Um es mit Shakespeare zu sagen: Singen oder nicht singen, das ist hier die Frage. Ein Problem, das die Spanier nicht kennen. Deren Fußballer können, selbst wenn sie wollten, bei der WM nicht mitsingen: Ihre Hymne, der Königliche Marsch, hat keinen Text.

Das ist in Deutschland ganz anders. Hier wird schon mal diskutiert, ob es eine Hymnenpflicht geben sollte, ob Jogis "Löwen" beim Deutschland-Lied mitsingen müssen. Der Bundestrainer hält davon gar nichts: Es sei schließlich nicht bewiesen, so Jogi Löw, dass ein guter Sänger auch ein besserer Spieler ist. Wo er recht hat ...

Wenn so ein WM-Spiel beginnt, fällt die hymnische Begeisterung bei den deutschen Elite-Kickern unterschiedlich aus. Die Bandbreite bei Lahm, Özil und Co. reicht von murmelnder Begeisterung, einer Art Sprechgesang, bis zum Tunnelblick, also der schweigenden Konzentration auf das kommende Match.

Schöner ist es da schon, wenn man die Südeuropäer sieht oder die Lateinamerikaner, wie sie aus voller Brust ihren Nationalgesang schmettern. Hymnenweltmeister sind die Brasilianer - die Fußballer und die Fans. Die singen sogar weiter, wenn keine Musik mehr spielt. Und es schadet auch nicht, wie der 4:1-Sieg der Seleção gegen Kamerun beweist. Doch am Schluss ist es gar nichts wert, wenn man die Nummer eins nach Noten ist, aber eine andere Mannschaft Weltmeister wird.