"old & freaky" - alt und abgefahren - so haben die Schüler des Caspar-Vischer-Gymnasiums ihr soziales Mode label genannt. Im letzten Jahr haben die damaligen Zehntklässler des Sozialwissenschaftlichen Zweiges das Projekt aus der Taufe gehoben. Dabei entwerfen und fertigen sie Häkel- und Strickwaren in einem einzigartigen Projekt gemeinsam mit Seniorinnen und Senioren aus dem Wohnstift in der Tilsiter Straße in Kulmbach.

"Es war eine wunderbare Erfahrung für uns" schwärmt Jaqueline Baumüller, eine der Schülerinnen. Sie erklärt begeistert, wie sie und ihre Klassenkameraden von der Arbeit profitiert haben. "Wenn man so normal mit den Senioren zusammensitzt, dann sind Junge und Alte oft auf ganz unterschiedlichen Ebenen unterwegs. Durch die gemeinsame Handarbeit sind wir ins Gespräch gekommen. Es sind echte Freundschaften entstanden."

Darüber freuen sich Jugendliche wie Senioren gleichermaßen. Zum Beispiel die 90-jährige Irmgard Mayr. Sie lebt seit etwas über einem Jahr in der Einrichtung und ist - vor allem geistig - noch absolut fit. "Eine unserer fleißigsten Strickerinnen", freut sich Käthe Bedau, die als ehrenamtliche Helferin im Wohnheim vor allem die Häkelnadel schwingt.

Beide Frauen und auch die anderen Senioren haben große Erfahrung im Bereich Handarbeit und geben diese natürlich gerne an die übernächsten Generationen weiter. Von den von Frau Mayr gestrickten Socken ist kein einziges Paar mehr da, der Verkauf läuft gut. Und die Jugendlichen lernen ganz nebenbei auch noch Häkeln und Stricken.

Jaqueline zum Beispiel hat sich auf gehäkelte Mützen spezialisiert, andere haben bei der Fertigung großer Decken, Filztaschen oder Handyhüllen geholfen. "Die Aktion war so erfolgreich und hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir sie noch ausweiten wollen," erzählt Jaqueline Baumüller.

Noch 2015 sollen eigens kreierte Pralinen und auch Salben und Cremes made in Kulmbach auf den Markt kommen. "Die Rezepte werden wir Schüler mit den Senioren gemeinsam entwickeln, die Pralinen zum Beispiel werden dann von der Pralinenmanufaktur Esther produziert." Die Vermarktung und den Verkauf, die Werbung und vieles mehr, werden wieder die Schüler übernehmen.

Mittlerweile haben die Jugendlichen die 10. Klasse hinter sich und führen das Projekt in einem P-Seminar weiter. Aus den Strick- und Häkelwaren sind bereits die ersten Erlöse erzielt worden. 1000 Euro konnten die Schüler an das Seniorenwohnheim übergeben. "Die nächsten Erlöse sollen an die Schule und an das Rote Kreuz gehen", erklärt Lehrer Bastian Priemer. Er ist stolz darauf, was seine Schützlinge auf die Beine gestellt haben. Vor allem, wenn er an den Twitter-Eintrag einer Gymnasiastin denkt, der vor ein paar Wochen für Aufsehen gesorgt hat. Die Schülerin hatte darin dem Schulsystem vorgeworfen, sie nicht auf das echte Leben vorzubereiten. "Unsere Schüler lernen in diesem Projekt unendlich viel fürs Leben. Soziale Arbeit, Umgang mit Menschen und gleichzeitig Vermarktung, Werbung, Verkauf der Produkte. Wir sind überzeugt, dass das der richtige Weg ist." Und auch die Schüler sind überzeugt: So sieht lebensnahes Lernen aus.