Mit lautem Hupen und Tröten nähert sich die gigantische Dampflok Stadtsteinach. Fotoapparate klicken. Hunderte Menschen drängeln sich im Güterbahnhof Stadtsteinach, wo normalerweise nur Steine verladen werden. Die Dampflok zieht diesmal Passagierwaggons. Hunderte von Menschen säumen auch die Strecke zwischen Untersteinach und Stadtsteinach. Denn dort verkehren schon lange keine Passagierzüge mehr. Nur ein paar Jahre nach dem Krieg gab es Personenverkehr.

Baujahr 1943

Um so euphorischer jubeln die Menschen der Dampflok, Baujahr 1943, zu. Sie bringt es immerhin auf ein Gewicht von 136 Tonnen, nur die Lok - bei einer Länge von 23 Metern.

Gesteuert wird die Lok von jemandem, der sie schon seit Jahrzehnten genau kennt: von Horst Schäfer. Der 64-Jährige ist eigens aus Zittau angereist. Er ist noch regulär bis in die 1980-er Jahre mit der Dampflok gefahren auf der Strecke nach Dresden.

In Stadtsteinach hat er es eilig. Denn die Lok muss umgekoppelt werden. Und die Menschen gehen einfach nicht von den Gleisen. Die Bahnverantwortlichen haben alle Hände voll zu tun, um die Fotografen und Bahnfans fernzuhalten.

Zwei Tonnen Kohle auf 100 Kilometer

An Schäfers Seite ist Heizer-Azubi Max Kramer. Und außerdem ist noch Triebfahrzeugführer Sebastian Pfaller und ein weitere Heizer mit von der Partie. Denn die Lok muss, weil sie den ganzen Tag unterwegs ist, mit doppelter Mannschaft besetzt sein. "Heute brauchen wir nicht so viel Kohle - zwei Tonnen auf hundert Kilometer", sagt Sebastian Pfaller und öffnet das Innere der Dampflok. Die Kohlen glühen rot. Der Kesseldruck beträgt derzeit 15 bar, das Wasser ist achtzig Grad heiß.

Während die Lok umgekoppelt wird, steigt eine Tanzgruppe in historischen Kostümen aus. Sie begleitet die Dampflok aus Liebhaberei und freut sich über die vielen Fotografen.

Fotos und Videos als Beweis

Die Fränkische Museumsbahn hat mit der Frühlingsfahrt viele Bahnbegeisterte in ihren Bann gezogen. Der Sonderzug, der von Nürnberg über Fürth durch das Regnitztal, nach Bamberg und Kulmbach fährt und dann noch einen Abstecher auf der Güterverkehrsstrecke bis nach Stadtsteinach macht, begeistert alle Bahnfans. Viele fotografieren aus dem Fenster, drehen Videos, um auch wirklich zu beweisen, dass sie auf der Schotterstrecke nach Stadtsteinach gefahren sind.

Nach knapp einer Stunde macht sich die Dampflok mit den vielen Gästen wieder auf den Weg Richtung Kulmbach: laut schnaubend, mit großem Getöse verlässt die Fränkische Museumsbahn Stadtsteinach. Der Geruch nach Dampf und Nostalgie bleibt zurück.