Gemeinsam haben die Beschäftigten vor dem Werkstor des Pkw-Betriebs in der Albert-Ruckdeschel-Straße mit einem Warnstreik auf Ihre Forderungen in der laufenden Firmentarifauseinandersetzung aufmerksam gemacht.

Rund 20 Beschäftigte waren dem Aufruf ihrer Gewerkschaft IG Metall gefolgt und verliehen ihren Forderungen lautstark Nachdruck. Die IG Metall fordert für die Beschäftigten bei Auto Scholz in Kulmbach, Bayreuth und Bamberg mehr Sicherheit und Perspektiven durch einen Tarifvertrag. Außerdem fordern die Kolleginnen und Kollegen regelmäßige Entgelterhöhung und tarifliche Sonderzahlungen.

Für die Belegschaft von Auto Scholz in Kulmbach war dies der erste Warnstreik überhaupt. Dies zeigt nach Angaben der Gewerkschaft, wie ernst es den Beschäftigten ist.

Der Arbeitgeber hatte in der ersten Verhandlung für 2019 nach Angaben der Gewerkschaft nichts geboten. 2020 sollten die Löhne und Gehälter um 2,8 Prozent steigen. Für 2021 schlug er der Tarifkommission Sachleistungen in Form von Tankgutscheinen vor. Die Laufzeit soll drei Jahre betragen.

Beim zweiten Verhandlungstermin habe der Arbeitgeber der Tarifkommission nichts angeboten. Dies sei ein Schlag ins Gesicht gewesen. "Die Arbeitgeber haben seltsame Vorstellung, wie man bei guter Arbeitsmarktlage Beschäftigte im Unternehmen hält", rief der erste Bevollmächtigte der IG Metall Ostoberfranken, Volker Seidel, den Warnstreikenden zu.

Ein in die Zukunft ausgerichtetes Angebot sei dies nicht, das machte auch Betriebsratsvorsitzender Klaus Schuster deutlich: "Die Jugend wird immer selbstständiger und will mit eigenen Beinen im Leben stehen. Da führt kein Weg an einer höheren Ausbildungsvergütung vorbei". Stolz machte ihn auch die tolle Beteiligung der Mitarbeiter, die dem Warnstreik folgten.

Auch vor Auto Scholz mache der Fachkräftemangel keinen Halt und sei in allen Ecken spürbar. Die Lösung ist aus Sicht von Volker Seidel ganz klar ein gerechter Tarifvertrag, der den Beschäftigten gute und faire Arbeits- und Lebensbedingungen sichert. "Die Kolleginnen und Kollegen wollen ein Stück von diesem Kuchen abhaben. Die Beschäftigten von Auto Scholz werden sicherlich nicht betteln, denn sie wissen, was sie täglich leisten müssen, und was am Ende des Monats dabei rauskommt! Deshalb sind sie auch fest entschlossen, für ihre Tarifforderungen zu kämpfen."

Grußadressen überbrachten der Betriebsratsvorsitzende Michael Rieker von Novem in Grafendobrach und Thomas Plätz von den IG Metall-Vertrauensleuten bei GDTS in Kulmbach.

Eckehard Joey Schneider von der Katholischen Betriebsseelsorge aus Kronach brachte es in seinem Grußwort auf den Punkt: "Ihr tretet für Euren gerechten Lohn ein, daher sind wir auf Eurer Seite."

Die Beschäftigten der Standorte Kulmbach, Bayreuth und Bamberg fordern, dass sich ihr Arbeitgeber wieder mit der IG Metall an den Verhandlungstisch setzt, um einen Tarifvertrag abzuschließen.

"So blutet unser Unternehmen aus", meint hingegen Michael Eidenmüller, Geschäftsführer und Inhaber des Autohauses mit 230 Mitarbeitern in Bamberg und oberfrankenweit etwa 1300 Beschäftigten.

Was ist in den drei gescheiterten Verhandlungsrunden seit Herbst 2018 passiert? Das erzählen Geschäftsführer auf der einen und Betriebsrat und Gewerkschaftler auf der anderen Seite gegensätzlich. Er habe im Oktober angeboten, den Haustarifvertrag um zwei bis drei Jahre zu verlängern. Doch die Gewerkschaft habe verlangt, "dass die kleinen Gewinne der letzten zwei Jahre umverteilt werden", erzählt der Geschäftsführer. Die Forderungen - Eidenmüller spricht von zusammengerechnet zehn Prozent, die Gewerkschaft von 2,9 Prozent in Anlehnung an den bayernweit verhandelten Flächentarif - seien "nicht zu erwirtschaften", sagt Eidenmüller.

"Nicht zu erwirtschaften"

Der Geschäftsführer räumt ein, dass er nun keinen Haustarifvertrag mehr wolle. Das liege aber an der IG Metall: "Wir mussten bereits die Standorte Hollfeld und Bad Berneck verkaufen", sagt Eidenmüller. So hätten etwa 75 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren.

"Wir können doch nicht weiter Betriebe schließen nur wegen den Forderungen der IG Metall." Die Gewerkschaft arbeite mit Verleumdungen, um Mitglieder zu rekrutieren. "Die hetzen unsere Mitarbeiter auf. So blutet unser Unternehmen aus." Würde er auf die Forderungen eingehen, "wäre das eine zusätzliche Belastung von zwei Millionen Euro. Das ist nicht zu erwirtschaften."

Eidenmüller ist auch Geschäftsführer von Porsche- und VW-Händlern in Oberfranken. Dort gebe es keine Tarifverträge, wie in etwa 90 Prozent der bayerischen Autohäuser. "Und es funktioniert gut." Eidenmüller setze deswegen auf individuell ausgehandelte Verträge mit einzelnen Mitarbeitern und sei dabei bereit, eine dreiprozentige Lohnerhöhung über zwei Jahre anzubieten. Über die Hälfte der Belegschaft habe bereits an Gesprächen teilgenommen.