Die einzige wirksame Waffe gegen Unrecht ist, öffentlich darüber zu reden. Mit dieser Überzeugung engagiert sich Peter Hennings für Amnesty International. Der Sprecher der Kulmbacher Gruppe verfolgt deshalb aufmerksam die politischen Entwicklungen in der Ukraine, die gemeinsam mit Polen Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft ist. "Die Machthaber haben die bürgerlichen Freiheiten drastisch eingeschränkt, Menschenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung", kritisiert der Kulmbacher. Amnesty schätzt, dass in dem Land jedes Jahr hunderttausende Menschen Opfer von Amtsmissbrauch durch die Polizei werden.
Sollte man unter diesen Umständen eine internationale sportliche Großveranstaltung in einem solchen Land boykottieren? "Nein, denn ein Boykott ändert nichts an den Verhältnissen und bestraft die Falschen", meint der 80-Jährige, der seit 1995 der Kulmbacher Amnesty-Gruppe angehört und seit drei Jahren ihr Sprecher ist. "Zwei Seelen wohnen da in meiner Brust", sagt er: "Einerseits finde ich den Gedanken fürchterlich, dem König Fußball zu huldigen, während gleichzeitig willkürliche Verhaftungen und Folter in den Gefängnissen praktiziert werden. Andererseits zeigen die Erfahrungen unserer Organisation, dass sich durch Gespräche und öffentliche Appelle mehr erreichen lässt als durch Boykotte."

Bewusstsein für Unrecht schaffen


Dass die internationale Aufmerksamkeit in den kommenden Wochen auf die Ukraine gerichtet ist, sieht Hennings deshalb als Chance, auf Missstände hinzuweisen und den Druck auf die Regierung zu erhöhen. "Wir können nicht das Paradies auf Erden erschaffen, aber wir können über Unrecht reden und zumindest ein Bewusstsein dafür schaffen", sagt Peter Hennings. Er bedauert, dass er bei Informationskampagnen der Kulmbacher Gruppe oft mit Anfeindungen konfrontiert wird. "Wenn wir mit einem Aktionsstand in der Innenstadt stehen, bekommen wir häufig Vorwürfe zu hören: Warum mischt ihr euch da ein? Das geht euch doch nichts an."

"Das Thema geht jeden an"


Hennings, ehemaliger Pfarrer, der vor seiner Pensionierung evangelischer Dekan in Kronach war, sieht das ganz anders: "Es geht uns selbstverständlich etwas an! Die Menschenrechte sind so alt wie die Menschheit, und es ist unser aller Aufgabe, sie zu schützen und Gewalt, Terror und Folter zu verhindern. Es ist nicht zuletzt auch eine christliche Pflicht, auf diese Werte zu achten und die Schwachen zu beschützen."

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