Seit Generationen beruht die bildliche Vorstellung von Friedrich dem Großen auf den unzähligen Darstellungen des Königs nach dem Siebenjährigen Krieg. Besonders die zeitgenössischen Gemälde von Anton Graff, Johann Heinrich Christian Franke und Daniel Chodowiecki und im 19. Jahrhundert von Adolph von Menzel prägen bis heute das Bild vom Alten Fritz.


Gebückt und mit Dreispitz

Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie nach 1763 entstanden sind und fast ausnahmslos den gebückten Herrscher mit Dreispitz und durchfurchten Gesichtszügen zeigen.

Nur ganz wenige Darstellungen sind auf uns zugekommen, die den jungen, pausbäckigen Friedrich wiedergeben: Dazu gehört die hier vorgestellte etwa 42 Millimeter hohe Miniatur. Sie zeigt Friedrich wahrscheinlich noch als Kronprinzen kurz vor seinem Regierungsantritt 1740.


Mit Bruststern des Schwarzen Adlerordens


Er trägt einen schlichten blauen Rock mit dem Bruststern des Schwarzen Adlerordens, der höchsten Auszeichnung im Königreich Preußen. Über der linken Schulter liegt das orange Band zum Kleinod des Schwarzen Adlerordens. Den Hintergrund hat der namentlich nicht bekannte Maler mit dem Hermelin gefütterten roten Seidenmantel gestaltet - ein Topos der Herrscherikonografie des 18. Jahrhunderts.

Der Betrachter wird sofort angezogen von den tiefblauen, leicht hervorstehenden Augen, was schon die Zeitgenossen fasziniert hat. Wahrscheinlich wurde als Vorlage ein Gemälde des Hofmalers Antoine Pesne verwendet.
Während die meisten Miniaturen der damaligen Zeit mit Wasserfarben oder Deckfarben auf hauchdünnes Elfenbein mittels einer Lupe gemalt sind, wurde bei vorliegendem Bild verflüssigtes Emaillepulver auf eine Kupferplatte aufgetragen und anschließend gebrannt - ein weit schwierigerer Vorgang: Farbveränderungen oder Spannungsrisse konnten alles zunichte machen.


Vergoldeter Holzrahmen

Die Bedeutung des Emailleportraits wird dadurch gesteigert, dass die gewölbte, leicht ovale Miniatur in einen unregelmäßigen vergoldeten Holzrahmen mit typischen Rokokomotiven integriert ist. Sie stellt die früheste Darstellung des Königs im Museum dar.