance sind für mich ideal, um mich auszudrücken, um meine Emotionen loszuwerden."



Am liebsten aktiv
Nur vor dem Fernseher oder bei Computerspielen herumzuhängen - das ist der jungen Kulmbacherin viel zu langweilig. Viel lieber ist sie aktiv und tobt sich mit ihren Freundinnen bei den Trainingsstunden in der "Alten Spinnerei" aus.
Seit 2005 wird dort unter der Regie von Jessica Muschinski getanzt. Die heute 30-Jährige trainierte damals eine Cheerleader-Gruppe im Jugendzentrum, als vier hip-hop-begeisterte Mädchen eine Trainerin suchten. "Ich habe diese Sachen damals auch schon gerne getanzt und die Gruppe zusätzlich übernommen", erinnert sie sich.

"Zeigen, was wir drauf haben"
"Serpentine Fire" nannten sich die Tänzerinnen damals, gründeten wenig später nach einer erfolgreichen Ferienpass-Aktion sogar noch eine Jugendgruppe, bei der auch ein paar Jungs mitmachten. Inzwischen sind die Mädels jedoch unter sich. Insgesamt neun Tänzerinnen gehören derzeit zur Stammcrew und bereiten sich fleißig auf die Fränkische Meisterschaft im Streetdance vor, die im Juli in Fürth stattfindet. "Das ist die einzige Meisterschaft, bei der wir mitmachen dürfen.



Die anderen sind Gruppen aus professionellen Tanzschulen vorbehalten", sagt Jessica Muschinski.

Doch statt dessen nutzen die Tänzerinnen viele andere Gelegenheiten, um öffentlich aufzutreten, "denn es macht einfach Spaß, zeigen zu dürfen, was man drauf hat, und ein Ziel zu haben, wenn man trainiert", sagt Valentina Trott. Die 21-jährige Fos-Schülerin ist seit vier Jahren dabei. "Als ich damals erfahren habe, dass es hier sowas gibt, bin ich aus Neugier vorbeigekommen. Ich war total begeistert - und bin gleich dageblieben. Das macht so viel Spaß, und es ist alles kostenlos für uns. Das ist große klasse, dass uns das Jugendzentrum das ermöglicht."
Auch für Wiola waren die Kosten ein Kriterium, als sie gemeinsam mit einer Freundin auf der Suche nach einer Tanzgruppe war: "Unterricht in einer Tanzschule muss man sich leisten können." Das Tolle am Streetdance? "Da kann man richtig Power zeigen, auch mal seinen Frust rauslassen, ohne sich an vorgegebene Schrittkombinationen halten zu müssen."

In der Tanzgruppe freilich hält sie sich genau an die Choreographie und meistert dabei auch anspruchsvolle Moves - oft in erster Reihe mit Trainerin "Jezz", die selbst recht ehrgeizig ist und immer darauf bedacht, dass ihre Mädels toll aussehen und beim Publikum einen guten Eindruck machen. Wir waren schon in Berlin beim Fest der Nationen, beim Altstadtfest, beim BR-Kinderfasching beim Family-Fun-Festival, bei Bällen und Sportler-Ehrungen zu Gast, zählt die Leiterin der Truppe auf. Der erste ganz große Auftritt war 2009 als Showprogramm beim Männerballett-Turnier in der Stadthalle - "mit über 1000 Zuschauern war das für uns echt eine große Nummer".

Erfolg macht glücklich
Zwei Mal pro Woche trainiert sie mit der Gruppe - ehrenamtlich und mit großer Freude. "Die Mädels sind mir ans Herz gewachsen", sagt die Trainerin, die beruflich als Assistentin der Bereichsleitung für Projektmanagement beim Baur-Versand tätig ist. Das Tanzen ist ihr Hobby und ihre große Leidenschaft, "und wenn ich sehe, wie viel Spaß das allen macht und wie toll die Ergebnisse sind, dann macht mich das sehr glücklich".
Tanzen ist Emotion pur - aber es es auch ein erstklassiges Training für Körper und Geist. "Dance D'Lite" lässt sich auf keine Stilrichtung festlegen, mixt Bewegungen aus Hip-Hop und Break Dance mit Cheerleader-Moves und Grundlagen der klassischen Tanzausbildung. "Da ist auch einiges an Akrobatik dabei, und um das gut hinzubekommen, gehört auch das Training von Kraft und Beweglichkeit zu unserem Programm", sagt Jezz Muschinski.

Die Jüngste im Team ist Viktoria Schefel. Die 13-Jährige kommt seit einem Jahr mit ihrer Schwester Kristine (24) zum Training: "Mir gefallen der Tanzstil und die offene Atmosphäre", erzählt Vicky. "Ich wurde sehr nett aufgenommen und fühle mich sehr wohl in der Gruppe. Die Musik und das Tanzen machen gute Laune.
Das Durchschnittsalter der Gruppe liegt derzeit bei etwa 18 Jahren. "Dance D'Lite" ist jederzeit offen für neue Mitstreiterinnen. Trainiert wird immer donnerstags von 18 bis 20.30 Uhr und dienstags nach Absprache zusätzlich von 18.15 bis 19.15 Uhr.