Während bei Inge Aures (SPD) am späten Nachmittag ziemlich sicher feststeht, dass sie weiter im Landesparlament sitzen wird, ist es bei Rainer Ludwig (FW) noch nicht so weit. Er liefert sich mit Florian Wiedemann (Bayreuth) ein Rennen, das zu Redaktionsschluss noch nicht zu Ende ist.

Obwohl sie es wieder in den Landtag geschafft hat, fällt Inge Aures das Freuen nach dem Wahldebakel vom Sonntag schwer. "Es geht mir um die ganze Partei", sagt sie, auch wenn ihr Ergebnis und das der oberfränkischen SPD herausragen aus den Statistiken.

Heute in München

Am Dienstag wird sie in einer Vorstandssitzung der SPD-Fraktion in München den Ausgang der Wahl besprechen, am Donnerstag komme dann die ganze Fraktion zusammen. "Dann werden wir Näheres hören", sagt sie und meint damit auch das Abschneiden in der Landeshauptstadt. "Das Ergebnis in München ist schrecklich." Dort hat die SPD trotz eines sozialdemokratischen Oberbürgermeisters nicht einmal 14 Prozent erreicht.

Dass die oberfränkische SPD doch drei Sitze erzielt, sei schon Glück. "Aber das hilft nicht darüber hinweg, wie die Partei beieinander ist. Die Sektkorken lasse ich sicher nicht knallen", sagt sie, als um 16.34 Uhr feststeht, dass ihr das Mandant wohl nicht mehr zu nehmen ist.

Bei Rainer Ludwig geht das Bangen dagegen weiter. Denn bis 20.30 Uhr Uhr waren die Stimmkreise Bamberg Stadt, Forchheim und Kronach-Lichtenfels noch nicht ausgezählt und offiziell gemeldet. Während der Forchheimer Thorsten Glauber sicher einen der beiden oberfränkischen Sitze errungen hat, liefert sich der Kulmbacher mit dem Bayreuther FW-Kandidaten Florian Wiedemann ein Duell. Etwa 800 Stimmen lag Ludwig am Abend vorne.

Der letzte Kick fehlt

Klar, dass Rainer Ludwig "noch zittert", als wir ihn am Telefon erreichen. Doch er zeigte sich zuversichtlich: "Im Moment stehe ich auf Platz 2." Deshalb herrsche bei ihm aber noch keine große Euphorie, sondern nur Freude über das gute Abschneiden der Freien Wähler am Sonntag. "Aber der letzte Kick, der Sitz in München, der fehlt noch."

Den Tag hat Rainer Ludwig vor allem mit der Analyse der Wahl verbracht. Auch Organisatorisches habe geregelt werden müssen: die Abnahme der Plakate, das Verfassen von Dankesbriefen und vieles mehr.

Dass Ludwig zuversichtlich sein kann, als Landtagsabgeordneter die Interessen Oberfrankens vertreten zu können, zeigt auch die Tatsache, dass ihn bereits Florian Wiedemann angerufen hat und sich selbst auf Rang 3 sieht, erklärt Ludwig als Hintergrund. Obwohl es ihm am liebsten gewesen wäre, hätten die oberfränkischen Freien Wähler drei Sitze erobert. "Denn wir waren ein gutes Team, das einen fairen Wahlkampf geführt hat."

Lerchenfeld trägt's mit Fassung

"Sicher nicht drin im bayerischen Landtag" ist dagegen Ludwig von Lerchenfeld, wie er selbst sagt. Und er liefert die Begründung gleich mit: "Weil es kein Überhangmandat gibt." Doch als Demokrat nehme er die Niederlage hin, die hausgemacht gewesen sei. Traurig sei er deswegen aber nicht, "denn ich falle auf die Füße".

Trotz des verlorenen Mandats will sich der Pressecker weiter für die Region einsetzen. "Ich bin hier schon immer tätig gewesen, egal, ob Abgeordneter oder nicht. Ich sitze weiterhin im Gemeinderat und Kreistag und vielen weiteren Gremien." Oberfranken sei eine wunderschöne und wertvolle Region, für die sich das Engagement lohne.

Einen Verantwortlichen für das Debakel der CSU hat Ludwig von Lerchenfeld ausgemacht: Parteivorsitzenden Horst Seehofer. "Er hatte großen Anteil daran, dass sich der Wahlkampf nach Berlin verschoben hat und es keine reine Bayern-Wahl war.". Und das habe dazu geführt, dass man in Bayern so viele Stimmen verloren habe.