Ein kleiner Rempler, eine missdeutete Handbewegung, dazu noch Alkohol und eine aufgeheizte Atmosphäre zu später Nachtstunde sind eine gefährliche Mischung. So kommt - wie beim Altstadtfest vor einem Jahr - eine Gewaltspirale in Gang. Ergebnis der Eskalation: Schlägereien in den beiden Kulmbacher Lokalen "Sohle" und "Liquid" und ein Polizeieinsatz in der Wohnung der Verdächtigen.

Für das Amtsgericht Kulmbach war am Donnerstag die Wahrheitsfindung nicht einfach. Amtsrichterin Sieglinde Tettmann hatte es mit so vielen Prozessbeteiligten zu tun wie selten: vier Angeklagte, zwei 25 und 26 Jahre alte Brüder, deren Mutter und deren 37-jähriger Freund, sowie vier Rechtsanwälte und 21 geladene Zeugen. Eine Herkulesaufgabe für das Gericht - vor allem deshalb, weil jeder der Beteiligten oder Zeugen eine unterschied liche Version ablieferte.

Fünf Stunden Beweisaufnahme


Nach fünf Stunden hatte das Gericht einigermaßen die Wahrheit ermittelt. Zwischendurch unterbrach das Gericht dreimal die Sitzung, um sich mit Verteidigern und Staatsanwalt zu besprechen. Mit jeder Unterbrechung kam mehr Klarheit in die Angelegenheit.

Zunächst wurde das Verfahren gegen die Mutter abgetrennt, die ein Geständnis ablegte. Sie hatte Widerstand gegen Polizeibeamte geleistet, die ihre beiden Söhne festnehmen wollte. Sie wurde zu 800 Euro Geldstrafe verurteilt. Das Verfahren gegen ihren Freund , der bei der Auseinandersetzung in der "Sohle" einen Nasenbeinbruch erlitt, wurde eingestellt - er muss lediglich 40 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Geldstrafen für die Brüder


Schließlich legten auch die Brüder Geständnisse ab. Beide gaben zu, "ausgeteilt und eingesteckt" zu haben. Im "Liquid" waren sie gemeinsam auf den Mann losgegangen, der den Freund der Mutter in der "Sohle" verletzt hatte, und dessen Schwager, einen Polizeibeamten, der damals aber keinen Dienst hatte. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung und Widerstands verhängte das Gericht Geldstrafen: Für den jüngeren, der den Schwager in den Unterarm gebissen hatte, 1800 Euro und für den älteren 2400 Euro.

Einen ausführlichen Bericht über die Gerichtsverhandlung lesen Sie in der Freitagsausgabe der Bayerischen Rundschau.