Blaue Luftballons stiegen am Schlossplatz in einen Sommerhimmel, die Kinder der Friedrich-von-Ellrodt-Schule sangen Lieder in europäischen Sprachen. Die Böllerschüsse aus einer Feldschlange des 30-jährigen Krieges der Feuerschützengesellschaft Weiden und des örtlichen Schützenvereins hallten durch das Rotmaintal, waren lautstarkes Signal für die 10. Neudrossenfelder Europatage.

Die eröffnete Bürgermeister Harald Hübner am Samstagnachmittag offiziell und konnte dazu neben den Honorationen auch eine Menge Schaulustiger begrüßen.

Das Gemeindeoberhaupt bezeichnete Bayern und Oberfranken "als unsere Heimat, Deutschland als unser Vaterland und Europa als unsere Zukunft". Die Gemeinde sei stolz, als Partner der Fördergesellschaft für Europäische Kommunikation (FEK) Gastgeber sein zu dürfen.

Ein paar Schritte vom Schlossplatz entfernt befindet sich der Skulpturengarten mit den Konterfeis der bisherigen Preisträger der FEK-Medaille Karl IV., zu denen jetzt zwei Neue hinzu kamen: Thomas Zwiefelhofer aus Liechtenstein und Fürst Karel von Schwarzenberg aus Prag. Letzterer ist kurzfristig erkrankt und wird die Auszeichnung später erhalten. Genau so wie Bernd Posselt, langjähriger Europaabgeordneter, der den FEK-Freiheitsring bekommen wird.

Erstmals in der langen Reihe der Preisträger ist Zwiefelhofer diesmal im Relief abgebildet. Nach der Enthüllung schaute er erst ein bisschen irritiert wegen der Freiheit des Künstlers, der zu seinem Gesicht in Sandstein noch einen Geldsack und Euros modelliert hatte.

Dann hellte sich sein Gesicht jedoch wieder richtig auf, als ihm FEK-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Otto im Gontard-Saal des Schlosses Urkunde und Medaille überreichte.

Die Laudatio auf Zwiefelhofer hielt Magister Karel Boruvka, ehemals Botschafter der Tschechischen Republik in der Schweiz und in Liechtenstein. Er bezeichnete den Laureaten als echten Europäer, "der aufrichtig in Europa kommuniziert, die europäische Verständigung voran treibt und europäische Werte teilt". Der Geehrte war in der letzten Legislaturperiode in Liechtenstein stellvertretender Regierungschef mit der Zuständigkeit für Inneres, Justiz und Wirtschaft. Der gleichzeitige Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens für die Verdienste um die Republik Österreich habe stets politische Entscheidungen zum Wohle seines Landes und von ganz Europa getroffen, so Boruvka.

Seit Sommer 2017 Honorarkonsul der tschechischen Republik im Fürstentum Liechtenstein, kämpft Zwiefelhofer weiter für ein starkes Europa. "Denn wir sind im Binnenmarkt und im Europäischen Wirtschaftsraum mit der EU eng verbunden", drückte er es in seinen Dankesworten aus.

Zahlreiche Redner würdigten beim Festakt Europa als Friedens- und Wirtschaftskraft. FEK-Präsident Gerhard Krüger bezeichnete es als Werte- und nicht Religionsgemeinschaft, Landrat Klaus Peter Söllner als gemeinsamen Markt, in dem Menschen, Waren, Dienstleistungen und Kapital frei zirkulieren können.

Und Heidrun Piwernetz, oberfränkische Regierungspräsidentin, nannte den einzigen Weg für die EU, um Exit-Bewegungen künftig zu vermeiden, beständig den Mehrwert der EU für das tägliche Leben der Bürger zu beweisen.

Ganz still wurde es im Gontardsaal als Karl Freller, Vizepräsident des Bayerischen Landtages, aus einem Wörterbuch von 1914 eines 18-jährigen französischen Soldaten zitierte, der Tod und Vernichtung vor Augen hatte. "Jetzt fahren wir nach Frankreich als Freunde."

Am Freitag hatte bereits der Wirtschaftstag der IHK Oberfranken Bayreuth stattgefunden: Mit einem flammenden Plädoyer warben namhafte Persönlichkeiten aus Industrie, der Politik und Wissenschaft im Bräuwercksaal für ein starkes Europa.

Im Blickpunkt standen die engen wirtschaftlichen Beziehungen von Oberfranken zum Nachbarland Tschechien und da besonders zu den Regionen Eger und Karlsbad.

Aus tschechischer Perspektive beleuchtete Kristina Larischová das Projekt Europa, nannte den Beitritt vor 15 Jahren eine gute Entscheidung. "Mein Land ist stark exportorientiert, 80 Prozent unseres Bruttoinlandprodukts (BIP) kommen aus diesen Verbindungen, das BIP hat sich seit der Mitgliedschaft verfünffacht", sagte die Generalkonsulin der tschechischen Republik in München.

Radek Pašava von der Wirtschaftskammer Karlsbad bewertete die Kontakte zwischen seiner Institution und der IHK Bayreuth als stets freundschaftlichen Austausch. Man helfe sich gegenseitig bei Zollangelegenheiten und in der Ausbildung. Mit der Unterzeichnung eines Arbeitsplanes 2019 während des Wirtschaftstages wurde das noch bekräftigt.

Sara Franke, Leiterin des Bereichs International der IHK, stellte die gewachsenen Beziehungen der beiden Kammern heraus.

Spannende Momente dann in Diskussionsrunden über "Die EU und Globalisierung" und zum "EU-Binnenmarkt", wo unter der Moderation von Anja-Maria Meister schon mal kritische Töne über die Regulierungswut und die Bürokratie laut wurden.

Sowohl Klaus Kühnel von der Rehau AG als auch Bernhard Hetz von der Universität Bayreuth beschäftigten sich mit Zollschranken und Strafzöllen in der festen Überzeugung: Es gibt nur Verlierer, einen Handelskrieg kann man letztendlich nicht gewinnen.

Auf die Probleme und Vorteile eines gemeinsamen Europas ging Paul Joachim Kubosch, langjähriger Leiter der EU-Vertretung in München und Nürnberg, ein: "In der Öffentlichkeit wird immer nur das registriert, was nicht funktioniert",bedauerte er.

IHK-Vizepräsident Michael Möschel stellte heraus, dass Deutschland ohne die EU nicht diesen Aufschwung genommen hätte, kritisierte jedoch die Flut an Bürokratie für den Mittelstand.

Landrat Klaus Peter Söllner und Bürgermeister Harald Hübner bezeichneten den IHK-Wirtschaftstag als Brückenbauer in den Osten.