Dieses Missgeschick wird eine 43-jährige Stadtsteinacherin wohl nicht so schnell vergessen: Ein abgebrochener Haustürschlüssel brachte ihr jede Menge Ärger ein und endete auch noch mit einem Polizeieinsatz.

Dass die selbstständige Unternehmerin ihr Haus noch betreten konnte, war reine Glückssache. Denn der Schlüssel brach in dem Moment ab, als sie die Tür hinter sich wieder abschließen wollte. Insofern bestand auch keine Eile, und die Stadtsteinacherin machte sich in Ruhe im Internet auf die Suche nach Hilfe - und zwar fernab der Rubrik Notdienste. Immer wieder kehrende Berichte über Abzocke durch Schlüsseldienste hatten sie vorsichtig gemacht. Deshalb entschied sie sich für einen Anruf bei einem Anbieter in einem Nachbarort. Der sagte auch prompt schnelle Hilfe zu. Und damit begann der Ärger mit dem Türschloss erst richtig.

Denn nicht aus der Nachbarortschaft, sondern aus dem fernen Hof tauchte nach einer halben Stunde ein "Aufsperrnotdienst" auf. "Ich hatte aber ausdrücklich keinen Notdienst beauftragt. Und die Frage, ob er denn bei der angerufenen Firma angestellt sei, verneinte der Mann", erzählt die Stadtsteinacherin. Damit nicht genug: "Er füllte dann gleich einen Fragebogen aus, kreuzte Notdienst an und trug eine Anfahrtspauschale von 30 Euro sowie eine Türöffnungspauschale von 120 Euro ein. Ich sollte dieses Formular gleich unterschreiben - noch ehe der Monteur überhaupt angefangen hat."

Als die Stadtsteinacherin das ablehnte, bot ihr der nach eigenen Angaben selbstständige Monteur ein Geschäft an: Am Stundenlohn von 80 Euro könne er nichts machen, aber den Schließzylinder könne er ihr "schwarz" für die Hälfte des regulären Preises von 100 Euro überlassen.

"Eine Frechheit"

"Ich fand das Angebot eine Frechheit und lehnte ab", erklärt die Stadtsteinacherin, die auch sofort im Nachbarort anrief, um zu erfahren, warum der Auftrag weitergegeben wurde. "Ich solle dem Monteur halt Geld geben und mich mit ihm einigen", bekam sie zu hören. Was die 43-Jährige aber nicht tat.

Und dann eskalierte die Situation. Der Monteur wurde laut: "Er schrie mich an: Ich sollte ihm die Anfahrtspauschale und die Notöffnungspauschale bar aushändigen und unterschreiben." Was die Unternehmerin aber nicht tat. Nach ihren Angaben drängte sie der Monteur daraufhin in die Wohnung zurück und forderte schreiend "sein Geld".

40 Euro Beratungshonorar

Als die 43-Jährige selbst laut wurde, beruhigte sich der Handwerker etwas, weigerte sich aber weiterhin zu gehen und versperrte den Ausgang. Erst nach Eintreffen der alarmierten Polizeibeamten verließ er das Haus. "Die Wartezeit bis zum Eintreffen der Polizei führte er auf seiner Rechnung dann auch noch als Beratungshonorar mit 40 Euro auf. Brutto soll ich für Anfahrt und Beratung 83,30 Euro zahlen, ohne dass er auch nur sein Handwerkszeug ausgepackt hatte."

Aber das wird die Stadtsteinacherin nicht tun. Stattdessen hat sie bei der Polizei Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstattet und den Mainleuser Rechtsanwalt Ulrich Gödde eingeschaltet. Und der gibt seiner Mandantin Recht. "Der Monteur aus Hof hat doch gar kein Anrecht auf die horrende Pauschale, weil er nicht direkt beauftragt wurde", sagt Gödde und betont, dass der Handwerker sich nicht einfach weigern kann, die Wohnung zu verlassen. "Das ist ganz klar Hausfriedensbruch", erklärt der Rechtsanwalt und rät dringend dazu, Formulare vor einer Unterschrift immer ganz genau durchzulesen.

Rückfragen abgeblockt

Der ursprüngliche Auftragnehmer, der am Telefon nicht einmal seinen Namen nennen will, schweigt sich unterdessen aus, warum er die Arbeit nicht selbst erledigt hat. Mit dem Hinweis, dass sich sein Kollege aus Hof "nicht veräppeln lässt und sein Geld sehen will" blockt er jede Rückfrage ab.

Die Stadtsteinacherin hat ihr Haustürschloss inzwischen kostengünstig in Ordnung gebracht: Den Schließzylinder für 30 Euro hat sie selbst besorgt, ein Bekannter hat das Teil eingebaut. "Das war eine Sache von zehn Minuten", sagt die 43-Jährige. Und hofft, dass ihr ein solches Malheur nicht mehr passiert ...