Tausend Mal sind manche Schüler schon an dem gigantischen Brückenbauwerk, das bei Untersteinach im Zuge des Baus der Ortsumgehung entsteht, vorbeigefahren. Doch jetzt informierten sie sich aus erster Hand über die Bauarbeiten.

Die Schüler des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums und des Caspar-Vischer-Gymnasiums wollten sich vor Ort über das Berufsfeld "Bauingenieur und Planer" informieren. Gemeinsam mit dem Staatlichen Bauamt Bayreuth, der Vereinigung der Straßen und Verkehrsingenieure, dem Bayerischen Industrieverband und der Bayerischen Ingenieurekammer luden Experten die Schüler auf die Baustelle ein, um vor Ort Werbung für das Berufsfeld zu machen. "Es ist wichtig, dass wir die Schüler schon frühzeitig informieren und für diese Berufe sensibilisieren", sagte Siegfried Beck und zeigte sich über die Beteiligung erfreut. Die Schüler waren so interessiert, dass ein ganzer Bus Schüler zur Baustelle transportiert wurde.

Tatsächlich fehlen Fachkräfte am Bau. Die stetige Verschärfung von Studienbedingungen und der enorme Wissenszuwachs, der von den Studenten gefordert wird, sorgte für eine weitere Verknappung der Fachleute.

Immer neue Herausforderungen

"Bei uns ist jeder Tag anders. Wir stehen jeden Tag vor neuen Herausforderungen - wir entwickeln uns immer mehr zu Problemlösern", wurde Fritz Baumgärtel vom Staatlichen Bauamt noch deutlicher. Er erläuterte den Schülern, vor welchen Herausforderungen die Ingenieure und Planer bei der Realisierung der Ortsumgehung Untersteinach gestanden sind. Denn trotz aufwendiger Probebohrungen standen die Experten vor so mancher Unwägbarkeit. Die neue Straße wird im Bereich des Fränkischen Schichtstufenlandes gebaut. Das bedeutet, dass sich Keuper, Muschelkalk und Buntsandstein abwechseln. Der Boden sei ganz anders als an der Fränkischen Linie, wo Diabas und Granitstein vorkommt.

"Keuper ist ein Tonstein, der die Eigenheit hat, dass er, wenn Luft und Wasser an ihn kommt, so weich wie Grießbrei wird. Wir können in diesem Bereich die Böschungen nicht steiler als 33 Grad machen, sonst rutscht alles ab", erklärte Baumgärtel. Beim angrenzenden Muschelkalkgebiet ging man bei den Planungen davon aus, dass man die Böschungen mit 45 Grad anlegen könnte. Doch der Muschelkalk, wie er im Gebiet um Untersteinach vorkommt, ist rissig und bröckelt. Folglich müsse der gesamte Bereich mit Netzen und Nägeln gesichert werden. "Aber der Muschelkalk lässt sich nicht einfach abtragen, man muss ihn sprengen", erläutert Baumgärtel. Die nächste Sprengung findet am Freitag statt.

Von Details beeindruckt

Die Schüler zeigten sich über die Details beeindruckt, hatten plötzlich mehr Verständnis für die tiefen Einschnitte und die Planungen. Denn letztlich wollen die Planer die Brücke so niedrig wie möglich halten. Gleichzeitig soll auch Gefälle vermieden werden.

Die Experten vom Staatlichen Bauamt - Fritz Baumgärtel, Alexander Siller und Christoph Schultheiß - erläuterten nicht nur die Baustelle, sondern gingen auch auf die Organisation und Details der Ausführung ein und besichtigten mit den Schülern die Brücke über die Schorgast. Auf der Ortsumgehung fahren 16 000 bis 17 000 Autos pro Tag. Die neue Strecke ist die Hauptanbindung Richtung Kulmbach. Insgesamt ist die Maßnahme mit 60 Millionen Euro Bausumme eine der größten im Landkreis.