Auf der Landkarte der Hochschuleinrichtungen ist die Stadt Kulmbach bislang ein weißer Fleck. Doch es könnte ein Klecks hinzukommen: In der Forschungsstelle für Nahrungsmittelqualität am Max-Rubner-Institut, eine bestehende Kooperation mit der Universität Bayreuth, wird womöglich bald ein Lehrstuhl für Bioanalytik eingerichtet.

Wie der Präsident der Universität Bayreuth, Stefan Leible, der BR gegenüber mitteilte, seien die Überlegungen dazu bereits weit gediehen. "Es ist aber noch nicht zu 100 Prozent in trockenen Tüchern." Allerdings sei die Hochschule sehr daran interessiert, das Institut auszubauen. "Einen solchen Lehrstuhl hat die Universität bislang nicht."

Was die personelle Ausstattung angeht, sollen ein Professor zusammen mit einem oder mehreren Mitarbeitern ins MRI ziehen. Es gebe in Bayreuth bereits Experten, die in der Sparte Bioanalytik forschten. Leible hält es für denkbar, dass später auch Studenten in Kulmbach Seminare belegen. "Eigene Vorlesungen halte ich aber nicht für realistisch." Als möglichen Startpunkt nannte der Präsident das Wintersemester 2014.

Schramm begrüßt Vorstoß

Oberbürgermeister Henry Schramm bezeichnet die aktuellen Plänen der Universität "erfreulich und ermutigend". Er wolle noch die endgültige Entscheidung des Hochschulrates abwarten. "Ich kann aber sagen: Professor Leible und wir stehen sein Monaten in engem Kontakt. Sein Bemühen um eine regionale Ausrichtung der Hochschule halte ich für sehr wichtig." Die Forschungsstelle im MRI sei dafür ein guter Anknüpfungspunkt, quasi ein Anker für weitere Entwicklungen "auf einem sicher sehr langen Weg".

Ein Forschungslehrstuhl für Kulmbach ist für Schramm ein weiterer wesentlicher Schritt - womöglich hin zu einer Professur für Lehre in Kulmbach. "Das wäre natürlich das Endziel, aber wir als Kommune sind für jede Entwicklung dahin dankbar." Die Bayreuther Universität sei gut aufgestellt und im Bereich Lebensmittel ein hervorragender Partner. Schramm betont, die Stadt sei aber nicht zwangsweise auf diesen Aspekt festgelegt. "Es ist prinzipiell jedes Wissensgebiet für eine Lehreinrichtung hier denkbar."

Mit einem Vorstoß in diese Richtung hatte sich das Stadtoberhaupt jüngst auch in einem Brief an Bayerns frisch gekürten Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle gewandt. " Dies geschah vor dem Hintergrund, dass bei zunehmenden Studierendenzahlen die Uni-Städte und Ballungsräume an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, vor allem was bezahlbaren Wohnraum für die jungen Menschen angeht. Hierbei könnte eine teilweise Auslagerung von Uni-Einrichtungen bessere Lebens- und somit Lernbedingungen für Studenten bringen und zugleich im ländlichen Raum den demografischen Wandel abfedern helfen."

Eine Antwort aus München habe Schramm bereits erhalten: "Der Minister verwies zwar auf die aktuelle Regierungsbildung, die Vorrang hat, aber er hat mein Anliegen wohl vernommen." Es werde demnächst ein "vertiefendes Gespräch" geben. "Unsere Chancen haben sich mit Sicherheit nicht verschlechtert."