Sie sind über 150 Jahre alt und haben mehr als nur eine Schönheitskur nötig: Im Auftrag der DB Netz AG werden derzeit die beiden Sandsteinbrücken in den Mainauen zwischen Kulmbach und Mainleus saniert. Konsequenz: Der Zugverkehr hat Pause. Bis einschließlich 9. September müssen Bahnreisende auf diesem Streckenabschnitt auf Ersatzbusse ausweichen.
Das ist für die Bahnkunden durchaus mit ein paar Unannehmlichkeiten verbunden, zumindest, wenn sie viel Gepäck oder Kinderwagen dabei haben oder wenn sie schlecht zu Fuß sind. Was für Pendler und Reisende mit kleiner Tasche kein Problem ist, kann für andere schnell anstrengend werden: in Kulmbach Treppe runter und wieder rauf, zur Bushaltestelle, in den Bus, in Mainleus wieder aussteigen und zu den Gleisen...
Katja Wallner ist Kulmbacherin und lebt in Frankfurt. Sie hat einige Tage ihre Eltern besucht und fährt mit dem Zug zurück. Ihren schweren Koffer muss sie wegen mehrerer Bahnbaustellen zwei Mal häufiger als üblich herumtragen: "Ich steige vier Mal um", erzählt sie uns,während sie ihr Gepäck die Stufen bis zu ihrem Sitzplatz im Bus hinaufbefördert. "Aber den Koffer schaffe ich ganz gut allein."
Nutzerin Nina S. schrieb uns auf Facebook, dass sie auf den Bus angewiesen ist, um zur Arbeit zu kommen. "Mein Zug fährt normal um 6.09 Uhr, der Bus erst um 6.14 Uhr. Fazit: Ich komme zu spät auf die Arbeit. Ich finde es zwar echt gut, das wir den Schienenersatzverkehr haben, aber dass sich die Abfahrtszeiten so verschoben haben, ist ein Nachteil."


Bahn: Kundenbetreuer helfen

Wir haben bei der Pressestelle der Deutschen Bahn in München nachgefragt: Gibt es bei Bedarf an den beiden Bahnhöfen eine Umstiegshilfe? Muss man sich dafür vorher anmelden? "Die Betreuung der Fahrgäste erfolgt durch die Kundenbetreuer", teilte uns ein Sprecher der Bahn mit. "Die Züge im Zulauf auf den Bauabschnitt sind mit Kundenbetreuern/Zugbegleitern besetzt. Sie begleiten die Reisenden zum Bus beziehungsweise vom Bus zum Zug." Eine Voranmeldung sei nicht vorgesehen: "Mobilitätseingeschränkte Reisenden können sich jederzeit an die Kundenbetreuer wenden."
Freilich gibt es auch Züge ohne Zugbegleiter auf der Strecke. In diesen Fällen packen die Busfahrer mit an, um beim Einsteigen und mit dem Gepäck behilflich zu sein.
Und wie sieht es mit dem Fahrplan aus? "Um eine durchgehende Reiseverbindung zu gewährleisten, werden die Fahrzeiten mehrerer Züge zwischen Kulmbach und Bayreuth bzw. zwischen zwischen Lichtenfels und Mainleus an die Busse des Schienenersatzverkehrs angepasst", teilt die Bahn mit. Alle Veränderungen des Fahrplans im Detail werden auf der Internetseite https://bauinfos.deutschebahn.com/docs/bayern/850.pdf veröffentlicht und ständig aktualisiert.
Und warum das alles? Die Deutsche Bahn AG hat bundesweit 25 700 Brücken zu unterhalten, davon 6200 Gewölbebrücken, zu denen auch die Sandsteinbauwerke bei Kulmbach zählen. Diese haben wie viele andere durch die Belastungen der Jahrzehnte gelitten. Sie werden nun ertüchtigt und in Abstimmung mit dem Denkmalschutz fachgerecht saniert.


Die Sünden der Vergangenheit

Mitarbeiter einer Spezialfirma haben in den vergangenen Wochen bereits die Sandsteingewölbe restauriert. Zunächst wurde die gesamte Front sandgestrahlt, um Verschmutzungen zu beseitigen. Anschließend galt es, die Reparatursünden der Vergangenheit auszumerzen. In die Fugen wurde früher oft einfach Beton oder Mörtel geschmiert. Die Spezialisten haben die Reste davon inzwischen sorgfältig aus den Fugen gehämmert und alle Sandsteinelemente treu verfugt.
Jetzt bekommen die Brücken noch eine neue Fahrbahnplatte aus Stahlbeton, die mit Mikropfählen an den bestehenden Bauwerken befestigt wird. Darauf werden später die Schienen montiert. Ab dem 10. September werden die Züge dann wieder normal fahren, verspricht die Bahn. Die Kosten für das Projekt in den Mainauen betragen rund 3,5 Millionen Euro.