Es gibt Weihnachten, Ostern und seit ein paar Jahren das Oktoberfest, an denen Deutschland und die Welt gemeinsam feiert. Geburt, Wiederauferstehung und - nennen wir es Brauchtum und Bierkultur, was auf der Theresienwiese zelebriert wird.

Von dort hat es die Wiesn in die Supermärkte Deutschlands geschafft. Schon Wochen vor dem "Ozapft is" des Münchner Oberbürgermeisters geht es los: Oktoberfest- Schnaps, -Bier, -Brezeln und weiß-blaue Girlanden überfluteten gleich nach den Lebkuchen im September die Regale der Supermärkte. Alles doppelt so teuer wie die Nicht-Oktoberfest-Ware und garantiert genauso original wie Münchner Lederhosen und Dirndl in Faschingskostüm-Qualität "made in China", die es auch zuhauf gibt. Bunte Blättchen Klatschmagazine und seriösere Medien verfallen dem Wiesn-Rausch.

Die C bis F-Promidichte ist zu dieser Zeit höher als im RTL-Dschungelcamp. Was macht man jetzt gegen die Oktoberfestisierung des Alltags? Man sollte alles mit weiß-blauen Rauten meiden und gleich nach den Sommerferien einen Vorrat an Lebensmitteln anlegen, die in entferntester Weise mit der Wiesn assoziiert werden könnten, um den Oktoberfest-Aufschlag zu umgehen. Wenn alles nicht hilft, dann in den Flieger steigen und ganz weit weg. Aber Vorsicht, auch im Ausland wartet bereits das Wiesn-Monster.