"Wer bleiben will, soll sich anpassen!" So ist in der Debatte um den Zuzug von Flüchtlingen immer wieder zu hören. Was aber, wenn einer kommt, der sich wirklich integrieren will, sich anpassen an das Land, das ihn aufgenommen hat, hier wirklich Fuß fassen? Der hat's oft schwer.

Wie schwer der Weg zur Integration sein, wie sie aber letztlich dennoch gelingen kann: Darüber berichtete Javad Ahmadi auf Einladung des Kulmbacher "Fair-ein" im Pfarrsaal von St. Hedwig, sprach über seine Hoffnungen und seine Wünsche für die Zukunft.

Mensch zweiter Klasse

Vor knapp acht Jahren kam Javad Ahmadi aus dem Iran nach Kulmbach. Der heute 28 Jahre alte Afghane, dessen Eltern mit dem Einmarsch der russischen Truppen in Afghanistan Ende der 70er Jahre in den Iran geflohen waren, wurde im iranischen Maschhad geboren und wuchs dort auf. "Meine Eltern erhielten politisches Asyl. Jedoch wird man mit diesem Status im Iran als Mensch zweiter Klasse behandelt, man bekommt weder die Staatsbürgerschaft noch einen Reisepass." Integration? Nahezu unmöglich.

Dennoch konnten Javads Eltern ihren Lebensunterhalt in der Fünf-Millionen-Metropole bestreiten. Als jedoch Freunde von Javad Ahmadi Kontakt zu einer oppositionellen Organisation pflegten, musste er vor der iranischen Geheimpolizei ins Ausland fliehen.

Mit einer Schlepperorganisation kam er auf seiner zweieinhalb Monate dauernden Flucht über die Türkei mit dem Schiff nach Europa. "Unterwegs fiel in unserem kleinen Boot der Motor aus, das Wasser drang in das Schiff ein, alle hatten Durst und Hunger", berichtete er.

Unbedingt Deutsch lernen

Schließlich gelang es den Flüchtenden, die Polizei auf sich aufmerksam zu machen, die sie auf eine griechische Insel brachte. Von dort führt ihn der nächste Weg nach München. "Ich hatte keinen richtigen Reisepass, also kam ich ins Erstaufnahmelager Zirndorf, dann nach Kulmbach", so der 28-Jährige.

Er war in Sicherheit. Er hatte ein Dach über dem Kopf - und vielleicht ahnte er damals noch nicht, dass es ein langer Weg werden würde, bis er richtig angekommen sein würde in der neuen Heimat.

"Javad wollte unbedingt Deutschl lernen", erinnert sich Gabriele Philipp, die früh in Kontakt kam mit dem jungen Mann, und deren Familie ihn gewissermaßen unter ihre Fittiche nahm, mit ihm deutsche Vokabeln und Grammatik büffelte.

Aber Javad wollte noch mehr: einen ordentlichen Schulabschluss, eine Berufsausbildung oder vielleicht sogar ein Studium. Die äußeren Bedingungen waren dafür denkbar ungünstig: In der Gemeinschaftsunterkunft, in der der junge Mann lebt, ist es laut. Rückzugsmöglichkeiten gibt es kaum.

Aber Javad beißt sich durch. Nicht nur durch die deutsche Grammatik. Sondern auch durch den Behördendschungel. Hartnäckig kämpft er darum, in Bamberg eine Schule besuchen zu dürfen, die ihn auf den Besuch der Fachoberschule vorbereiten soll. Bei den Behördengängen unterstützen ihn seine neuen deutschen Freunde.

Und sie unterstützen ihn auch, als er es endlich schafft, die Genehmigung zum Schulbesuch zu erhalten: Englisch, Deutsch, Mathe, Chemie - viele Menschen opfern ihre Zeit, um mit dem jungen Mann zu üben. Ehrgeizig ist er, will lernen um jeden Preis. Weil er das im Iran nicht durfte.

Eine Arbeitserlaubnis bekommt er nicht, verdient sich mit einer Art Hausmeisterjob in der Asylbewerber-Unterkunft ein paar Euro, findet glücklicherweise einen Gönner, der ihm bei seinen Bemühungen, schulisch und beruflich Fuß zu fassen, finanziell unter die Arme greift.

Der Traum vom Fachabitur hat sich letztlich nicht erfüllt. Aber Javad beißt sich weiter durch: Im September 2013 findet er eine Ausbildungsstelle in Nürnberg als Elektriker. 2017 schließt er die Lehre mit Erfolg ab. "Das war aber auch kompliziert, denn aufgrund der Residenzpflicht durfte ich nicht ohne Weiteres nach Nürnberg umziehen", erinnert er sich.

Heute lebt Javad Ahmadi wieder in Kulmbach und hat eine Anstellung bei einem lokalen Elektrofachbetrieb gefunden. Seine Aufenthaltserlaubnis wurde um zwei Jahre verlängert. "Wie es danach weiter geht, weiß ich noch nicht, ich hoffe natürlich, bleiben zu können."

Schließlich hat sich Javad Ahmadi inzwischen gut eingelebt in seiner neuen Heimat, ist ehrenamtlich aktiv bei den "Leos", dem Jugend-Ableger des Lions Clubs. Hier organisiert er Benefiz-Dinner oder wäscht Autos für einen guten Zweck. In Nürnberg hat er Asylbewerbern die deutsche Sprache beigebracht.

Ungewisse Zukunft

Ein "Vorzeige-Asylbewerber"? So könnte man es fast nennen. Dennoch: Sein Asylantrag wurde zwischenzeitlich abgelehnt. "Ausschlaggebend ist nicht, dass ich im Iran geboren und aufgewachsen bin" so sagt Javad, "sondern das Herkunftsland meiner Eltern. Also werde ich als Afghane angesehen."

Noch nie in seinem Leben war der 28-Jährige in Afghanistan. Genau dorthin würde er aber im Falle einer Abschiebung gebracht werden.

Trotz der weiterhin ungewissen Zukunft ist Javad Ahmadi allen Helfern hier in Deutschland unendlich dankbar. "Nicht jeder Asylbewerber hat so viel Glück wie ich." Dabei seien so viele bereit, hart zu arbeiten und Opfer auf sich zu nehmen. "Sie alle verdienen eine Chance."