"Es liegt nahe, dass man sich am Vorrat des anderen bedient, wenn man zusammenlebt", sagte vorsitzende Richterin Kerstin Kayser. Strafrechtlich, also mit 100-prozentiger Sicherheit, lasse sich das allerdings nicht mehr nachweisen, so dass der Angeklagte lediglich wegen vier Fällen des Erwerbs der Droge bei einem Mann in Oelsnitz im Vogtland verurteilt wurde.

Trotz zweier einschlägiger Vorstrafen ging das Gericht von einer günstigen Sozialprognose aus. Der Mann lebt sozial eingeordnet, steht in Arbeit und nimmt nach eigenen Aussagen selbst keine Drogen mehr.

Dies zu überprüfen ist ein Teil der Bewährungsauflage. Der Angeklagte muss während der kommenden beiden Jahre alle zwei Monate zum Gesundheitsamt und Urin- und Haarproben abgeben. Zusätzlich muss er zur Suchtberatung der Diakonie und 500 Euro Geldauflage an den Bewährungshilfeverein "Fähre" bezahlen.

Dem Urteil zugrunde liegen vier Fälle, bei denen der Angeklagte von seinem Dealer in Oelsnitz drei Mal drei Gramm und ein Mal fünf Gramm Crystal Speed zum Grammpreis zwischen 50 bis 75 Euro erworben hatte. Über seinen Verteidiger Hilmar Lampert ließ der 25-Jährige von Anfang an klarstellen, dass er nichts an seine Freundin, die damals noch keine 18 Jahre alt war, weitergegeben hatte. Angeblich soll die junge Frau schon zuvor Crystal konsumiert haben.

Telefone wurden überwacht

Auf die Spur des Angeklagten gekommen war die Polizei durch ein Ermittlungsverfahren im Kulmbacher Landkreis, sagte ein Beamter der Kriminalpolizei Bayreuth aus. Dadurch seien die Beamten auf den Mann aus Oelsnitz als regen Lieferanten gestoßen. Über eine Telefonüberwachung hätten sich daraufhin Spuren zu dem Angeklagten aus dem Landkreis Kulmbach ergeben. Der Ermittlungsbeamte konnte sich auch noch daran erinnern, dass der Angeklagte wenig kooperativ gewesen sei und kaum Angaben gemacht habe.

"In Sachen Drogen hat bei uns jeder sein Ding gemacht", so die mittlerweile volljährige Freundin in ihrer Zeugenaussage. Angeblich will sie ihr "Zeug" immer selbst beschafft haben, an Einzelheiten könne sie sich nicht mehr erinnern. Außerdem habe sie sehr unregelmäßig konsumiert, und das auch schon, bevor sie den Angeklagten kennen gelernt hatte. Mittlerweile nehme auch sie keine Drogen mehr.

Zwei weitere Zeugen hatte das Gericht zur Klärung der Sachlage vorgeladen, doch diese waren der Verhandlung unentschuldigt ferngeblieben. So entschied die vorsitzende Richterin kurzerhand, gegen beide ein Ordnungsgeld in Höhe von jeweils 100 Euro festzusetzen, ersatzweise zwei Tage Ordnungshaft.

Eine Bewährungsstrafe in Höhe von sechs Monaten beantragte der Vertreter der Staatsanwaltschaft für den Angeklagten. Er sei zwar einschlägig vorbestraft, doch habe er die Taten vor Gericht weitgehend eingeräumt.
Verteidiger Hilmar Lampert aus Bayreuth plädierte auf eine Bewährungsstrafe von vier Monaten. Die Taten lägen mittlerweile schon wieder zwei Jahre zurück, und sein Mandant bringe die besten Voraussetzungen für eine Bewährung mit.