Ein Auto ist für mich ein Gebrauchsgegenstand, ein Fortbewegungs- und Transportmittel. Entsprechend wenig Emotionen konnte ich bislang für meine Karre aufbringen. Dank Volkswagen hat sich das jetzt geändert. Denn ich bin Besitzerin eines Schummel-Diesels und als solche seit geraumer Zeit einem ständigen Wechselbad der Gefühle ausgesetzt. Mit dem gesunden Menschen-Verstand, der sagen würde, die Autobauer - auch viele andere - haben betrogen, also müssen sie ihre Kunden entsprechend entschädigen, kommt man im Diesel-Skandal nicht weit.

Bestes Beispiel dafür ist das neueste Angebot von VW. Abwrackprämien gibt es für Diesel der Euronorm 1 bis 4; mein Golf hat Euronorm 5. Wechselprämien für Autos mit Euro 4 und 5 erhalten Diesel-Fahrer in den 14 stinkigsten, deutschen Städten; ich lebe (zum Glück) auf dem Land. Damit habe ich die A...-Karte, äh, ich meine das große Los gezogen. Ich besitze einen fünf Jahre alten Golf, der praktisch null Wiederverkaufswert hat.

Wer wird dafür jetzt zur Rechenschaft gezogen, frage ich mich. Aber auch: Warum ist mein effizienter 5-Liter-Diesel plötzlich ein Super-GAU für die Umwelt und Gesundheit meiner Mitmenschen, während ein 15 Liter schluckender Benzin-Bolide sein Getriebe weiterhin in Unschuld waschen und seine Abgase ungestört in die Umweltzonen blasen darf? Kommen da etwa keine Schadstoffe aus den verchromten Doppel-Endrohren? Das muss mir mal einer erklären. Ich kapier' es nämlich nicht!

Genauso wenig wie die öffentliche Ignoranz anderer Dreckschleudern. Was ist denn zum Beispiel mit den ganzen Kreuzfahrtschiffen oder Flugzeugen? Haben die ein Glück, dass es in der Ostsee und im Himmel nicht so viele Messstationen wie am Mittleren Ring in München gibt. Oder den Kohle-Kraftwerken? Interessant vor allem, wenn der Strom daraus dann die "sauberen" E-Autos versorgt.

Da stinkt einiges gewaltig zum Himmel - und zwar nicht nur aus meinem Diesel-Auspuff!