Der Ruf nach kleinteiliger Landwirtschaft wird stetig lauter. Die Familie Kaßel hat das Konzept längst umgesetzt. Bei den Windischenhaiger Landwirten arbeiten alle Generationen mit. Der landwirtschaftliche Betrieb hat eine Fläche von 15 Hektar. Hauptsächlich baut die Familie Getreide und Kartoffeln an, seit Anfang letzten Jahres nennen die Kaßels ein Hühnermobil ihr eigen.

Dabei handelt es sich um einen kleinen mobilen Hühnerstall mit Platz für bis zu 225 Hühner. "Dieses Modell ist perfekt für den Einstieg. Denn man darf pro Tag bis zu 320 Eier ohne Erzeugernummer direkt ab Hof verkaufen", erklärt Daniel Kaßel. Ganz so viele Eier produzieren die 220 Lohmann-Brown-Hühner natürlich nicht. "Wir haben täglich so 180 oder 190 Eier", erklärt Daniel Kaßel. Die Eier werden über einen Automaten in Windischenhaig und ein Direktvermarkter-Häuschen angeboten. Einige werden zur Nudelproduktion verwendet.

Dass das Hühnerhaus mobil ist und ganz einfach versetzt werden kann, hat nur Vorteile: Denn so kann die Grünfläche ohne Nachsaat genutzt werden. "Man hat keine Probleme mit Parasiten oder mit Koteintrag", erklärt Reinhold Kaßel.

In dem mobilen Hühnerhaus gibt es Versorgungs- und Ruhebereiche, Legenester und ein Mistband. Die Hühner werden automatisch mit einer intelligenten Astro-Steuerung versorgt. Und die wird durch ein Solarmodul gespeist.

Bei einem landwirtschaftlichen Frühstück stellte die Familie Vertretern aus der Landwirtschaft und Politik ihren Hof vor.

Kreisbäuerin Beate Opel hatte zum Dialog eingeladen. Die Kaßels hatten für frische Küchla, frischgekochte Eierspezialitäten, Kuchen und ein üppiges Frühstück gesorgt - und alle langten kräftig zu. Doch im Mittelpunkt stand nicht die vorbildliche Landwirtschaft oder der Hof der Kaßels, sondern die Zukunft der landwirtschaftlichen Betriebe allgemein.

"Angst um die Landwirte"

"Ich habe Angst um unsere Landwirte", brachte Kreisbäuerin Beate Opel ihre Sorgen auf den Punkt. Angst, dass durch das Volksbegehren "Rettet die Bienen" die Bürokratie immer stärker werden könnte. "Auch konventionelle Landwirtschaft braucht Luft zum Leben", appellierte Opel an die Politik. "Wir brauchen jetzt langsam eine Initiative ,Rettet die Bauern".

Noch schwärzer sah der Kreisobmann der Bauern - Winfried Löwinger - die Sachlage. "Die, die das Volksbegehren unterschrieben haben, sind zu zehn Prozent Spinner und Ideologen, weitere zehn Prozent wussten nicht, was sie unterschreiben." Löwinger betrieb offene Schelte für CSU und Freie Wähler, machte klar, dass er enttäuscht sei vom bayerischen Ministerpräsidenten, dass dieser das Volksbegehren angenommen habe.

Flächenfraß begrenzen

Er vermisse in dem Gesetz, ein Verbot für Privatleute, Pflanzenschutzmittel einsetzen zu dürfen. Er vermisse die Forderung, dass in den Gärten Blühflächen verwirklicht werden sollen und die Forderung, den Flächenfraß, beispielsweise durch Straßenbau, zu begrenzen. "Ich mache mir Sorgen, wie mit den Landwirten umgegangen wird. Den Menschen ging es noch nie so gut wie heute. Wir haben blühende Landschaften, genug zu essen. Trotzdem ist keiner zufrieden. Und wenn es den Menschen zu gut geht, dann gehen sie aufs Glatteis", machte Löwinger klar.

CSU-Landtagsabgeordneter Martin Schöffel, der sich klar gegen das Volksbegehren gewandt hat, aber Mitglied im Agrarausschuss ist, indes bat um Verständnis.

"Es geht jetzt um Aufklärung. Wir müssen miteinander reden und die Situation als Chance sehen. Natürlich ist die Landwirtschaft nicht allein verantwortlich für Arten- und Insektenschutz", betonte Schöffel. Er sei der festen Überzeugung, dass die oberfränkischen Bauern von den Neureglungen nicht betroffen sind.

Auch Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) wandte sich gegen die alleinige Verurteilung der Bauern. Allerdings sei der Klimawandel nicht mehr von der Hand zu weisen. "Aber ich bin der Überzeugung, dass die Ernährung noch ein Problem wird. Wir müssen die Äcker erhalten", so Schramm.

Der stellvertretende Landrat Jörg Kunstmann (CSU) betonte, dass die Polarisierung zwischen konventioneller Landwirtschaft und Bio das Problem sei. "Die Differenzierung hat sich verfestigt und ist zu einer moralischen Instanz geworden. Das führt zu einer Spaltung der Gesellschaft. Man darf nicht schwarz-weiß denken", warnte Kunstmann und brach eine Lanze für Arten- und Klimaschutzmaßnahmen. Doch nicht nur Bauern dürften in die Pflicht genommen werden, sondern jedermann.