Die Himmelkroner Bürgerinitiative gegen ein neues Gewerbegebiet ist Geschichte. Seit wenigen Tagen gibt es die "Bürgerliste Zukunft Himmelkron", einen Verein, der ein ehrgeiziges Ziel hat: Den Einzug in den Gemeinderat. "Wir wollen uns auch künftig für unsere Gemeinde einsetzen und notwendige Veränderungen herbeiführen", sagt Wilhelmine Denk, einstige Sprecherin der Bürgerinitiative und nun Vorsitzende der Bürgerliste.

Viele Themen

Geändert haben sich nicht nur der Name und der Status der Gruppierung, die sich vor einem Jahr zusammengefunden hat mit dem Ziel, die Pläne der Gemeinde für die Ausweisung eines neuen Gewerbegebietes zu stoppen (siehe dazu auch Infobox auf dieser Seite). Geändert hat sich auch die Themenpalette, die nun weit breiter ist als bisher.

Das Gewerbegebiet an der Bundesstraße 303 zu verhindern bleibt natürlich ein wichtiges Anliegen. "Wir sollten erst einmal die Baulücken schließen, die es im Ort gibt", so Wilhelmine Denk. Weitere Themen auf der Agenda der neuen Gruppierung: die Verbesserung des Nahverkehrs, die Errichtung einer Tagespflege oder eines Mehrgenerationen-Hauses im Ort, ein Fußweg von der Autobahnkirche ins Gewerbegebiet, Maßnahmen gegen die Verödung des alten Ortskernes, die Verbesserung des Angebotes für junge Leute, mehr kulturelle Angebote.

Oberstes Ziel ist dabei immer der Schutz der Natur. Da gibt es nach Überzeugung der Vorsitzenden in der Gemeinde viel Nachholbedarf. So habe der Umweltausschuss des Gemeinderates seit der letzten Wahl nicht ein einziges Mal getagt.

Im Ort werde zu viel "plattgemacht". Am Lärmschutzwall zum bestehenden Gewerbegebiet zum Beispiel, aber auch im Umfeld des Friedhofs.

Für Bürger-Solaranlage

Luft nach oben ist nach Ansicht von Brunhilde Kohl, die das Amt der Schriftführerin übernommen hat, auch in Sachen Energieversorgung. Sie kann sich Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden vorstellen - zum Beispiel auf dem neuen Kindergarten. Und sie fände es sinnvoll, in Himmelkron eine Bürger-Solaranlage zu errichten.

"An Themen fehlt es nicht", sagen die beiden Frauen. "Es mangelt in Himmelkron einfach an Lebensqualität". Bei allen Maßnahmen müsse man mehr als bisher auch an nachfolgende Generationen denken: "Himmelkron muss enkeltauglich werden!"

Bei der neuen Bürgerliste ist man zuversichtlich, bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 mindestens einen Sitz im Gemeinderat zu erringen. "Wir haben ein gutes Potenzial", sagt die Vorsitzende über die 35 Gründungsmitglieder, von denen etliche schon ihre Bereitschaft signalisiert haben, auf der Liste für die Kommunalwahl zu kandidieren.

Optimistisch

Die 64-Jährige selbst, die als technische Zeichnerin gearbeitet hat und seit kurzem im Ruhestand ist, bringt selbst etliches an kommunalpolitischer Erfahrung mit: Als Vorsitzende der Ortsgruppe im Bund Naturschutz macht sie sich seit Jahren stark für naturverträgliches Handeln der Gemeinde. Ihr Ansporn für den neuen Weg: "Dass wir bei der Abstimmung über das Bürgerbegehren und das Ratsbegehren die Hälfte der Wähler auf unserer Seite hatten."

Das machen die anderen

Tritt der amtierende Himmelkroner Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU) bei der Kommunalwahl wieder als Kandidat für das höchste Amt in seiner Gemeinde an? "Ich gehe davon aus", sagt er selbst.

Noch hat seine Partei nicht nominiert. Aber: "Ich bin gefragt worden, ob ich zur Verfügung stehe, und gehe deshalb davon aus, dass man sich für mich als Kandidaten entscheiden wird."

Bezüglich der Themen für den Wahlkampf sei man Schneider zufolge "noch im internen Klärungsprozess". Ganz sicher werde es aber auch um den Ausbau der Infrastruktur in der Gemeinde und um strukturelle Verbesserungen zugunsten von Familien gehen.

