Wenn es um Sicherheit und Qualität bei Fleisch geht, hat das Wort des Kulmbacher Standorts des Max-Rubner-Instituts (MRI) deutschlandweit Gewicht. Einmal im Jahr wird das durch die Kulmbacher Woche unterstrichen - eine Fachtagung, die seit gestern zum 49. Mal stattfindet und sich bis morgen mit aktuellen Erkenntnissen beschäftigt.
Der Kulmbacher Standort des Instituts steht seit 2. April unter neuer Leitung: Dagmar Brüggemann hat Klaus Troeger abgelöst, der in den Ruhestand gegangen ist. Die neue Chefin kennt Kulmbach, wo sie bereits einmal gearbeitet hat. Sie war zuletzt Professorin für Nutztierwissenschaften und Lebensmittelqualität an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve. Zuvor arbeitete Dagmar Brüggemann an verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen in Dänemark.
Für ihre neue Aufgabe in Kulmbach hat sie sich vorgenommen, die interessanten Möglichkeiten interdisziplinärer Zusammenarbeit am Max Rubner-Institut zu fördern, wie sie betont. Thematisch stehen Fragen des Tierschutzes und der Schlachtung ebenso auf ihrer Agenda wie Qualitätsforschung an Fleisch.
Die neue Institutsleiterin plant auch, die Kompetenz des Max Rubner-Instituts an anderen Standorten, aber auch anderen Forschungseinrichtungen für gemeinsame Projekte in die Forschung am Standort Kulmbach einzubeziehen. "Ein wichtiges Ziel ist für mich die Vernetzung der Forschung in Kulmbach national und international", unterstreicht sie.
Gerhard Rechkemmer, der das Max-Rubner-Institut leitet, möchte auch die Zusammenarbeit mit den oberfränkischen Hochschulen vertiefen, wie er beim Empfang aus Anlass der Kulmbacher Woche am Montag auf der Plassenburg sagte. Dazu ist am Rande der Veranstaltung auch ein Gespräch vorgesehen mit Vertretern der Fachhochschule in Coburg und der Universität in Bayreuth.

Aktuelle Fragen

Dass die Fragen, mit denen sich die Wissenschaftler und Vertreter der Produzenten befassen, sehr aktuell sind, belegte Ministerialdirigent Bernhard Kühnle vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Im Wahlkampf zur Europawahl spielten die Fragen der Lebensmittelsicherheit eine große Rolle. Wenn dann Ende Mai der Vatertag gefeiert werde, ein Hochtag des Grillens, spiele diese Frage für die Verbraucher keine Rolle, schwinge aber im Hintergrund mit. Deutschland habe eine gute Infrastruktur, der Wissenstransfer funktioniere - und sei auch sehr wichtig angesichts zunehmender Versuche von Lebensmittelbetrug. Dem bekanntesten im Januar 2013, als Pferdefleisch im Rindfleischburger entdeckt worden sei, seien weitere gefolgt - zum Teil auch mit Gefahren für den Konsumenten. Daher hat die Europäische Union nach den Worten Kühnles neue Strukturen für einen rascheren Informationsaustausch geschaffen.
An das Schicksal des nach einem Skandal im vergangenen Jahr geschlossenen Schlachthofs erinnerte Regierungspräsident Wilhelm Wenning. Stolz auf den Kulmbacher Schlachthof dagegen ist Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU). Das Defizit der Einrichtung wurde deutlich reduziert. Für den MRI-Standort sei der Schlachthof wichtig - dieser Überzeugung sei er stets gewesen. Daher habe er sich auch für dessen Erhalt nachdrücklich eingesetzt.