Es herrscht internationale Atmosphäre pur: 1660 Aussteller aus 66 Nationen rufen die unterschiedlichsten Gefühlsregungen hervor bei einer Schau, die an Farbenpracht, Folklore und den Düften wie aus Tausendundeiner Nacht nicht zu überbieten ist. Marokkanische Tänzerinnen, Trommler aus dem Süden Afrikas, Bayerische Blaskapellen, der Heimatchor von der Nordsee und mongolische Hirten, gaben Einblicke in die vielfältigen Kulturen. Auf 116 000 Quadratmetern präsentierte die "Grüne Woche", die größte Genussmittelmesse weltweit, alles was die Seele, das Auge und den Geschmackssinn betört.

Von den unbekannten Spezialitäten aus fernen Ländern bis zu den regionalen deutschen Produkten: Rund 400 000 Besucher wollten sich das nicht entgehen lassen, probierten, schmeckten, genossen, Und da waren sie am Stand von Oberfranken Offensiv an der richtigen Adresse. Wo in der weiß-blauen Bayernhalle die Fahne Frankens hochgehalten wurde, wie es Geschäftsführer Frank Ebert ausdrückte. "Wir vertreten gemeinsam die Genussregion Oberfranken, die Tourismuszentren Fichtelgebirge, Frankenwald und die Fränkische Schweiz, ziehen alle an einem Strang. Dabei sind noch die Unesco-Welterbe-Stadt Bayreuth und die Gemeinde Neudrossenfeld." Man sei zum dritten Male hier, sagte Ebert, und der Erfolg gebe einem Recht. "Für 2019 wollen wir mit einem noch attraktiveren Programm, speziell oberfränkisch, auf uns aufmerksam machen. Schön, dass uns die neun Landkreise und die vier kreisfreien Städte finanziell unterstützen."

Ein Stück von ihm entfernt steht Bürgermeister Harald Hübner von der Gemeinde Neudrossenfeld, zapft gerade ein 15 Liter Holzfass an und ist rundum zufrieden. "Für uns als Kommune ist die ,Grüne Woche' eine wunderbare Gelegenheit, unser Dorf als Tourismusstandort darzustellen, mit Bräuwerck und der Brauerei, dem Lindenbaummuseum, der Markgrafenkirche und dem Rotmain-Auenweg". Das Bräuwerck-Bier erweise sich als Publikumsmagnet, locke ständig Besucher an den Stand. Dass es sich lohne, hier in der Hauptstadt präsent zu sein, zeige das Interesse von Gästen im letzten Jahr, "die tatsächlich nach Neudrossenfeld gekommen sind und mit denen wir schriftlich Kontakt halten".


Wissenswertes über Gerstensaft

Ein solcher könnte sich mit Damian aus der Eiffel anbahnen, der einen Bauernhof sucht und dem Oberfranken mit seinen landschaftlichen Schönheiten schmackhaft gemacht wurde. Genauso wie mit dem 40-jährigen Berliner Ronny, vom Drossenfelder Bier angeregt, der mit Freunden im Sommer auf dem Weg nach Kitzbühel im Rotmaintal Station machen und die Brauerei besichtigen will - über die Braumeister Bernd Weibbrecht sein Wissen an die Besucher weitergab und erklärte, warum handwerklich gebrautes Bier schmeckt und welche Kunst dahintersteckt. "Der Gerstensaft aus Franken ist immer regionstypisch, hat seinen ganz eigenen Charakter."

Flyer über Neudrossenfeld, mit Hintergrundinformationen, verteilte Bräuwerckprokurist Peter Schuhmann und bezog die heimische Gastronomie mit ein. Und Gemeindebediensteter Thomas Kilian, der in Muckenreuth über 50 Kamerun-Schafe im Stall hat, gab Auskunft über deren Haltung und Wert.

Nicht weit von den Neudrossenfeldern entfernt ist Margitte Böhmer aus Stammbach-Fürstenreuth ganz in ihrem Element. Schon seit zwei Jahrzehnten ist für sie und ihrem Ehemann die ,Grüne Woche' ein Muss. "Ein Viertel meiner Urlauber auf dem Bauernhof sind Berliner, das hat auch die Messe möglich gemacht. Unser Bauernlädla mit Direktvermarktung gefällt ihnen ebenso". Brennmeister Klaus Brück aus Bieberbach in der Fränkischen Schweiz blickt herüber, zaubert Schlehen-, Himbeer-, Süßkirschen- und Granatapfel-Geist ins Glas, neuerdings kann man von ihm auch feinen Whisky haben. "Unser Obst kommt direkt aus dem eigenen Garten und den Wiesen", zeigte er sich ein bisschen stolz, "in unserer Familienpension hört man öfters Berliner Dialekt. Die Messe ist ein Türöffner".

Nur eine Halle weiter berät und informiert der Kulmbacher Manfred Spindler vom Max-Rubner-Institut in der Bierstadt. Der technische Angestellte, dort seit 30 Jahren und auch als einer vom "Seltenen Paar" bekannt, ist im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums unterwegs. "Wir haben heuer das Thema ,Fermentierung von Lebensmitteln' im Fokus. Zum Beispiel die Salami mit Hilfe von Reifekulturen.Er zeigt auf Sauerteig, Jogurth, Gurken und eben Salami.

Ganz zum Schluss noch eine nette, zufällige Begegnung: Bürgermeister Hübner trifft den norwegischen Kollegen Lars Magnusson aus Jennaker in der Provinz Oppland. Sie tauschen Adressen aus, begießen das Kennenlernen mit einem Aquavit. Hübner möchte den Kommunalpolitiker zu den Europatagen 2019 einzuladen.