Wer wird neuer Bürgermeister in Rugendorf? Pro Rugendorf und ÜWG haben je einen Kandidaten ins Rennen geschickt, die Nachfolger von Ralf Holzmann (Pro Rugendorf) werden möchten. Beim BR-Redaktionsgespräch hatten sie die Gelegenheit, ihre Ziele und Ideen vorzustellen - doch Interesse daran hatte offenbar nur einer: Gerhard Theuer von Pro Rugendorf. ÜWG-Gegenkandidat Matthias Keller hat die Einladung ignoriert und trotz mehrfacher Nachfragen weder zu- noch abgesagt. Zum Bedauern der Redaktion und auch seines Mitbewerbers.

Bühne frei also für Gerhard Theuer, der seit zwölf Jahren im Gemeinderat sitzt und als Chef im Rathaus dafür sorgen möchte, dass sein Heimatort eine gute Zukunft hat. Im Gespräch mit BR-Redaktionsleiter Alexander Müller erörterte er die Themen, die für Rugendorf in den nächsten Jahren wichtig sein werden.

Wenn es darum geht, die Vorzüge des Dorfes zu beschreiben, muss Gerhard Theuer nicht überlegen: "Wir haben eine wunderbare Wohnqualität, ein starkes Vereinsleben, eine für unsere Größe gute Infrastruktur mit Kindergarten, Schule, Bankfiliale, Arzt, Naturbadeweiher..."

Alles perfekt also in Rugendorf? Nein. Trotz aller Pluspunkte gebe es noch viel zu tun, um das Vorhandene halten und Neues schaffen zu können, sagt Theuer. Dazu gibt es ungelöste Aufgaben, die dringend angepackt werden müssen. An erster Stelle steht da die Wasserversorgung. Die Keimbelastung, die vor einigen Jahren Probleme verursacht hat, ist heute dank Ultrafiltration und UV-Bestrahlung kein Thema mehr. Die vier Quellen seien qualitativ gut und ausreichend, doch die weitere wasserrechtliche Genehmigung erfordere die Ausweisung eines Wasserschutzgebiets. "Da sind leider viele Verhandlungen mit den betroffenen Grundstückseigentümern noch gar nicht oder nicht zu Ende geführt. Eine Quelle muss saniert werden, eine Querverbindung zum Hochbehälter wird gebraucht. Wir haben für all das zwar noch einmal eine Fristverlängerung bekommen, aber die Zeit drängt."

Wichtig ist dem Bürgermeister-Kandidaten das Thema Nahversorgung. Dass dem Dorfladen kein Erfolg beschieden war, bedauert er sehr, aber: "Wenn das Angebot nicht angenommen wird, kann man nicht viel machen." Froh ist Theuer, dass die frei gewordenen Räume durch die neue Tagespflege sinnvoll neu genutzt werden. Auch das sei ein wertvoller Bestandteil der Nahversorgung. "Schön wäre, wenn wir auch noch ein Seniorenwohnheim bekämen."

Auf der Wunschliste steht unter anderem eine Nachfolge für die schon lange leerstehende Gaststätte im Hauptort. Nur in Zettlitz gibt es noch ein Wirtshaus. Es sei jedoch immer schwieriger, Gastwirte zu finden: "Gastronomie ist harte Arbeit mit unattraktiven Arbeitszeiten, und reich wird man auch nicht."

Dank der guten Zusammenarbeit mit Stadtsteinach sei es bislang gelungen, die Beschulung der Grundschulkinder in Rugendorf zu erhalten. "Das ist ganz wichtig für uns, und aktuell haben wir die nötigen Schülerzahlen."

Und was steht noch auf der Aufgabenliste? Das Haus der Jugend attraktiv halten und die Außenanlagen angehen: "Für ein aktives Vereins- und Gemeinschaftsleben lohnt es sich, Geld in die Hand zu nehmen!"

Gute Chancen sieht Theuer für weitere Gewerbe-Ansiedlungen: Die Internet-Geschwindigkeiten seien mit Glasfaseranbindung im Gewerbegebiet gut, weitere Flächen stünden bei Bedarf zur Verfügung, und Rugendorf werde auch von der Stadtsteinacher Umgehung profitieren.

Kommentar: Der unsichtbare Kandidat

Dass ein Bürgermeisterkandidat sich komplett unsichtbar und unerreichbar macht und die Chance ungenutzt lässt, bei einem Gespräch mit der Tageszeitung für sich und seine Ziele zu werben - das ist eine Situation, die wir in der Redaktion so bislang noch nie erlebt haben. Aber es gibt wohl für alles ein erstes Mal.

Natürlich können - und wollen - wir Matthias Keller nicht dazu zwingen, mit uns zu sprechen. Aber erstaunt hat es uns doch, dass nicht mal eine Absage im Vorfeld kam.

Fakt ist: Seit Ende Dezember haben wir versucht, mit dem Rugendorfer ÜWG-Kandidaten den Termin für unser Redaktionsgespräch zur Kommunalwahl abzustimmen. Doch weder Briefpost noch Anrufbeantworter oder Nachfragen bei der ÜWG hatten Erfolg. Funkstille.

Von Matthias Keller kennen wir deshalb nur seinen Namen und nehmen an, dass die ÜWG ihn für geeignet hält, Bürgermeister zu sein. Gehört und gelesen hat man seit der Nominierung von ihm nur die peinliche Geschichte seiner von einem nordrhein-westfälischen Bürgermeister aus dem Internet gekupferten Antrittsrede, mit der er sogar die Aufmerksamkeit überregionaler Medien erlangt hat. Ob das der Grund für das Abtauchen aus der Öffentlichkeit ist? Da können wir nur spekulieren...

Vielleicht will Matthias Keller das Amt ja auch gar nicht. Das wäre zumindest eine Erklärung. Wie dem auch sei: Nicht die BR-Redaktion müssen die Kandidaten von ihrer Kompetenz und ihrem Engagement überzeugen, sondern die Rugendorfer Wähler, die am 15. März entscheiden dürfen, wer ihr Bürgermeister sein soll.