Die Umsatzzahlen bei Baur sehen gut aus. Das Geschäft des Versandhändlers läuft. Eigentlich ein Grund zur Freude für die Mitarbeiter. Doch bei der Betriebsversammlung am gestrigen Vormittag ist die Stimmung eine andere gewesen. Angst. Wut. Viele Mitarbeiter fürchten um ihre Jobs. Nachdem nun auch die Kaufwelt in Altenkunstadt zum 15. Dezember schließt, sitzt der Schmerz sehr tief bei den Mitarbeitern. Weitere 210 Vollzeitstellen sollen maximal abgebaut werden, bestätigte Baur-Pressesprecher Jörg Hoepfner.

Ursache dafür ist das Projekt "Fokus" der Otto Group, das seit April verfolgt wird. Baur gehört, wie auch Otto (Hamburg) und Schwab (Hanau), zur Otto Group. Das Projekt betrifft alle drei Unternehmen. Der Konzern will sich gegenüber anderen Online-Händlern behaupten, wettbewerbsfähig bleiben.

Der Verkauf über das Internet nimmt immer mehr zu. Baur macht mit seinem Online-Shop 75 Prozent seines Umsatzes. "Wir wollen uns robuster aufstellen. Unser Ziel ist es, schneller zu werden", erklärt Hoepfner. Deshalb sollen Abläufe optimiert werden, beispielsweise im Einkauf.

Derzeit haben Baur, Otto, und Schwab jeweils eigene Abteilungen, die Waren einkaufen. Dabei komme es oft vor, dass alle drei mit dem selben Händler verhandeln. Diese Überschneidungen will man einsparen. "Synchronisieren", erklärt Hoepfner. Dennoch soll sichergestellt werden, dass alle Unternehmen ihre Geschäftsleitung behalten.

Er betont, dass die Einsparungen auch andere Bereiche der Unternehmen treffen können, in denen es zu Überschneidungen kommt. Es sei noch alles "in der Schwebe". Über 20 Prüfaufträge gibt es derzeit. Es werden sämtliche Bereiche und Abläufe geprüft, es sei aber noch nichts entschieden. Das Projekt soll bis zum Jahr 2015 laufen, schon im nächsten Jahr sollen die ersten Maßnahmen getroffen werden. Dennoch warnte man die Mitarbeiter vor und schockte sie mit der Maximalzahl an Stellenstreichungen: 210 Vollzeitstellen in Oberfranken bei Baur, bei Schwab in Hanau 40 Stellen, und in Hamburg bei Otto seien es maximal 450 Stellen.

Derzeit wird darüber nachgedacht, den Baur-Einkauf an den Standort Hamburg umzusiedeln. Das Umsatzvolumen von Otto ist um das Zehnfache größer als bei Baur. Otto sei zudem bekannter als Baur und beschäftigt mehr Mitarbeiter.

Das lässt die Beschäftigten misstrauisch werden. Sie sehen keinen Vorteil für Baur und fürchten, dass Baur seine Eigenständigkeit verliert, nur noch zum Schein seinen Hauptsitz in Oberfranken behält. Eine Mitarbeiterin informierte unsere Zeitung über die Betriebsversammlung und die Sorgen der Belegschaft. Die Betriebsversammlung habe über fünf Stunden gedauert. Hoepfner schildert, dass die Baur-Sporthalle in Burgkunstadt voll besetzt war. Baur beschäftigt in Oberfranken etwa 3800 Mitarbeiter. Bei der Betriebsversammlung waren auch Projektleiter Alexander Birken und Baur-Geschäftsführer Marc Opelt anwesend und stellten sich den Fragen der Mitarbeiter.

"Wir wollen die Mitarbeiter mit ihren Sorgen und Ängsten nicht alleine lassen", erklärt Hoepfner. Deshalb suche man gezielt den Dialog mit der Belegschaft. Hoepfner hofft, auch im Namen von Geschäftsführer Opelt, dass am Ende weitaus weniger Stellen bei Baur betroffen sind. Man habe eine Maximalzahl für den Stellenabbau bekannt gegeben, um glaubwürdig zu bleiben. Außerdem versuche man im Zuge des Projekts, andere Kompetenzzentren der Otto Group nach Oberfranken zu holen. Hoepfner sorgt sich nicht um den Ruf von Baur. Die Geschäftsleitung arbeite daran, Baur für die Zukunft sicher zu machen, erkärt er.