Ähnlich äußert sich Harald Peetz, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Gemeinderat und zweiter Bürgermeister der Gemeinde. Kinderhort und Schule werden, so sagt er, ebenso Themen sein wie die Feuerwehr, der Straßenunterhalt oder die Frage, ob auf der alten Bahntrasse ein Gehweg entstehen soll. Und natürlich wird es im Wahlkampf auch um das neue Gewerbegebiet gehen.

Beunruhigt es gerade im Hinblick auf dieses Thema die CSU, dass nun auch die neue "Bürgerliste Zukunft Himmelkron" in den Wahlkampf einsteigen wird? "Nein", so meint Peetz, der erst vorgestern von der Gründung des Vereins erfahren hat. "Das sind Mitbewerber wie alle anderen auch."

Peetz wird sich ebenfalls wieder um einen Sitz im 16-köpfigen Gemeinderat bewerben. Die Nominierungsversammlung für die Liste CSU/Freie Wähler soll Ende November stattfinden.

Ende November wollen auch die Freien Wähler Lanzendorf-Himmelkron-Gössenreuth ihre Kandidaten für die Kommunalwahl benennen. Ob es dann auch einen eigenen Bürgermeisterkandidaten geben wird, ist nach Worten von Fraktionsvorsitzendem Manuel Gumtow noch offen.

Einige der Schwerpunkt-Themen hingegen liegen ihm zufolge schon fest. "Wir wollen unser Freibad so lange es geht erhalten. Es wird um Radwege gehen und um eine Senioreneinrichtung, zum Beispiel eine Tagespflege, die in Himmelkron noch fehlt." Und natürlich wird, das steht für Manuel Gumtow bereits fest, das Gewerbegebiet in der Diskussion bleiben.

Bei der SDP-Fraktion ist in Sachen Kommunalwahl noch alles offen. Auch die Sozialdemokraten wollen Ende November oder Anfang Dezember ihre Kandidaten nominieren. Details dazu sollen bei einer Sitzung Ende Oktober erörtert werden.

Eines immerhin steht für SPD-Fraktionsvorsitzenden Rudi Gumtow jetzt schon fest: "Im Gemeinderat wird sich was verändern. Ich gehe davon aus, dass die Bürgerliste mit einem Kandidaten oder einer Kandidatin in den Gemeinderat einzieht."

Bürgerliste Zukunft Himmelkron: So fing alles an

März 2018 Wilhelmine Denk, Vorsitzende der Ortsgruppe Himmelkron im Bund Naturschutz, stellt bei der Bürgerversammlung die Notwendigkeit eines neuen Gewerbegebietes infrage.

Juni 2018 Die Diskussion um das Gewerbegebiet nimmt Fahrt auf. Der Bund Naturschutz signalisiert ein klares "Nein zum neuen Gewerbegebiet Himmelkron".

Oktober 2018 Die Bürgerinitiative gründet sich. Sprecherin ist Wilhelmine Denk.

Anfang 2019 Die Bürgerinitiative bringt ein Bürgerbegehren "Für den Erhalt der Himmelkroner Kulturlandschaft" auf den Weg. Die Gemeinde kontert mit einem Ratsbegehren "Zukunft erfolgreich gestalten".

Mai 2019 Die Abstimmung über das Volksbegehren und das Ratsbegehren ageht denkbar knapp aus. Mit nur 39 Stimmen liegt das Ratsbegehren bei der Stichfrage letztlich vorne.

Juli 2019 Aus den Reihen der Bürgerinitiative ist zu hören, dass eine eigene Liste zur Gemeinderatswahl im März 2020 zumindest denkbar erscheint.

14. Oktober 2019 Aus der Bürgerinitiative wird der Verein "Bürgerliste Zukunft Himmelkron", dem 35 Mitglieder angehören. Vorsitzende ist Wilhelmine Denk, Stellvertreter sind Klaus Emmerich und Stefan Degenkolb, Schriftführerin Brunhilde Kohl. Ziel ist eine eigene Liste für die Kommunalwahl. Nominiert werden soll in der ersten Novemberhälfte. Aktuelle Informationen zum Verein gibt es auf dessen Facebook-Seite.gey