In Anlehnung an die jahrhundertealte Kunst des Schön-Schreibens ist diese Kunst des "Schön-Schneidens" erfunden worden.

In der Region wird die neuartige Technik erst in einem einzigen Salon angeboten. Nämlich in der Frisierstube Hänseler in Thurnau. Betreiberin Elisabeth Pillat hat extra eine aufwändige Fortbildung besucht, um korrekt nach den Vorgaben des Erfinders Frank Brohrmann "Calligrafieren" zu können.

"Die Haare werden bei dieser Technik so abgeschnitten, wie der Stengel einer Blume, nämlich schräg", erklärt sie. "Dadurch biegt sich das Haar und es entsteht insgesamt mehr Volumen."


Zwischen 21 und 23 Grad

Das zu erlernen, war gar nicht so einfach. "Der Winkel muss 21 bis 23 Grad betragen, das ist eine ungewohnte Handhaltung für den Friseur. Wer das Messer falsch hält, der kann diesen wunderbaren Effekt nicht erzielen."
Durch den schrägen Schnitt wird die Friseur voller und auch weicher. Elisabeth Pillat führt es vor und schneidet ein paar zwischen die Finger geklemmte Haare mit der Schere ab. "Das stachelt" stellt ihre heutige Kundin Franziska Schnauder-Sanke fest. Dann schneidet Elisabeth Pillat die gleiche Strähne noch mit dem Calligraphen und auch die vorher noch kritische Kundin muss zugeben: "Das fühlt sich weich an, fast wie ein Rasierpinsel."

Wenn der Schnitt fertig ist, wird die Kundin den Unterschied noch deutlicher fühlen, verspricht die Friseurin. Sie ist vollends überzeugt von ihrem Calligraphen. "Gerade für Menschen mit dünnem Haar ist der Calligraph ideal. Der Schnitt ist etwas aufwändiger, aber mittlerweile schneide ich damit fast so schnell wie mit der Schere."


Präzision erforderlich

Dadurch dass der Calligraph nur eine ein Zentimeter lange Schnittfläche hat, müssen viele kleine Bewegungen gemacht werden. Bei Elisabeth Pillat, die die Technik seit diesem Sommer anbietet, sieht es schon aus, als hätte sie tatsächlich eine Feder mit Tinte in der Hand. So klein und präzise sind ihre Bewegungen.

Das Arbeitsgerät - den Calligraphen - kann man nur kaufen, wenn man die entsprechende Zusatzausbildung absolviert hat. Die wird nur vom "Haarschneide-Guru" - dem Erfinder des Calligraphen - Frank Brohrmann angeboten. Und der verspricht: Mehr Volumen, weniger Spliss, kein Abstumpfen der Spitzen und: Seltener Nachschneiden.

Ob das alles eingehalten werden kann und ob der Trend tatsächlich zu einer Revolution des Haare-Schneidens führt? Frank Walther von der Kulmbacher Friseurinnung bezweifelt das. "Verschiedene Trends gibt es immer wieder: Mit dem Messer, mit der heißen Schere, man versucht eben immer mal was Neues, auch als Alleinstellungsmerkmal."

Dass man die mit dem Calligraphen geschnittenen Haare seltener nachschneiden muss, das kann sich Frank Walther nicht vorstellen. "Die Haare wachsen doch gleich schnell. Bei solchen Versprechungen bin ich eher kritisch."


Spürbarer Unterschied

Elisabeth Pillat sieht das ganz anders. Und ihre heutige Kundin hat sie auch überzeugt: "Die Haare fühlen sich tatsächlich weich an. Man merkt schon einen richtigen Unterschied", so Franziska Schnauder-Sanke. "Das hätte ich vorher nicht gedacht." Elisabeth Pillat freut sich, wieder eine Kundin überzeugt zu haben.