Irgendwann um viertel neun ist die Uhr für den Güterbahnhof stehengeblieben. Einstmals ein pulsierender Warenumschlagplatz, gammelt das 36 000 Quadratmeter große Gelände seit Jahren vor sich hin. Die Gleise sind abgebaut, dort wuchern Unkraut und Gestrüpp. Zuletzt ist die gemeinnützige Beschäftigungsinitiative Integra ausgezogen, die im Auftrag des Landkreises Elektronikschrott sammelt und Gebrauchtwaren abholt.

Aber nun hat das Gelände, das die Aurelis Real Estate GmbH & Co. KG mit Sitz in Eschborn vor zwölf Jahren von der Bahn gekauft hat, eine neue Zukunft. Am Dienstag bestätigt Aurelis-Sprecher Daniel Schreyer auf Anfrage von infranken.de den Verkauf an die Kulmbacher Brauerei: "Am Montag war der letzte Notar termin. Die Kulmbacher Brauerei ist der ideale Käufer."


Erweiterungsmöglichkeit

In der Tat liegt das Gelände genau zwischen den beiden Brauerei-Standorten in der Lichtenfelser Straße mit Braustätte und Verwaltung (früher Reichelbräu) sowie der Logistik in der Gummistraße (früher EKU). Getrennt durch die Bahngleise auf der einen und den Mühlkanal auf der anderen Seite, füllt der Güterbahnhof die Lücke und bietet der Brauerei Erweiterungsmöglichkeiten.

In einer Pressemitteilung erklärt Markus Stodden, Sprecher des Brauereivorstands: "Wir freuen uns, mit dem Kauf des ehemaligen Güterbahnhofsgeländes die Grundstückslücke zwischen unseren beiden Braustätten schließen zu können. Das Gelände ist für uns strategisch wichtig, da wir damit die Produktionsbereiche in der Lichtenfelser Straße und der Gummistraße optimal verbinden können."


Das Bierfest-Gerücht

Beide Seiten haben lange verhandelt, so dass in Kulmbach vielerlei Gerüchte herumgegangen sind. Unter anderem ist davon die Rede gewesen, das Bierfest würde umziehen und zum Güterbahnhof verlagert werden. Was sich aber als Ente erweist, denn die Stadt Kulmbach macht bei der Sanierung des Zentralparkplatzes die klare Vorgabe, dass das Bierzelt dort bleibt und die Arbeiten nach der Bierwoche beginnen und vor der Bierwoche beendet sein müssen.

"Ich werte den Kauf des Güterbahnhofsgeländes auch als Bekenntnis zum Standort Kulmbach, worüber ich mich sehr freue", erklärt Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU). "Es ist aus meiner Sicht eine sehr kluge Entscheidung der Brauerei, weil sie sich so Entwicklungsmöglichkeiten sichert."

Er freue sich, dass das Gelände in gute Hände gekommen ist, sagt Schramm, der sich gestern auf dem Weg zu einem zweitägigen offiziellen Besuch in der Partnerstadt Rust befindet. "Es wird Gespräche geben, was man daraus machen kann. Wir wollen ein konstruktiver Partner an der Seite der Brauerei sein, vielleicht lässt sich auch etwas gemeinsam machen."


Die Frage des Preises

Über den Kaufpreis hüllen sich die Aurelis Real Estate, die US-Investoren gehört und über ein Grundstücksportfolio von 14 Millionen Quadratmetern überwiegend aus dem ehemaligen Besitz der Deutschen Bahn verfügt, und die Kulmbacher Brauerei in Schweigen. In Expertenkreisen geht man davon aus, dass wohl nicht der Höchstpreis von 150 Euro für den Quadratmeter nach der Bodenrichtwertkarte bezahlt worden ist. Es wird spekuliert, dass ein anständiger Preis gezahlt worden ist - also möglicherweise um die 3,6 Millionen Euro.

Die Aurelis Real Estate hat Schreyer zufolge auch mit anderen Interessenten verhandelt. Unter anderem sei großflächiger Einzelhandel angedacht gewesen, "allerdings hat da die Stadt nicht mitgemacht".


Lager- und Logistikzentrum?

Einzelheiten zu ihren weiteren Plänen verrät die Brauerei nicht. Aber auch hier gibt es jede Menge Spekulationen. Nachdem man bereits einen Tunnel von der Lichtenfelser Straße - unter den Bahngleisen hindurch - zur Gummistraße gebaut hat, wo das Bier von der Braustätte zur Filtration und zum Versand gepumpt wird, ist von einem zweiten Tunnel die Rede: von einer unterirdischen Straße, befahrbar für Lkw, als Verbindung von der Gummistraße zum Güterbahnhof. Auch eine Brücke über die Schienen käme in Frage. Auf dem Güterbahnhof soll offenbar ein Logistik- und Lagerzentrum gebaut werden. Möglicherweise will man auch den Gleisanschluss reaktivieren. Eine Bestätigung dafür gibt es aber nicht.