Die Bergwacht kennt jetzt jedes Kind: Seit der dramatischen Rettung des verletzten Höhlenforschers aus der Riesending-Höhle bei Berchtesgaden, weiß man überall in Deutschland, was die ehrenamtlichen Bergretter leisten können.

Doch die Bergwacht ist nicht nur bei solch spektakulären Aktionen im Hochgebirge im Einsatz, sondern auch bei uns im Mittelgebirge. Auch hier geht es manchmal um Leben oder Tod - wenn ein Sportler am Kletterfelsen im Kleinziegenfelder Tal abstürzt, wenn ein Arbeiter aus einem acht Meter tiefen Silo bei Stadtsteinach geborgen werden muss oder wenn ein Gleitschirmflieger in einem Baumwipfel auf der Radspitze hängt. "Am häufigsten rücken wir aber aus, um verletzten Waldarbeitern oder Wanderern zu helfen", sagt der Bereitschaftsleiter der Kulmbacher Bergwacht, Thomas Gremer.

Die Bergwacht wird immer dann gerufen, wenn sich ein Notfall in umwegsamem Gelände ereignet. "Wenn der normale Rettungswagen nicht hinkommt", so Gremer. Seine Leute sind auch für Extremsituationen geschult, die Helfer der Bergwacht klettern auf hohe Bäume oder seilen sich an steilen Felsen ab. "Wir machen aber nichts, wo man abstürzen kann. Die Leute sind immer doppelt gesichert, wir arbeiten mit 200-prozentiger Sicherheit", betont der Bereitschaftsleiter.

Für Rieseneinsatzgebiet zuständig

Er weiß, dass bei den Einsätzen in dem Riesengebiet vom Staffelberg über die Fränkische Schweiz bis zum Frankenwald, für das die Kulmbacher zuständig sind, jede Minute zählt. Deshalb hat man für die neue Rettungswache der Bergwacht eine verkehrsgünstige Lage ausgewählt: Im Kasendorfer Ortsteil Zultenberg - mitten im Einsatzgebiet und nur fünf Fahrminuten von der Autobahn entfernt.

Aufgrund der Strukturreform der Bergwacht in Bayern hat der bisherige Dienstposten im Bärental bei Krassach (Stadt Weismain) ausgedient. "Die Bergwacht-Hütten in der Natur, wo's schön ist, soll es nicht mehr geben", so Gremer.

Mit dem Neubau - Dienstgebäude und Garagen - muss die kleine Bereitschaft ein Riesending schultern. Denn die Kosten belaufen sich auf zirka 340.000 Euro. Die Finanzierung ist durch Eigenmittel und Eigenleistung nicht gesichert. Man ist auf Spenden angewiesen. "Wir müssen bei Kommunen, Wirtschaft und anderen Organisationen betteln gehen", so der Bereitschaftsleiter.

Gleichwohl hofft er, noch heuer mit der Erschließung beginnen zu können. "Wir müssen über 300 Meter Wasser, Kanal, Strom und Telefon verlegen", sagt er und geht davon aus, dass das Gebäude erst nächstes Jahr drankommt.

Professionelle Spezialtruppe

Jürgen Dippold, Kreisgeschäftsführer des BRK, zu dem die Bergwacht gehört, steht hinter dem Projekt. "Wir begrüßen den Standort am Görauer Anger, weil man von dort überall schnell hinkommen", erklärt er und bescheinigt den Bergrettern: "Es ist eine Spezialtruppe, die professionell unseren Rettungsdienst in schwierigem Gelände unterstützt und sehr wirksam arbeitet."

Der neue Dienstposten am Wanderparkplatz in Zultenberg soll die Arbeit der Bergwacht noch effizienter machen. Die Rettungswache wird im Sommer jedes Wochenende besetzt sein, und das 1300 Quadratmeter große Gelände direkt an der Kante des Görauer Angers hat noch einen Vorteil. Gremer: "Die Felsen gehören auch uns und sind ein ideales Trainings- und Ausbildungsgelände."



So wird man Bergretter

Voraussetzung Wer bei der Bergwacht mitmachen will, muss körperliche Fitness mitbringen und Ski fahren können. Bereitschaftsleiter Thomas Gremer: "Alles andere können wir den Leuten beibringen."

Ausbildung Die Bergretter werden in folgenden Bereichen geschult: Klettertraining, Notfallmedizin, Naturschutzkenntnisse, Luftrettung, Bergrettung im Sommer und im Winter.

Kontakt Interessenten wenden sich an den Bereitschaftsleiter, E-Mail kulmbach@bergwacht-bayern.de.

Bereitschaft Kulmbach 42 Mitglieder, davon 16 aktive Einsatzkräfte; je ein Rettungsfahrzeug ist in Kulmbach und in Weismain stationiert.

Einsatzgebiet vom Frankenwald bis zur Fränkischen Schweiz in den Landkreisen Kulmbach und Lichtenfels sowie Teilbereichen von Coburg, Kronach und Bayreuth.

Einsätze 16 im Jahr 2013.