Ein Boot soll es werden, und zwar eins mit Rädern. "So kann man das dann ganz leicht ins Wasser rollen", erklärt Bastian Steinlein. Das haben sich der Zehnjährige und seine Mitschüler aus der vierten Klasse der Burghaiger Grundschule selbst ausgedacht. Auch wie die Seitenwände angebracht werden und wo der Mast stehen soll, dürfen sich die Kinder der Boot-Bau-Gruppe selbst überlegen, Vorgaben gibt es keine.
"Die Schüler sollen miteinander Lösungen finden und selbst umsetzen", erklärt Schulleiterin Petra Rauh. "So bekommen sie nicht einfach von uns Wissen vermittelt, sondern erarbeiten es sich selbst." Die Materialien dafür stiftete der Verpackungsmittelhersteller Storopack, der im Rahmen der Wirtschaftsinitiative "Wissensfabrik" mit mehreren Kulmbacher Schulen zusammenarbeitet. "Unternehmen brauchen Nachwuchskräfte, die selbstständig denken und Probleme angehen können", sagt Susanne Meister von Storopack. "Das ist die Idee hinter der Wissensfabrik." Die Initiative wurde 2005 gegründet. Inzwischen gehören ihr über 100 Firmen an, die Kindergärten und Schulen in ganz Deutschland mit Know-How und Lehr-Materialien unterstützen.

Bauen und konstruieren

Die Grundschule Burghaig ist seit fünf Jahren dabei. Zuletzt bekamen sie von Storopack eine Kiste mit Materialien für die Naturwissenschaften. Jetzt gab es das Paket "Bauen und konstruieren" für den Heimat- und Sachunterricht, mit Holzleisten und -platten, Leim, Nägeln, Schrauben, Sägen, Feilen und Bohrern. "Wenn die Schule das selbst anschaffen wollte, wäre das sehr teuer", sagt Schulleiterin Petra Rauh. "So bekommen wir das kostenlos und können nachbestellen, was verbraucht wird."
Das Boot, das Bastian und seine Mitschüler bauen, soll sie von einer einsamen Insel retten. "Was hier gebaut wird, ist nämlich Teil einer Geschichte", erklärt Susanne Meister, die gestern den Unterricht in der vierten Klasse leitete. "Wir sind alle gestrandet, und das Baumaterial wurde in Kisten angeschwemmt. Wir haben gemeinsam überlegt, was uns da helfen würde: ein Haus zum Übernachten, eine Brücke, um auf die andere Seite der Schlucht zu gelangen, ein Karren, um Sachen zu transportieren und Boote, um die Insel wieder zu verlassen." In kleinen Gruppen dürfen die Kinder den ganzen Vormittag an ihren Projekten werkeln. "So können sie sich ohne Hektik in die Sache vertiefen", sagt Petra Rauh. Wichtig sei, dass die Schüler sich miteinander austauschen und beratschlagen können. "Und wenn nötig, auch einen einmal gefassten Plan umwerfen und neu anfangen."
In Zukunft wird es häufiger einen so praktischen Heimat- und Sachunterricht geben. "Im September startet der neue Lehrplan-Plus an bayerischen Grundschulen", erklärt die Schulleiterin. "Da geht es dann genau darum: Kompetenzen stärken. Die internationalen Leistungsvergleiche haben gezeigt, dass unsere Schüler zwar viel Wissen vermittelt bekommen, aber das nicht immer hängen bleibt." Das soll sich durchs Selbermachen ändern.